Sehen zusätzlichen Gewerbeflächenbedarf: Thomas Niehoff (IHK Bielefeld, v.l.), Jenny Krumov (IHK Lippe), Harald Grefe (IHK Bielefeld), Axel Martens (IHK Lippe), Lena Strothmann (Handwerkskammer OWL), Wolfgang Borgert (Handwerkskammer OWL) und Wolf D. Meier Scheuven (IHK Bielefeld). - © Heiko Stoll
Sehen zusätzlichen Gewerbeflächenbedarf: Thomas Niehoff (IHK Bielefeld, v.l.), Jenny Krumov (IHK Lippe), Harald Grefe (IHK Bielefeld), Axel Martens (IHK Lippe), Lena Strothmann (Handwerkskammer OWL), Wolfgang Borgert (Handwerkskammer OWL) und Wolf D. Meier Scheuven (IHK Bielefeld). | © Heiko Stoll

Bielefeld/Detmold OWL-Wirtschaft kämpft um Flächen

Regionalplan: Die beiden Industrie- und Handelskammern der Region und die Handwerkskammer OWL haben gemeinsam einen „Fachbeitrag“ mit Forderungen erstellt

Martin Krause

Bielefeld/Detmold. Die drei Wirtschaftskammern in OWL fordern für die wirtschaftliche Entwicklung der Region mehr Spielraum. Gemeint sind zusätzliche Flächen und Standorte für Unternehmensansiedlungen, Betriebserweiterung oder Verlagerungen. Die Industrie- und Handelskammern in Bielefeld und Detmold sowie die Handwerkskammer OWL sind sich in diesem Punkt einig und äußern sich entsprechend im „Fachbeitrag der Wirtschaft zum Regionalplan OWL 2035", der unter dem Titel „Flächen für die Zukunft" an die Bezirksregierung in Detmold gerichtet ist. Der Regionalplan soll bis 2022 aufgestellt werden. Sorge bereitet allen Kammervertretern der diagnostizierte „deutliche Engpass an Wirtschaftsflächen". Die im derzeit noch gültigen Regionalplan von 2001 ausgewiesenen Flächenreserven für Wohnen und Gewerbe seien „nach 15 Jahren fast aufgebraucht", stellte der Bielefelder IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven bei der Vorstellung des Werks fest. Auf der einen Seite gebe es eine hohe Investitionsbereitschaft in OWL und eine überdurchschnittliche, positive wirtschaftliche Entwicklung. So sei die Wirtschaftsleistung der Region (BIP) seit 2009 um 19,4 Prozent gestiegen, deutlich stärker als auf NRW-Ebene mit 15 Prozent Zuwachs. Flächenbedarf von 600 bis 800 Hektar bis 2035 Auf der anderen Seite gebe es kaum noch verfügbare Flächen. Der Erschließung neuer Flächen stünden hohe Hürden durch Natur- und Landschaftsschutz entgegen, zudem gebe es eine starke Flächenkonkurrenz mit der Landwirtschaft. Selbst ausgewiesene freie Gewerbeflächen seien oft nicht nutzbar, beklagte Axel Martens, der Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe. Manche Grundstücke würden als Reserveflächen vorgehalten oder die Eigentümer wollen sie nicht verkaufen. Erwartet wird, dass die Städte und Gemeinden in OWL für ihre Entwicklung bis zum Jahr 2035 einen Flächenbedarf von insgesamt rund 2.000 Hektar (20 Quadratkilometer) anmelden. Als netto nutzbare Gewerbefläche gehe es OWL-weit tatsächlich um 600 bis 800 Hektar, schätzt Harald Grefe, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Bielefeld. Dies entspreche einer Erweiterung der heute in der Region genutzten Gewerbeflächen von gut 9.200 (nach anderen Angaben 9.700) Hektar um sechs bis neun Prozent. Brachflächen reichen für Neuansiedlungen nicht aus Allein das Handwerk sehe für Bielefeld in den kommenden Jahren einen Bedarf von 25 Hektar, wie Wolfgang Borgert sagte, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL. Als unzureichend betrachten die Wirtschaftsvertreter eine Beschränkung von Neuansiedlungen auf vorhandene Brachflächen – diese seien in OWL oft eher kleinteilig und ungünstig gelegen, so Martens. Sinnvoll sei eine realistische Brachflächenpolitik. Ein weiterer Ansatzpunkt sei die Förderung von Kooperationen etwa zur Einrichtung interkommunaler Gewerbegebiete. Anteil von Gewerbe und Industrie an der Gesamtfläche nur 1,49 Prozent Wohl angesichts der verbreiteten Bedenken gegen Flächenversiegelung und Zersiedelung und wegen der Widerstände gegen die Zerstörung von Naturräumen plädieren die Kammervertreter für eine Versachlichung der Diskussion. „Die Unternehmen sind keine Flächensünder", betont IHK-Präsident Meier-Scheuven. Nach Berechnungen des Landes betrage der Anteil von Gewerbe und Industrie an der Gesamtfläche in OWL nur magere 1,49 Prozent, in NRW hingegen mehr als 2,1 Prozent. „Unsere mittelständischen Unternehmen beanspruchen weniger Fläche als vielfach in der Öffentlichkeit angenommen und gehen verantwortungsvoll damit um." Die größten Steigerungsraten gebe es bei den Flächen für Wohnraum. Von der Digitalisierung erwartet die Wirtschaft keine generelle Flächenersparnis. „Die digitalisierte Industrie hat Zukunft und damit auch Flächenbedarf", betonte Meier-Scheuven. Er erwarte sogar, dass Produktion künftig wieder aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehre. Korrekturen am Landesentwicklungsplan werden begrüßt Zufrieden äußerten sich die Kammervertreter über die Bereitschaft der Landesregierung zu Korrekturen am Landesentwicklungsplan: Das gelte mit Blick auf Flächen für Firmen ebenso wie hinsichtlich der gleichberechtigten Perspektive des Flughafens Paderborn.

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