Erwarten positive konjunkturelle Entwicklung: Thomas Niehoff (v.l.), Oliver Flaskämper, Rainer Döring, Harald Gree und Marco Rieso. - © Oliver Krato
Erwarten positive konjunkturelle Entwicklung: Thomas Niehoff (v.l.), Oliver Flaskämper, Rainer Döring, Harald Gree und Marco Rieso. | © Oliver Krato

Wirtschaft Ostwestfalen auf der Sonnenseite der Konjunktur

Frühjahrsumfrage: Nur der zunehmende Fachkräftemangel scheint den Erfolg der meisten Dienstleistungs- und Handelsfirmen zu bedrohen

Martin Krause

Bielefeld. Nach dem für manche Einzelhändler enttäuschenden Weihnachtsgeschäft hat sich die Stimmung im Handel Anfang 2018 ein wenig eingetrübt. Ansonsten aber ist die Laune im tertiären Sektor, zu dem alle Dienstleistungsbranchen von der Arbeitnehmerüberlassung bis zum Versicherungsgewerbe gehören, bestens: „Wir befinden uns uns auf der Sonnenseite der Konjunktur“, sagt Thomas Niehoff, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Die Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Kammer ergab, dass auch die Erwartungen der meisten Unternehmen für die nächsten Monate positiv sind – wenn auch nicht auf dem gleichen Rekordniveau wie die Einschätzung der gegenwärtigen Lage. „Über alle Handelsbereiche hinweg ist Personalaufbau geplant“, sagt IHK-Vizepräsident Rainer Döring, der auch Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses ist. Ganz ähnlich klingt Oliver Flaskämper, der zum Vorstand des IHK-Dienstleisterausschusses gehört: „In allen Dienstleistungsbranchen soll Personal aufgebaut werden – mit Ausnahme des Kreditgewerbes.“ Die Banken leiden besonders unter den Folgen der Digitalisierung, die Konsolidierung ist seit Jahren in vollem Gange. Dienstleistungssektor ist der Jobmotor Der sogenannte Konjunkturklimaindikator für den Handel sank leicht von 142 auf 139 Punkte, der Indikator für die Dienstleister stieg von 126 auf 129 Punkte. Mit dem Willen, die Belegschaften weiter aufzustocken, werden die Dienstleister ihrem Ruf als „Jobmotor“ also unvermindert gerecht. Allein in den vergangenen zehn Jahren seien von den Dienstleistern in Ostwestfalen 90.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, erinnerte Harald Grefe, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK. Insgesamt beschäftigen Dienstleistungsunternehmen nun im Kammerbezirk fast 350.000 Menschen, rund 102.000 Mitarbeiter zählt der Handel. Doch dem Expansionswillen stehen wachsende Schwierigkeiten gegenüber, alle Stellen zu besetzen. Die Klage über den Fachkräftemangel sei „fast wie ein Tinnitus“ geworden, sagte dazu Flaskämper. Tatsächlich gebe es auf manche Stellenausschreibung kaum noch oder gar keine Resonanz. Für die IT-Branche, in der Flaskämper mit seiner Herforder Firmengruppe (bitcoin.de) selbst tätig ist, spitze sich der Mangel derart zu, dass sich die Verlagerung von Firmenteilen aufdränge. Er werde daher noch im ersten Halbjahr 2018 einen Entwicklungs-Standort in Frankfurt eröffnen, so Flaskämper. Aber auch die Vergabe von Aufträgen etwa ins osteuropäische Ausland sei denkbar. Steigerung der Arbeitskosten als zweites großes Risiko Aber auch die anderen Dienstleistungsbranchen und der Groß- und Einzelhandel sehen im Fachkräftemangel das größte Konjunkturrisiko – mit steigender Tendenz. Im Güterkraftverkehr sehen das 93 Prozent der Firmen so, bei den Zeitarbeitsfirmen 90 Prozent. Dementsprechend ist der Anteil der Unternehmen mit offenen Stellen auf mehr als 40 Prozent gestiegen. Wegen des Problems, Stellen zu besetzen, werde die Entwicklung der Arbeitskosten als zweites großes Problem angesehen, ergänzte Rainer Döring.

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