Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff. - © Wolfgang Rudolf
Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff. | © Wolfgang Rudolf

Middelhoff wird entlassen: Könnte sein Buch ihm noch schaden?

Mit der Autobiografie „A 115 – Der Sturz" hat der ehemalige Topmanager vielen Juristen und Politikern vor den Kopf gestoßen.

Martin Krause

Bielefeld. Er war sich nicht sicher, ob er tatsächlich schon vor Weihnachten aus der Strafhaft freikommen würde. Denn der frühere Starmanager Thomas Middelhoff hatte mit seinem autobiographischem Buch „A 115 – Der Sturz", in dem er scharfe Kritik am Essener Landgericht und seiner Behandlung in der Untersuchungshaft in Essen übt, vielen Juristen und Politikern vor den Kopf gestoßen. Abläufe und Strukturen des Strafvollzugs in der Nazi-Zeit unterschieden sich „nur geringfügig" von denen im modernen Vollzug, schrieb Middelhoff. Dazu zitierte er etwa den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der von den Nationalsozialisten 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet worden war. Über die eigene Schuld – im Sinne des Urteils – sagte er wenig. Sollte der 64-jährige frühere Chef der Konzerne Bertelsmann und Arcandor, der im November 2014 in Essen wegen Steuerhinterziehung und Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt worden war, mit seiner Kritik übers Ziel hinausgeschossen sein, so steht das zumindest einer Haftverkürzung für ihn nicht im Weg. Die 18. Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Bielefeld hat nun „die Vollstreckung des noch nicht verbüßten Restes der (...) verhängten Freiheitsstrafe von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt", teilte Guiskard Eisenberg mit, der Pressesprecher des Gerichts. Middelhoff soll nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe am 26. November 2017 aus der Haft entlassen werden. Die Bewährungszeit sei auf vier Jahre festgesetzt worden. Im für ihn günstigsten Fall kommt der bisher in der JVA Bielefeld-Senne inhaftierte Ex-Manager, der seit Mai 2016 als Freigänger in einer Werkstatt der von Bodelschwinghschen Stiftungen arbeitet, noch einige Tage früher frei: Weil seine offizielle Entlassung für die Zeit zwischen dem 3. November 2017 und dem 6. Januar 2018 ansteht, ist er nach dem Willen des Landesjustizministeriums ein Kandidat für die alljährliche Weihnachtsamnestie. Das letzte Wort hat die zuständige Vollstreckungsbehörde – in diesem Fall die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum. Die Entscheidung dürfte in diesen Tagen getroffen werden. Positive Sozialprognose Gegen die (als „Gnadenerweis" angesehene) Freilassung im Rahmen der Weihnachtsamnestie könnte es sprechen, wenn Middelhoff sich in den vergangenen Monaten etwa einen Arrest als Disziplinarmaßnahme eingehandelt hätte. Oder wenn er vom Freigang „schuldhaft mit deutlicher Verspätung zurückgekehrt" wäre. Von solchen Vorwürfen ist freilich nichts zu hören – Middelhoffs Führung gilt als untadelig. Auch das Bielefelder Gericht hat sich aber fragen müssen, wie Middelhoffs öffentliche Äußerungen (etwa in seinem Buch) zu werten sind. Paragraph 57 des Strafgesetzbuches fordert zum Beispiel, dass für die Aussetzung der Strafe auch das Gewicht eines möglichen Rückfalls zu prüfen ist. Sollte Middelhoff sich uneinsichtig gezeigt haben? Die zuständige Kammer, so heißt es, habe „dem Verurteilten eine positive Sozialprognose ausgestellt". Die Richter hätten „auch die Art und Weise der Auseinandersetzung des Angeklagten mit seiner Verurteilung berücksichtigt". Am Ende aber waren sie „nicht der Meinung, dass dies einer solchen Prognose nachhaltig entgegensteht".

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