Ein Pkw wird an einer Tankstelle mit Diesel betankt. - © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
Ein Pkw wird an einer Tankstelle mit Diesel betankt. | © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Wirtschaft Drohende Fahrverbote: Diesel-Fahrer sind verunsichert

Kfz-Gewerbe kritisiert fehlende Entscheidung der Politik für Hardware zur Umrüstung

Andrea Frühauf

Bielefeld. Drohende Fahrverbote für Diesel-Fahrer in Städten verunsichern Autobesitzer. „Wir haben uns vor nicht langer Zeit einen Diesel gekauft, weil wir dachten, dass er sauber und umweltfreundlich ist", ärgert sich ein Bielefelder Rentner, der sich von der Autoindustrie betrogen fühlt. Autohäuser und Werkstätten verzeichneten 2017 einen weit höheren Beratungsaufwand, sagt Rüdiger Schlomm, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Bielefeld. Vor allem in Ballungsgebieten führe die Verunsicherung der Verbraucher dazu, Diesel-Pkw zu meiden. Der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) ermittelte laut „Blitzumfrage", dass bereits 300.000 gebrauchte Diesel-Pkw (Euro 5) bei den Autohändlern auf Käufer warten. Wie viele Autos es im Vorjahr waren, hat der Verband nicht ermittelt. Doch die Neuzulassungen zeigen einen ähnlichen Trend: Der Anteil der neuen Euro 6-Diesel betrug im November noch 34 Prozent – 17 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Im Gesamtjahr 2016 hatte der Diesel-Pkw-Anteil laut Kraftfahrtbundesamt immerhin 45,9 Prozent betragen. Um drohende Fahrverbote zu vermeiden und nachhaltig etwas für die Umwelt sowie den Werterhalt der Fahrzeuge zu tun, fordert das Kfz-Gewerbe eine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge. „Es kann nicht sein, dass die Autofahrer, die etwa als Berufspendler auf den sparsamen Diesel gesetzt haben, nun für ihre Kaufentscheidung bestraft werden sollen", kritisiert Schlomm. Zwar gibt es wenige Autozulieferer, die eine Hardware zum Nachrüsten bieten (etwa Twintec und das dänische Unternehmen Amminex). Doch benötigen Fahrzeughalter vor dem Einbau eine Betriebserlaubnis für ihren Pkw. Eine Einzelabnahme hält das Kfz-Gewerbe wegen des Aufwands für die Abgasmessung für unwirtschaftlich. Schlomm kritisiert die fehlende Entscheidung der Bundesregierung für die Nachrüstung und mögliche Fördergelder. Auch für Diesel-Busse fehlt eine Nachrüstrichtlinie. Der Paderborner Padersprinter bekam seine Einzelzulassung von der Bezirksregierung Detmold. Die ist allerdings nur für über 3,5 Tonner zuständig.

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