Qualm: Ein Raucher zündet sich eine "Plasencia"-Zigarre aus Nicaragua an. - © Foto: dpa
Qualm: Ein Raucher zündet sich eine "Plasencia"-Zigarre aus Nicaragua an. | © Foto: dpa

Bielefeld Dicke Luft in der Tabakbranche

Neue Bestimmung: Eine Durchführungsakte der EU stellt die Zigaretten- und besonders die mittelständische Zigarrenindustrie vor eine große Herausforderung. Die Kosten könnten deutlich steigen

Teresa Kröger

Bielefeld. Eine Richtlinie der EU besagt, dass jede Zigaretten- und Zigarrenpackung zurückverfolgbar sein soll mit einem sogenannten Track- und Trace-System. Dieses System bedeutet für die Unternehmen deutlich mehr Kosten, die besonders für die mittelständischen Unternehmen zum Problem werden könnten. Zum einen sind es die hohen Aufwendungen, die die Einführung des Track- und Trace-Systems in den Produktionsablauf und die davon abhängige Integration des Systems in die IT des Unternehmens. Teilweise müssten sogar neue IT-Abteilungen gegründet werden, denn eine enorme Mengen an Daten muss für die Verordnung gespeichert und gepflegt werden. Zum anderen bedeutet dies, dass auch neue Mitarbeiter eingestellt werden müssten, mit dann zwangsläufig steigenden Personalkosten. Für die Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen gilt die Verordnung ab dem 20. Mai 2019 und für die anderen Tabakerzeugnisse, wie Zigarren ab dem 20. Mai 2024. Zigarren sind kein Schmuggelgut "Wir müssten 15 Prozent mehr Mitarbeiter einstellen, dann wäre unsere Gewinnspanne auch weg", bestätigt der Inhaber und Geschäftsführer der Wörmann Cigars und Vorsitzender des Deutschen Zigarettenverbands, Peter Wörmann. Die Maßnahme soll die Schmuggelproblematik in der Branche eindämmen. "Diese Regulierung ist vollkommen unverhältnismäßig, da es im Bereich Zigarren und Zigarillos keinen Schmuggel gibt, die Maßnahmen aber so kostenintensiv sind, dass die mittelständischen Familienunternehmen an den Rand der finanziellen Belastbarkeit getrieben werden", befürchtet der Geschäftsführer des Bundesverbands der Zigarrenindustrie, Bodo Mehrlein. In der Zigarettenindustrie ist die Situation anders. Hier gibt es durchaus eine Schmuggelproblematik. Jede sechste Zigarette ist laut Statistik der Zigarettenindustrie nicht in Deutschland versteuert. Die meisten unversteuerten Zigaretten findet man in Ostdeutschland. Doch der Schmuggel wird laut dem Vorsitzenden des Zigarettenverbandes Jan Mücke dadurch nicht bekämpft: "Die illegal hergestellte Ware wird dadurch nicht erfasst. Die werden unterm Tisch verkauft und daher nicht gescannt. Außerdem wird auch nicht alles aus Nicht-EU-Ländern geschmuggelt." Innerhalb des europäischen Binnenmarktes bestehen im Bereich der Zigaretten enorme Preisunterschiede. Wenig Verständnis für die Branche Kauft man im Urlaub Zigaretten und nimmt sie mit in die Heimat, sind das ebenfalls nicht in Deutschland versteuerte Zigaretten. Nicht alle Zigaretten sind geschmuggelt, fallen trotzdem unter das Raster nicht versteuerter Zigaretten in Deutschland. "Diese Verordnung wurde mit wenig Verständnis für die Branche gemacht. Mittlerweile wird die Zeit knapp für die Zigarrenindustrie und dem Handel, die Verordnung durchzusetzen." Es gebe kaum Schmuggel in der Zigarrenindustrie, wie der deutsche Zigarettenverband mitteilt. Nicht nur, dass enorme Kosten für die Maschinen entstehen, die den Code erstellen, auch das Problem, den Code auf der Verpackung zu bringen, besteht. In der Zigarrenindustrie ist es eher wie in einer Manufaktur: Teilweise werden die Produkte in Holzkisten ausgeliefert. Die Crux an der Sache ist, dass man laut EU-Richtlinie keine nicht ablösbaren Aufkleber mehr herstellen darf. Aber der Code auf den Kisten darf auch nicht ablösbar sein. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt Wörmann. Innerhalb der Branche scheint es Konflikte zu geben. "Es ist im Interesse der großen Zigarettenhersteller, weil so die kleinen Unternehmen an ihre Grenzen kommen und zumachen. Ich bin der Meinung, dass die großen Hersteller das in diese Richtung forcieren." Die EU-Kommissar für Gesundheit, Vyentis Andriukaitis, sieht dagegen die Vorteile der Durchführungsakte: "Den Ländern entgehen aufgrund des unerlaubten Handels jährliche Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Ich bin überzeugt, dass diese Maßnahmen die öffentliche Gesundheit verbessern und der EU und ihren Bürgern wirtschaftliche Vorteile verschaffen werden."

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