Gut gelaunt: Preisträger Wolf D. Meier-Scheuven (v.l.) erhielt seine Auszeichnung aus den Händen von Bernd Repohl (Die Familienunternehmer), Martin Wilde (Bankenvereinigung/Deutsche Bank) und Uni-Professor Fred G. Becker (Jury-Vorsitzender). - © BARBARA FRANKE
Gut gelaunt: Preisträger Wolf D. Meier-Scheuven (v.l.) erhielt seine Auszeichnung aus den Händen von Bernd Repohl (Die Familienunternehmer), Martin Wilde (Bankenvereinigung/Deutsche Bank) und Uni-Professor Fred G. Becker (Jury-Vorsitzender). | © BARBARA FRANKE

Bielefeld Vertrauen ist sein Geheimnis

Unternehmer des Jahres: Wolf D. Meier-Scheuven wird im Gebäude X der Uni Bielefeld ausgezeichnet. Unkonventionelle Beiträge sorgen für eine launige Veranstaltung

Martin Krause

Bielefeld. Ehrungen können dröge und erschöpfend sein. Die Auszeichnung von Wolf D. Meier-Scheuven als „Unternehmer des Jahres OWL 2017" aber war witzig. Das lag wohl vor allem am Geehrten selbst: Der Bielefelder gilt als ziemlich humorvoll und entspannt, und tatsächlich hat man ihn in der Öffentlich kaum jemals gestresst oder gar gereizt gesehen. So konnte der Bielefelder Betriebswirtschafts-Professor Fred G. Becker, der seine Laudatio als Chef der Jury selbst als Lobpreisung angekündigt hatte, wohl auch ein paar Schwächen Meier-Scheuvens offenbaren, ohne dessen Zorn zu provozieren. Der geschäftsführende Gesellschafter des Kompressorenherstellers Boge, zugleich Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, sei zum Beispiel „kein Zahlenmensch", wie Becker verriet – mit Verweis auf den langjährigen Boge-Geschäftsführer Rolf Struppek als Quelle. Struppek, einst Meier-Scheuvens Chef bei Weidmüller in Detmold, der dann vom Youngster zu Boge geholt wurde, habe wohl auch seinen Anteil am heutigen Erfolg des Bielefelder Unternehmens, stellte Becker klar. Fähigkeit, Spitzenleute zu erkennen und zu binden Meier-Scheuven (58) hingegen hatte als junger Mann offenbar ein Faible für eine gewisse Muße und ließ sich schon beim Studium (erst Philosophie, dann Psychologie, später auch BWL) Zeit, wie Becker erinnerte. Hatte dieser wenig verbissene Unternehmer am Ende vor allem Glück, dass sich die einst etwas durchschnittliche Firma Boge in den vergangenen 22 Jahren unter seiner Führung zu einem auch technologisch führenden und international erfolgreichen Systemanbieter mit heute 800 Mitarbeitern und 140 Millionen Euro Umsatz entwickelte? Meier-Scheuven kenne und verstehe die Märkte, aber Becker identifizierte Meier-Scheuvens Fähigkeit, Spitzenleute zu erkennen und langfristig an sein Unternehmen zu binden als besondere Stärke und „großartige Leistung". Meier-Scheuven bedankt sich bei "ausgeschlafenen Bogianern" Meier-Scheuvens Vorlieben für Muße und Zeit für die eigene Familie sind demnach weitere Erfolgsfaktoren: Er verstehe es, Aufgaben zu delegieren, Strukturen eindeutig festzulegen und den Mitarbeitern dann nicht dauernd ins Handwerk zu pfuschen. „In seinem Unternehmen gibt es eine Vertrauenskultur", stellte Becker heraus, Meier-Scheuven habe den Mut, Vertrauen zu geben. Anerkennung und Wertschätzung seien dabei zentrale Motivatoren. Meier-Scheuven betonte bei der Preisverleihung selbst, dass der Erfolg der Firma keine Einzelleistung sei. Sein ehrenamtliches Engagement – nicht nur als IHK-Präsident – habe er „immer als Bereicherung empfunden", versicherte er. Und sorgte dann wieder für Lacher, als er in einem kleinen Film im blauen Boge-Shirt unter einer Bettdecke hervorlugte, um den 800 „extrem ausgeschlafenen Bogianern" zu danken, „die mir täglich den Rücken frei halten." Die Auszeichnung des "Unternehmers des Jahres Ostwestfalen-Lippe" wird regelmäßig vom Verband "Die Familienunternehmer" (Regionalkreis OWL) und der Bankenvereinigung Bielefeld verliehen. Die 3.000 Euro Preisgeld spendet Meier-Scheuven dem Studienfonds OWL.

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