Das Team: Ingo Roßdeutscher (v. l.), Judith Wend, Torsten R. Bendlin, Rahul Indoria und Dennis Cutraro. - © Carolin Nieder-Entgelmeier
Das Team: Ingo Roßdeutscher (v. l.), Judith Wend, Torsten R. Bendlin, Rahul Indoria und Dennis Cutraro. | © Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld Start-up als Innovation im industriellen Einkauf

Der Bielefelder Torsten R. Bendlin kündigt seinen Job als Konzerneinkaufsleiter in der Nolte Gruppe und gründet das Unternehmen Valuedesk mit dem Ziel, den Mittelstand in die digitale Zukunft zu führen.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. Der Druck im industriellen Mittelstand ist groß: In den meisten Branchen sind die Märkte mit vielen Mitbewerbern hart umkämpft. Der Preisdruck ist hoch und die Margen niedrig. Aufgrund der Marktsituation sind viele Unternehmen gezwungen in allen Arbeitsbereichen zu optimieren, vor allem, um Kosten einzusparen. Als ehemaliger Konzerneinkaufsleiter der Nolte Gruppe kennt Torsten R. Bendlin das Problem und hat eine Lösung dafür entwickelt. Mit der Gründung des Start-ups Valuedesk will der Bielefelder den strategischen Einkauf in Industrie und Mittelstand in die digitale Zukunft führen. „Valuedesk ist ein interaktives Maßnahmen-Tool, mit dem der industrielle Einkauf seine Einsparungen sekundenschnell erfassen, analysieren und zur Umsetzung vorbereiten kann", erklärt Bendlin. „Die Software arbeitet cloudbasiert, live und transparent in einer Wissensdatenbank. Jede Idee wird auf einen tatsächlichen Kostennutzen geprüft, weil wir immer einen spürbaren Effekt für das Unternehmen schaffen und die Aufmerksamkeit für das Potenzial des Einkaufs schärfen wollen." Mit Valuedesk wollen Bendlin, seine Co-Founder Ingo Roßdeutscher und Dennis Cutraro und seine Mitarbeiter Judith Wend und Rahul Indoria mittelständischen Unternehmen dabei helfen, Geld einzusparen und ihre Arbeitsprozesse zu optimieren. Die Partner sollen laut Bendlin aber auch mitdenken und die Software mitgestalten, um Valuedesk kontinuierlich weiterentwickeln zu können. „Die Handhabung ist intuitiv und benötigt keine Schulungen. Nach zwei Tagen ist die Software einsatzbereit ", erklärt Bendlin, der Valuedesk als SaaS-Lösung gegen monatliche Gebühren anbietet. Vision: künstliche Intelligenz soll eigenständig Optimierungsmaßnahmen vorschlagen Die Vision des Gründers geht jedoch noch weit über den aktuellen Entwicklungsstand von Valuedesk hinaus. „Unser Ziel für Ende 2018 ist, dass alle durchgeführten Maßnahmen gespeichert und für die Zukunft ausgewertet werden, damit unsere künstliche Intelligenz eigenständig weitere Optimierungsmaßnahmen vorschlagen kann." Basierend auf der Wissensdatenbank soll die künstliche Intelligenz für eine selbstlernende Einkaufsoptimierung in Zukunft automatisiert und zukunftsorientierte Einsparpotenziale ermitteln, so der 48-Jährige. Bendlin und seine Partner Miele, Schüco, Boge, Reifenhäuser, Nolte Küchen und die Baumann Gruppe sehen großes Potenzial im industriellen Einkauf. „Aktuell nutzen 80 Prozent der Unternehmen einfache Excel-Lösungen", weiß Bendlin. „Damit ist aber kein Einkaufsleiter zufrieden, weil ein Tool wie Excel einfach nicht ausreicht und zudem keinen Überblick darüber gibt, ob und in welcher Form Optimierungsmethoden greifen." Das gelte nicht nur für den Einkauf, dort aber besonders. Bendlin hat die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen erst dann das tatsächliche Potenzial des strategischen Einkaufs erkennen, wenn der Kostendruck sehr groß ist. „Doch in einer Krise ist es zum Ausschöpfen des Potenzials vielleicht schon zu spät, weshalb Unternehmen nicht erst in Krisenzeiten mit der Optimierung beginnen sollten." In den vergangenen sieben Jahren hat Bendlin als Konzerneinkaufsleiter in der Nolte Gruppe gearbeitet. Doch der 48-jährige Vater von zwei Kindern entscheidet sich 2016 dazu, seine Geschäftsidee umzusetzen. Der Bielefelder krempelt sein Leben um, gibt sichere Anstellung und gutes Gehalt auf. Bendlin durchläuft im November die Founders Academy, einem Start-up-Vorbereitungsprogramm der Founders Foundation in Bielefeld, und gründet sein Unternehmen. „Ich hätte nie daran gedacht, ein Start-up in Bielefeld zu gründen, aber OWL ist ein Hotspot der Industrie mit einem sehr gut vernetzten Mittelstand. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für uns, denn wenn wir es in OWL schaffen, dann schaffen wir es überall." Unterstützung erhält Bendlin zusätzlich von einem Geschäftsmann, der ein Darlehen im sechsstelligen Bereich gewährt, und Unternehmer Jan Brinckmann, der Bendlin als Mentor begleitet. „Mein Leben hat sich verändert. Die Einschnitte sind gewaltig, aber die Entscheidung war richtig", sagt Bendlin rückblickend. Denn Valuedesk ist erst seit April auf dem Markt, aber schon bei mehreren Kunden im Einsatz. „Bis Ende des Jahres werden wir die aktuelle Version von Valuedesk perfektionieren und neue Kunden gewinnen", kündigt Bendlin an, der für 2017 mit einem Umsatz im mittleren fünfstelligen Bereich rechnet. 2018 soll der Umsatz im hohen sechsstelligen Bereich liegen. „Unser Ziel ist es, Valuedesk fest am Markt zu etablieren. Wir wollen die Zukunft des Einkaufs prägen."

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