Der frühere Vorstandsvorsitzende der Arcandor AG, Thomas Middelhoff. - © picture alliance / Bernd Thissen/dpa
Der frühere Vorstandsvorsitzende der Arcandor AG, Thomas Middelhoff. | © picture alliance / Bernd Thissen/dpa

Bielefeld/Hamm Middelhoff beteuert seine Redlichkeit

Schadenersatzprozess am OLG Hamm: Der frühere Arcandor-Chef räumt im Zeugenstand die Möglichkeit von Fehlern ein. Und er wiederholt seine heftige Medienkritik.

Martin Krause

Bielefeld/Hamm. Thomas Middelhoff zeigt sich in der Beurteilung seiner eigenen Managementleistungen ein wenig nachdenklicher als gewohnt. Vor dem Oberlandesgericht Hamm hat er eingeräumt, dass es bei der Abrechnung der zahlreichen Charterflüge in seiner Zeit als Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte. „Ich bedaure es sehr" und „schäme mich auch dafür, wenn Fehler passiert sind", sagte er bei der Fortsetzung jenes seit Jahren anhängigen Zivilprozesses, in dem Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch von sechs früheren Arcandor-Vorständen und zwei einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden Schadensersatz für den bankrotten Konzern eintreiben will. Sonderboni, die noch kurz vor der Pleite flossen, und unrechtmäßige Ausgaben etwa für Flüge fordert er zurück. Middelhof hat sich in mancher Hinsicht verändert: Sein Markenzeichen, das einst zuverlässig erstrahlende Lächeln, zeigt er nur noch selten. Er ist abgemagert, seine Hände zittern gelegentlich, er wirkt gezeichnet durch die Autoimmunkrankheit Lupus, die in der Zeit der Untersuchungshaft zwischen November 2014 und Mai 2015 diagnostiziert wurde. Und ohne Zweifel hat ihn das Urteil vom 14. November 2014, als er wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu dreijähriger Haft verurteilt wurde, schwer getroffen und verletzt. Dabei versucht er, und da ist er ganz der alte Showman, seine Lage lässig zu nehmen. „Häftling", antwortet er dem Vorsitzenden Richter Rüdiger Hütte leutselig auf die Routinefrage nach seinem Beruf, „oder Pensionär oder Berufshäftling". Die Haft verbringt er seit Mai 2016 als Freigänger – nachts in der Haftanstalt Bielefeld-Senne, tagsüber in einer Bethel-Werkstatt. Vor dem OLG Hamm saß er nun nicht mehr, wie bei der Erstauflage des Prozesses, als Beklagter. Diese Rolle hat nun der Bielefelder Rechtsanwalt Thorsten Fuest übernommen, der sich als Insolvenzverwalter um Middelhoffs private Pleite kümmert – und um die Forderungen aller Gläubiger, zu denen eben auch der klagende Arcandor-Insolvenzverwalter Jauch gehört. Denn bei Middelhoff selbst ist derzeit wenig zu holen. Auf den ersten Blick irritierend ließ Fuest sich am OLG ausgerechnet von Middelhoffs Berliner Anwalt Hartmut Fromm vertreten – von jenem Vertrauten also, der von Gläubigern verdächtigt wurde, vor der Pleite Geld für Middelhoff beiseite geschafft zu haben. Das Mandat für Fromm könnte als Indiz dafür gelten, dass die Verdachtsmomente ausgeräumt wurden. Middelhoff selbst war in Hamm als Zeuge gefragt. Zu umstrittenen Aktionen wie der 800.000-Euro-Spende für die Uni Oxford noch wenige Monate vor der Pleite sollte er sich äußern („es gab kein Argument dagegen"), vor allem aber über Sinn und Zweck kostspieliger Charterflüge. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Redlichkeit zu beteuern: Er habe „nach bestem Wissen und Gewissen versucht", die dienstlichen von den privat zu zahlenden Flügen zu trennen, versicherte Middelhoff. Aus eigener Tasche habe er für etliche Flüge 2,5 Millionen Euro ausgegeben, wiederholte er, was er schon beim Strafprozess in Essen zu Protokoll gab. Immer wieder hatte sich der Manager auch von Medien zu Vorträgen oder Diskussionsrunden einfliegen lassen – um dem Image der Arcandor AG zu helfen, aber auch, weil man beim Nichterscheinen „den Zorn der Gastgeber" zu fürchten hätte. Als Bertelsmann-Chef – der er früher war – hätte er die Teilnahme an einer Veranstaltung etwa des Manager-Magazins nicht nötig gehabt, aber Arcandor sei abhängig gewesen vom Bild in der Öffentlichkeit. Seine Medienkritik wiederholte er mehrfach: „Mir kann man ja alles unterstellen, kann jeden Kübel Schmutz über mich ausgießen...", klagte Middelhoff. Zuvor hatte er allerdings bewiesen, dass er das Vertrauen in die Medien nicht restlos verloren hat – einem TV-Team stand er in der Gerichtskantine zur Verfügung.

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