Bei der dubiosen Aktion dabei: Micaela Schäfer Schaefer und Yvonne Woelke. - © picture alliance /
Bei der dubiosen Aktion dabei: Micaela Schäfer Schaefer und Yvonne Woelke. | © picture alliance /

Bielefeld Als Prävention getarnt: Nackt-Models werben für illegale Online-Casinos

Kampagne: Als Prävention getarnte Werbung für Online-Casinos - Auftraggeber ist unbekannt. Fachverband Glücksspielsucht erwägt Strafanzeige und lehnt Spende ab

Andrea Frühauf

Bielefeld. Dubiose Werbekampagne: Die Nacktmodels RoxxyX und Micaela Schäfer liefen mit ihrer Busenfreundin Yvonne Woelke beim Bundesligaheimspiel von Hertha BSC gegen Hannover 96 auf. Sie sorgten im Stadion als "Botschafterinnen gegen Spielsucht" für Stimmung und verteilten an beliebige Fußballfans einen vierstelligen Geldbetrag. Die Kampagne startete ein Vergleichsportal für illegale Online-Casinos ("besteonlinecasinos.com"). Die als Prävention getarnte Werbekampagne für Online-Casinos (kennedeinegrenzen") sollte offiziell "auf das wachsende Problem des pathologischen Glücksspiels in Deutschland aufmerksam machen". Wer der eigentliche Auftraggeber ist, ließ die Presseagentur Presse.rocks allerdings auf Anfrage offen. "Der Kunde möchte ungenannt bleiben", hieß es unter Verweis auf den "Graubereich". Weitere Aktionen seien "vorerst nicht" geplant, "die Kampagne kostete bereits mehrere Hunderttausend Euro", teilte wenig später die Agentur Seo+Expert mit, die auch eigene Portale betreibt. Betreiber des Vergleichsportals sei sie aber nicht, so Geschäftsführer Rainer Brosy. Auch zu einer angekündigte Spende in Höhe von 3.000 Euro, die der Bielefelder Fachverband Glücksspielsucht erhalten sollte, kam es nach dessen Protest nicht. "Die haben bei mir angerufen und gefragt, ob wir eine Pressemitteilung auf unsere Homepage stellen und uns für die 3.000 Euro bedanken", sagte die Verbandsvorsitzende Ilona Füchtenschnieder empört. Glücksspielaufsicht eingeschaltet Zwar könne der Verband Spendengelder gebrauchen. Geld von Anbietern oder Werbeportalen für diese Spiele lehne sie aber ab. "Online-Casinos sind eindeutig verboten in Deutschland", kritisierte Füchtenschnieder. Online-Casinos arbeiteten mit vielen Tricks, um auf den Markt zu kommen. "Die Vergleichsportale verdienen gut, weil sie Provision für jede Weiterleitung von ihrer Seite auf die Online-Casino-Seite bekommen. Und sie führen die Verbraucher in die Irre", sagte die Verbandsvorsitzende und verwies auf gute Bewertungen und Empfehlungen dieser Portale. Dabei müssten sie eigentlich sagen: "Wenn Sie da spielen, nutzen Sie illegale Angebote und machen sich auch selbst strafbar". Diese Rechtsauffassung sei erst im Oktober vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Nun soll sich die Glücksspielaufsicht um den Fall kümmern. Ob der Verband Strafanzeige stellen wird, werde noch juristisch geprüft.

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