Den Betrieb eingestellt: Wellmann wird liquidiert. - © Andreas Sundermeier
Den Betrieb eingestellt: Wellmann wird liquidiert. | © Andreas Sundermeier

Wirtschaft Alno-Pleite: Wellmann bleibt als einzige Tochter links liegen

Roland Berger erwirbt über River Rock Alno. Pino will die Maschinen aus Enger kaufen

Andrea Frühauf

Pfullendorf/Enger. Ausgerechnet der traditionsreiche Küchenhersteller Wellmann in Enger hat als einziges deutsches Tochterunternehmen der insolventen Alno-Gruppe für immer die Lichter gelöscht. Für die Alno AG, die ihren Betrieb bereits eingestellt hatte und ebenfalls zu Grabe getragen werden sollte, hat der Insolvenzverwalter Martin Hörmann doch noch einen Käufer gefunden. Der Finanzinvestor River Rock will laut Hörmann den Geschäftsbetrieb der Alno AG baldmöglichst wieder aufnehmen und den rund 410 Beschäftigten wieder Arbeit geben. Die Gesellschaft solle künftig als „Neue Alno GmbH" firmieren. Damit wird sie die Börse verlassen. Alno-Tochter Pino will nun Wellmann ausschlachten Der Kaufvertrag sieht die Übernahme „wesentlicher Vermögensgegenstände" (etwa Maschinen, Grundstücke, Markenrechte) im Zuge einer „übertragenden Sanierung" vor. Damit wird Alno schuldenfrei. Der Investmentfonds River Rock European Opportunities Fund II Limited (Dublin), hinter dem der Unternehmensberater Roland Berger (80) als Mitpartner und Chairman steht, bezahlt als Kaufpreis 20 Millionen Euro. River Rock investiert europaweit in Mittelständler und hatte Alno schon vor der Insolvenz mit einem Massekredit in Höhe von sechs Millionen Euro unter die Arme gegriffen. River Rock übernimmt auch die Logistik-Tochter von Alno. Der Vertrag ist an folgende Bedingungen geknüpft: Zustimmung des Gläubigerausschusses, Gründung einer Transfergesellschaft und die Genehmigung von Kurzarbeit durch die Agentur für Arbeit. Wie hoch die Forderungen der Gläubiger insgesamt sind, ließ Hörmann offen. Allerdings werden die Anleihen-Gläubiger (2013 kamen so 45 Millionen Euro in die Alno-Kasse) leer ausgehen. Sie werden als letzte bedient. „An Wellmann ist River Rock leider nicht interessiert", sagte Hörmanns Sprecher Pietro Nuvoloni. Dabei hatten Branchenkenner explizit Wellmann nach der Insolvenz der Alno-Gruppe gute Überlebenschancen eingeräumt. Jetzt wird Wellmann als einzige deutsche Alno-Tochter abgewickelt. Die zuletzt 400 Mitarbeiter erhielten im November die Kündigung. „Das Unternehmen befindet sich in Liquidation, verbliebene Vermögenswerte werden bewertet und im Interesse der Gläubiger einer Verwertung zugeführt", teilt Hörmann mit. Makaber: Die einstige insolvente Alno-Tochter Pino, die Billigküchen fertigt und heute einer Investorengruppe um Marktführer Nobilia gehört, will Wellmann nun ausschlachten. Sie hat ihr Kaufinteresse an Vermögensteilen von Wellmann angemeldet. Der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde liegt seit 15. Dezember ein Antrag auf Zusammenschluss der Pino Küchen GmbH und der Gustav Wellmann GmbH & Co. KG vor. Dabei geht es um den Erwerb von Wellmann-Anlagen, die der Düsseldorfer Gebrauchtmaschinenhändler und -Begutachter Surplex an Pino weiterreichen soll.

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