Der Vorstandvorsitzende der Gauselmann AG, Paul Gauselmann, vor Schloss Benkhausen in Espelkamp. - © dpa
Der Vorstandvorsitzende der Gauselmann AG, Paul Gauselmann, vor Schloss Benkhausen in Espelkamp. | © dpa

Paradise Papers: Vorwürfe gegen Espelkamper Glücksspielunternehmer Gauselmann

Andrea Frühauf

Espelkamp. Die neuen „Paradise Papers" enthüllen nicht nur fragwürdige Steuertricks, mit denen Konzerne Gewinne in Steueroasen verschieben. Sie zeigen auch, wie mithilfe findiger Anwälte die deutschen Glücksspielgesetze ausgehebelt werden, wie die Süddeutsche Zeitung jetzt berichtete. Unter Verweis auf geheime Dokumente erhebt das Blatt Vorwürfe gegen den Espelkamper Glücksspielunternehmer Paul Gauselmann, der in der rechtlichen Grauzone des Online-Glücksspiels Geld verdiene. Gauselmanns Vorstoß in die Online-Welt begann demnach 2008, als er den Hamburger Spiele-Entwickler Edict Egaming kaufte. 2010 habe er auf der Isle of Man einen Ableger der Firma namens Edict IoM gegründet. Appleby-Anwälte hätten für die neue Tochterfirma Geschäftsbedingungen und Lizenzvereinbarungen entwickelt und eine Genehmigung von der Glücksspielaufsicht der Insel eingeholt. Im Internet finden sich laut ARD zahlreiche Online-Casinos, die sich sichtbar auch an deutsche Kunden richten. „Und fast überall kann man Geld auf die berühmten Merkur-Spiele von Gauselmann setzen." Der Automatenkönig betreibe diese nicht-lizenzierten Seiten aber nicht selbst, sondern er vertreibe nur seine Spiele an diese Anbieter – gegen eine Gebühr. „So verdient er daran mit, ohne sich unmittelbar des Verdachts illegaler Glücksspiele auszusetzen", lautet der ARD-Vorwurf. "Offen und transparent gegründet" Gauselmann weist die Vorwürfe zurück. Sie entbehrten jeder Grundlage. Die jeweiligen Unternehmen seien offen und transparent gegründet worden. Steuerliche Betrachtungen spielten bei der Standortauswahl keine Rolle. Das Unternehmen bestätigte, die Firma Edict von der Spielbank in Hamburg gekauft zu haben, „der das Online-Glückspiel durch den Glücksspielstaatsvertrag untersagt worden war". Der Kauf habe dazu gedient, „um uns auf die schon damals absehbare Digitalisierung im Markt der Glücks- und Gewinnspiele vorzubereiten". Die zur Gauselmann-Gruppe gehörende Alliance Gaming Solutions Ltd. auf der Isle of Man besitze eine glücksspielrechtliche Volllizenz für Dienstleistungen im Bereich des Glücksspiels. Die Geschäftstätigkeit sei legal. Die Gesellschaft vertreibe europaweit Online-Casino-Produkte (darunter Merkur-Spiele), die Lizenzen hätten und die von ihnen eigenständig betriebenen Online-Casinos weltweit vermarkten. Allerdings räumt Gauselmann auch ein, „die jeweiligen Betreiber der Spiele jetzt noch einmal mit allem Nachdruck explizit darauf hinzuweisen, diese nur in lizenzierten Märkten anzubieten". Die Gauselmann-Gruppe betreibe selbst nur in Ländern Online-Casinos, in denen sie Lizenzen habe – etwa in Schleswig-Holstein. "Ein Riesenmarkt" Laut dem Düsseldorfer Anwalt Tobias H. Strömer ist es schwierig, verschachtelten Firmen in Steueroasen auf die Schliche zu kommen. Zudem habe kein Gericht in Deutschland entschieden, ob Online-Glücksspiele strafbar sind. Die Bundesländer seien an einem Verbot nicht interessiert, weil sie selbst Online-Casinospiele genehmigen wollten. „Das ist ein Riesenmarkt." Strömer kritisiert Gauselmann vor allem aus moralischen Gründen. Die „Paradise Papers" belegen offenbar zudem, dass die Queen in Übersee-Steueroasen Privatvermögen im Wert von 11,25 Millionen Euro investierte. Laut dem Netzwerk investigativer Journalisten sollen ihre Manager Geld in Anlagen auf den Cayman Islands und Bermuda gesteckt haben. 3.200 Pfund sollen an einen Einzelhändler für Haushaltsgeräte geflossen sein, dem vorgeworfen wird, Kunden durch hohe Zinssätze auszunutzen. Dass Elizabeth II. von dieser Art Geldanlage wusste, sei aber unwahrscheinlich. U2-Sänger Bono, der sich für mehr Entwicklungshilfe der Industriestaaten einsetzt, soll Minderheitsinvestor eines in der Kanalinsel Guernsey angesiedelten Unternehmens sein, das ein Einkaufszentrum in Litauen betreibt.

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