Die RTL-Gruppe hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent gesteigert. - © dpa
Die RTL-Gruppe hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent gesteigert. | © dpa

Wirtschaft RTL Group wächst weiter

Bertelsmann-Tochter legt wieder Rekordzahlen vor. Aber das operative Ergebnis steigt nur dank Sondereffekt. Neuer RTL-Chef setzt verstärkt auf Online-Videos

Andrea Frühauf

Luxemburg/Gütersloh. Trotz teils schrumpfender TV-Werbemärkte in Europa ist die RTL Group weiter gewachsen. Vor allem das deutsche Fernsehgeschäft bleibt die Cash-Cow der europäischen Fernseh-Gruppe, an der Bertelsmann 75,1 Prozent hält. Insgesamt steigerte die RTL Group (11.000 Mitarbeiter) den Umsatz im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf den Rekordwert von 6,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 3,8 Prozent auf 1,46 (2016: 1,41) Milliarden Euro. Grund für dieses operative Rekordergebnis war allerdings der Verkauf von Immobilien in Paris, die 94 Millionen Euro einbrachten. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Betriebsgewinn leicht gesunken. Der den Aktionären der RTL Group zurechenbare Nettogewinn stieg um 2,6 Prozent auf 739 Millionen Euro. Die Aktionäre, darunter der Haupteigner Bertelsmann, sollen eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie von dem MDax-Konzern erhalten – nachdem der bereits einen Euro als Zwischendividende ausgeschüttet hatte (Dividendenrendite für 2017: 5,9 Prozent). Steigende Ergebnisbeiträge kamen von den Sendern in Deutschland und aus dem Produktionsgeschäft. So lieferte RTL Deutschland (RTL, n-tv, Vox, Nitro) im sechsten Jahr in Folge ein Rekordergebnis: Das Ebitda des deutschen TV-Konzerns wuchs um 3,5 Prozent auf 743 (2016: 718) Millionen Euro. Der Anstieg wurde laut Vorstand vor allem durch höhere Umsätze aus der TV- und Digitalwerbung sowie aus Plattformerlösen erzielt. Die Produktionstochter Fremantle Media steigerte ihren Betriebsgewinn um 8,5 Prozent auf 140 (2016: 129) Millionen Euro. Grund seien höhere Ergebnisbeiträge in Nordamerika und Europa. Im laufenden Jahr wird ein Umsatzplus von 2,5 bis 5,0 Prozent erwartet, aber ein sinkendes Ergebnis. Nur ohne den Sondereffekt aus dem Immobilienverkauf dürfte der Betriebsgewinn stabil bleiben, teilte RTL mit. Konzernchef Bert Habets, der im vergangenen Jahr an die Spitze der Gruppe gerückt war, kündigte einen Ausbau des werbefinanzierten Online-Videogeschäfts an. „Ziel ist es, dieses erhebliche Wachstumspotenzial zu erschließen.“ Die Video-on-Demand-Plattformen (Video nach Bedarf) richten sich direkt an die Endkunden. Für deren Ausbau in Europa werde in lokale, exklusive Inhalte investiert. Der Fernsehkonzern verstehe sich zunehmend als „total Video“, sprich die Inhalte werden jederzeit auf allen Endgeräten bereitgestellt, so ein Sprecher. Um bei der jüngeren Zielgruppe gegen Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Prime zu bestehen, kündigte Habets hier mehr Investitionen an. In den nächsten Monaten sollen neue Angebote in Belgien, Ungarn und Kroatien starten. Der neue TV-Sender für US-Serien (Now US) soll in Kürze in Deutschland starten. Er werde dann über das Streamingangebot TV Now zu sehen sein. Dabei handele es sich um ein Hybridmodell. Das Basismodel gebe es werbefinanziert gratis, das Premium-Angebot mit HD-Qualität koste, hieß es. Teils sind die Streaming-Anbieter auch Fremantle-Kunden. Fremantle werde verstärkt auf die Produktion von Serien wie „American Gods“ setzen.

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