Das Alter und damit die Rente wird auch auf die heute 20- bis 34-Jährigen zukommen. - © picture alliance / blickwinkel/McPHOTO
Das Alter und damit die Rente wird auch auf die heute 20- bis 34-Jährigen zukommen. | © picture alliance / blickwinkel/McPHOTO

Bielefeld Rentnern der Zukunft fehlen mehr als 800 Euro im Monat

Studie: Die 20- bis 34-Jährigen erhalten im Alter nur gut 38 Prozent ihres letztens Bruttoeinkommens. In OWL beträgt die Lücke bis zu 648 Euro.

Andrea Frühauf

Bielefeld. Die heute 20 bis 34-jährigen Arbeitnehmer werden im Alter von der gesetzlichen Rente allein nicht leben können. Ihnen werden im Schnitt 822 Euro fehlen – jeden Monat. Die Rente der heutigen Beitragszahler wird später nur 38,4 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens betragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung des Freiburger Professors Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment. In Ostwestfalen-Lippe kommt diese Altersgruppe auf 39,1 Prozent – die Versorgungslücke beträgt demnach monatlich 585 bis 648 Euro (NRW: 822 Euro). Im Regierungsbezirk Münster fehlen den 20- bis 34-Jährigen im Alter 649 bis 701 Euro. In Großstädten wie Köln, Düsseldorf und Berlin sind es in etwa 701 Euro. Über alle Einkommens- und Altersklassen hinweg erhalten die heute rund 34 Millionen Versicherten bei Rentenbeginn im Durchschnitt 1.070 Euro monatlich – das sind rund 48 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Nötig wären nach Ansicht der Forscher aber wenigstens 60 Prozent. Im Bundesschnitt fehlen den Deutschen im Alter demnach monatlich 656 Euro. In NRW gehen die Forscher von einer durchschnittlichen monatlichen Rente von 1.074 Euro (47,2 Prozent) aus. Die höchsten Rentenzahlungen erhalten die Oberbayern mit 1.169 Euro. Da in Süddeutschland oft höhere Gehälter gezahlt werden ist die Versorgungslücke dennoch größer (47,5 Prozent). Dagegen erhalten die heute 50- bis 65-Jährigen noch 63,1 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens und könnten damit ihren Lebensstandard sichern, wie aus dem „Vorsorgeatlas Deutschland 2017" hervorgeht. Die 35- bis 49-Jährigen kommen im Schnitt noch auf 44,2 Prozent. Zwar bleibe die gesetzliche Rente auch über das Jahr 2030 hinaus der Grundpfeiler der Altersvorsorge. Vor allem junge Menschen sollten aber zusätzlich fürs Alter vorsorgen, rät auch Union Investment. Mit der Riester-Rente erhalten die Förderberechtigen laut Studie im Alter 290 Euro im Monat – sofern sie jährlich 973 Euro (ohne Zulagen) einzahlen. Damit steige die Rente um 10,6 Prozent des Einkommens. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach kritisiert: „Die Lücke zu dem, was man braucht, um im Alter in Würde leben zu können, wird immer größer. So groß, dass ein privater Versicherer jetzt jungen Menschen öffentlich rät, monatlich 800 Euro privat beiseite zu legen, wahrscheinlich am besten bei ihm." Die Politik müsse umsteuern und die gesetzliche Rente wieder stärken.

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