Bünde Die Zukunft des Wohnens: Kleiner, leichter und trotzdem gemütlich

Studenten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur blicken in die Zukunft der Möbelbranche. Die Bünder Firma Trendfilter hat sie dabei begleitet

Katharina Georgi
Bettchen wende dich: Katrin de Louw zeigt ein Bett, das zum Schreibtisch wird. Alle Unterlagen können dabei auf der Schreibtischplatte verbleiben und verrutschen auch beim Drehen nicht. Foto: Katharina Georgi - © Katharina Georgi
Bettchen wende dich: Katrin de Louw zeigt ein Bett, das zum Schreibtisch wird. Alle Unterlagen können dabei auf der Schreibtischplatte verbleiben und verrutschen auch beim Drehen nicht. Foto: Katharina Georgi | © Katharina Georgi

Wohnraum in der Stadt wird knapp. Darum werden die Wohnungen immer kleiner. Was sich jetzt schon abzeichnet, wird in nicht allzu ferner Zukunft Alltag sein. Darin sind sich fünf Studenten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur einig. Dafür haben sie vier Raumszenarien entwickelt, in denen sie „richtungsweisende Ideen" aufzeigen. Das ist zumindest die Einschätzung der Bünderin Katrin de Louw, Innenarchitektin und Branchenkennerin.

„Hybrid" ist eines der Schlagworte, die sie für das Projekt gern benutzt. „Möbel müssen verschiedene Funktionen erfüllen", erklärt sie. Nur so sind sie für solch kleine Wohnungen geeignet. Denn nur 18 Quadratmeter groß sind die Räume, die die Studenten gemeinsam mit der Bünderin gestaltet haben. Zu sehen waren sie kürzlich bei der „Zulieferermesse für Möbelindustrie und Innenausbau", der ZOW in Bad Salzuflen. Und jeder der vier Räume hat andere Ideen, aber in etwa gleich viel Platz.

1 Der erste Raum, in den de Louw ihre Besucher führt, ist von Lena Klein-Erwig gestaltet worden. Laut Szenario wird die Mini-Wohnung von einem Berufspendler bewohnt, der während der Woche in der Stadt wohnt, am Wochenende aber zu seiner Familie aufs Land fährt. Die Garderobe geht fließend über in eine Küchentheke. Ein Geheimfach fährt auf Knopfdruck aus und soll Wertgegenstände schützen.

Mobiliar in einer Kiste: Alle wichtigen Möbel, zum Beispiel für die erste Studentenbude, passen in eine Holzkiste. - © Tessa Sieker
Mobiliar in einer Kiste: Alle wichtigen Möbel, zum Beispiel für die erste Studentenbude, passen in eine Holzkiste. | © Tessa Sieker

Wer die Wohnung betritt, kann zu seiner Rechten eine Klappe öffnen und dort seinen Koffer geöffnet hineinschieben. Im Kleiderschrank des Schlafzimmers taucht genau dieser Koffer wieder auf – die Rückwand ist zum Teil integriert in das Schranksystems des Flurs. Zugleich ist der Kleiderschrank als Herzstück der Wohnung auch zentraler Raumteiler.

2 Das Szenario der zweiten Wohnung zeigt die Einrichtung für eine alleinstehende Frau, deren erwachsene Kinder bereits aus dem Haus sind. Im Mittelpunkt dieser Wohnung von Student Mascha Großmann steht der Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum.

Die wiederum ist selbst der Bettkasten. - © Tessa Sieker
Die wiederum ist selbst der Bettkasten. | © Tessa Sieker

Nebeneinander liegen die Küche und das Schlafzimmer. Gegenüber der Küchenzeile gibt es einen gemütlichen Essbereich. Alles zusammen liegt in einem großen Raum, ein kleines Wandstück trennt lediglich Küche und Schlafzimmer ab.

Ein großer Raumteiler ist es, der den großen Raum zu gemütlicheren kleinen Einheiten aufteilt – und zwar genauso, wie es der Bewohner gerade wünscht. „Der Raumteiler ist in drei Dimensionen gedacht", erklärt de Louw. Das Trennelement, das neben der Küche angebracht ist, lässt sich also in drei Richtungen schieben.

„So kann jeder ganz einfach seinMobiliar sogar versenden", sagt Tessa Sieker, die sich das Prinzip zusammen mit Jessica Neumann ausgedacht hat. - © Tessa Sieker
„So kann jeder ganz einfach seinMobiliar sogar versenden", sagt Tessa Sieker, die sich das Prinzip zusammen mit Jessica Neumann ausgedacht hat. | © Tessa Sieker

In der so entstehenden Wohnküche – der Schlafbereich wird abgetrennt – kann so ein großzügiger Essbereich geschaffen werden.

Das Schlafzimmer wird in wenigen Sekunden zum Arbeitszimmer, wenn das Bett umgeklappt wird und der Schreibtisch von der Unterseite nach oben fährt.

3 In der Zukunft könnten Wohnungen wie sechseckige Waben aneinander gesteckt werden. So stellt sich das zumindest Studentin Celina Stiehl vor. „Hier wohnt eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern", erklärt die junge Frau. Das Zentrum des Familienlebens ist oft der Esstisch, der auch in ihrem Konzept die zentrale Rolle spielt – im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr wabenförmiger Tisch ist multifunktional: Dort wird gegessen, gespielt, Hausaufgaben gemacht und Gäste empfangen. Dafür sind zusätzliche Sitzgelegenheiten im Tisch integriert. Die umstehenden Hocker bieten zusätzlichen Stauraum.

4 Was der letzte Raum des kleinen Rundgangs bietet, ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Aber die Idee von Jessica Neumann und Tessa Sieker dürfte vor allem Menschen entgegen kommen, die viel umziehen oder ihre erste eigene Wohnung einrichten. „Im Fokus stand der Möbeltransport", erklärt Sieker. „Wie wäre es, wenn man die Möbel für eine Wohnung gleich in einem Koffer, in einem Case, kaufen könnte?", fragt sie. Und entwickelte die „Interior Cases", in denen das Mobiliar für vier verschiedene Räume gebündelt ist.

Im Falle des ausgestellten Raumes ist der Bettkasten zugleich auch das Paket, in dem die Möbel für Schlaf- und Arbeitszimmer (Fotos unten) verstaut werden. Auch Decken und Kissen haben darin Platz. „Das funktioniert wie ein Baukastensystem", erklärt Sieker.

Je praktischer und platzsparender desto besser – eben genau richtig für die Zukunft des Wohnens.

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