Zwölf Jahre Chef des Bankhauses Lampe: Stephan Schüller wird im März 2018 abgelöst. - © Sarah Jonek
Zwölf Jahre Chef des Bankhauses Lampe: Stephan Schüller wird im März 2018 abgelöst. | © Sarah Jonek

Bielefeld Stephan Schüller: „Banken brauchen langen Atem“

Bankhaus Lampe: Stephan Schüller gibt die Führung nach zwölf Jahren im März 2018 ab. Sein Institut hat er sicher durch eine Zeit des Umbruchs geführt

Martin Krause

Bielefeld. Als Stephan Schüller im März 2006 Chef des Bankhauses Lampe wurde, schien die Finanzbranche noch ein goldenes Geschäft mit garantierten Gewinnen zu sein. Dann kam die Finanzkrise: „Heute ist die Welt nicht mehr, wie sie war", sagt Schüller im Rückblick auf die Folgen von Lehman-Bankrott und Bankenpleiten weltweit. Folgen der Bankenpleiten reichen bis heute An den Konsequenzen – vom Niedrigzins bis zur Regulierungsflut – kaut die Branche bis heute. Neue Probleme etwa durch die Digitalisierung kamen hinzu: Schüller gelang es, die Oetker-Bank als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter sehr ordentlich durch die Umbruchzeit zu steuern. Die Verantwortlichen hatten wohl einen Glücksgriff getan, als sie den zupackenden, aber entspannt wirkenden Schüller an die Spitze ihres Bankhauses beförderten. Es hatte andere Kandidaten gegeben, die vielleicht eher dem Klischee eines Privatbankiers entsprochen hätten. Schüller hatte zuvor im Top-Management der HypoVereinsbank Karriere gemacht. Er hatte dort mit seiner Meinung nicht hinterm Berg gehalten. Er spricht auch heute geradeheraus und unverblümt, kompetent, aber nicht elitär. Er hat nichts Gestelztes. Obwohl er aus Solingen im Bergischen Land stammt, wirkt er hanseatisch: Schüller ist seit 33 Jahren Wahl-Hamburger, und in Hamburg will er leben, wenn er seinen Führungsposten bei Lampe Ende März 2018 an Klemens Breuer abgibt. "Regulierung saugt viel Energie aus den Knochen" „Es wird einen klaren Schnitt geben", kündigt Schüller den Rückzug ins Private an. Hätte der 65-Jährige gern weitergemacht, wenn es in der Oetker-Gruppe nicht die Altersgrenze gäbe? „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Schüller. „Das Bankgeschäft macht Spaß", sagt er etwa mit Blick auf Kundenkontakte und Kommunikation. „Aber die überbordende Regulierung in der Branche saugt viel Energie aus den Knochen." Für das Bankhaus Lampe hat Schüller einiges erreicht. So hat sich das verwaltete Vermögen seit 2006 von elf auf 20 Milliarden Euro fast verdoppelt. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von knapp 500 auf fast 700, fünf neue Filialen wurden eröffnet. Wachstum sei wichtig, „aber ich bin stolz, dass die Bilanzsumme nicht wächst", sagt er lächelnd, denn bilanzwirksames Einlagen- und Kreditgeschäft seien für eine Privatbank ein schwieriges Feld. Geschäftsmodell umgekrempelt Schüller hat das Geschäftsmodell umgekrempelt – mehr Vermögensverwaltung, mehr Kapitalmarktgeschäft. Mit institutionellen Anlegern würden heute ebenso gute Erträge wie mit Firmen- und Privatkunden erzielt. Und in Zukunft? Die Bank müsse so aufgestellt sein, dass sie für die jungen Leute aus der Erbengeneration attraktiv sei. „Das muss man gezielt angehen, etwa durch junge Berater", mahnt Schüller. Im Markt seien viel Geld und große Vermögen, daher gebe es „unglaublichen Beratungsbedarf". Aber es müsse „mehr als Bauernregeln" geboten werden. Die Tochter Lampe Asset Management biete moderne Produkte, etwa Total-Return-Fonds auf Basis fester Regeln und Algorithmen – „das ist nichts Böses". Neben Fachkompetenz brauche das Geschäft vor allem langen Atem. Das, was vielen Privatbanken, die nach OWL kamen und zur Freude des Bankhauses Lampe wieder gingen, fehlte. „Die Hidden und World Champions in OWL sind nicht in zwei Jahren zu überzeugen."

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