Jan-Hendrik und Ortwin Goldbeck im Campus Handwerk. - © Christian Weische
Jan-Hendrik und Ortwin Goldbeck im Campus Handwerk. | © Christian Weische

Bielefeld Der Lehrmeister: Bauunternehmer Ortwin Goldbeck erzählt

Gildenhaus-Reihe: Erfolgreiche Unternehmer aus OWL erzählen ihre Geschichte. Den Auftakt machen die Goldbecks.

Andrea Frühauf

Bielefeld. Es sind die kleinen Anekdoten, die der 78-jährige Bielefelder Bauunternehmer Ortwin Goldbeck leidenschaftlich erzählt und die erahnen lassen, warum aus seinem 1967 gegründeten Sieben-Mann-Betrieb ein so großes Familienunternehmen wurde, das heute unter Führung seiner Söhne mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und 2,45 Milliarden Euro Umsatz zu den zehn größten deutschen Bauunternehmen gehört. Schon in der Kindheit lernte der Schlossermeister und Stahlbauingenieur zwei Eigenschaften, die Unternehmer nach seiner Ansicht brauchen: Kreativität („Bäume waren unsere Spielgeräte") und soziales Verhalten („wir spielten mit Flüchtlingskindern"), wie Goldbeck in der neuen Reihe des Vereins Gildenhaus vor 160 Zuhörern seine Erfolgsstory detailliert erzählt. Eigenschaften, die der Unternehmensgründer später gebrauchen sollte. Als Goldbeck sich vor 48 Jahren mit einer 300.000-Mark-Bürgschaft selbstständig machte, war der Arbeitsmarkt 1969 leergefegt. „Es gab auch keine Stahlträger mehr. Ich habe die Reste mit dem Lkw eingesammelt und konnte schweißen." So sei er bei der Arbeit vorangegangen, habe ungelernten Schlossern gesagt: „Komm ich mach das. Ich zeig euch das." Das Betriebsklima zog junge Kräfte an. „Ich hatte immer enge Kontakte zu Mitarbeitern und Kunden." Heute erhalten Beschäftigte, die sich bei bestimmten Bedingungen mit bis zu 1.500 Euro am Unternehmen beteiligen können, eine Verzinsung von 18 Prozent (2016). Der frühere IHK-Präsident nennt weitere Erfolgsgründe: Ideen und Pioniergeist. „Wir hatten beim Start keine Erfahrung und keine Fachleute und mussten auf nichts Rücksicht nehmen." Vorzeichner, die die Maße auf das Profil bringen, fehlten. So entwickelte Goldbeck in nächtelanger Arbeit die Sägebohrmaschine. So übernahmen Maschinen die Zeichnung. Später folgte eine weitere Innovation, das elementierte Bauen mit vorgefertigten Teilen aus eigenen Werken. Es gab auch schwere Zeiten. Rote Zahlen habe das Unternehmen nie geschrieben. „Aber wir waren mal knapp davor." Goldbeck, den Handwerkspräsidentin Lena Strothmann zuvor mit dem Goldenen Meisterbrief auszeichnet („Der Vorzeigeunternehmer und Lehrmeister hat gezeigt, dass unternehmerische Verantwortung nicht am Werkstor endet.") fallen immer weitere Anekdoten ein. Und es währt lange, ehe sein Sohn Jan-Hendrik (er lebt mit seiner Familie in Frankfurt) zu Wort kommt. Die Unternehmenskultur („Vertrauen vor Kontrolle", „dezentrale Organisation") führe die junge Generation weiter. Er habe sich lange gefragt, ob er die auf einem „Silbertablett servierte spannende Rolle" erfüllen könne. Schließlich wechselte er von der IVG Immobilien AG doch zu Goldbeck. „Wir haben an allen Ecken und Enden Kapazitätsprobleme und haben noch viele Ideen", resümiert der Geschäftsführer. Goldbeck könne auch Pflegeheime und Hotels bauen, sei für schwere Zeiten gerüstet. Sein Bruder Joachim ist nur noch Solar-Berater bei Goldbeck – er baut seine Solaranlagen inzwischen in fernen Ländern wie Kasachstan. Jan-Hendrik: „Von dem Geschäft haben wir keine Ahnung."

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