Gute Nachrichten aus Industrie und Handel: Andreas Hettich, Gero Frommholz, Klaus Bockermann, Sandro Musicale (Altmann), Rainer Döring, Marco Rieso, Oliver Flaskämper und Harald Grefe (v.l.) schauen Produktionsleiterin Eva Oberwittler beim Löten eines Widerstands an ein Potenziometer zu. Anschließend stellten sie die Ergebnisse der Konjunkturumfrage beim Herforder Unternehmen Altmann vor. - © Thomas Hagen
Gute Nachrichten aus Industrie und Handel: Andreas Hettich, Gero Frommholz, Klaus Bockermann, Sandro Musicale (Altmann), Rainer Döring, Marco Rieso, Oliver Flaskämper und Harald Grefe (v.l.) schauen Produktionsleiterin Eva Oberwittler beim Löten eines Widerstands an ein Potenziometer zu. Anschließend stellten sie die Ergebnisse der Konjunkturumfrage beim Herforder Unternehmen Altmann vor. | © Thomas Hagen

Kreis Herford Der Laden brummt, aber Fachkräfte fehlen

IHK-Konjunkturumfrage: Industrie und Handel im Kreis Herford laufen gleichbleibend stabil, doch der Mangel an geeigneten Mitarbeitern könnte den guten Aussichten einen massiven Dämpfer verpassen

Thomas Hagen

Kreis Herford. Der Konjunkturmotor läuft wie ein satter Achtzylinder, viele Unternehmen aus Industrie und Handel blicken mit Zuversicht auf die kommenden Monate. Seit nunmehr acht Jahren hält die Hochphase bereits an und es ist kein Ende in Sicht. Umsätze von gleichbleibend 3,57 Milliarden Euro kreisweit. Beste Aussichten also für Firmen und Beschäftigte? Nicht ganz, denn der Mangel an Fachkräften könnte die rosaroten Zeiten gehörig grau einfärben. Traditionell befragt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld möglichst viele Unternehmen aus Handel, Industrie und Dienstleistungen im Wittekindskreis. Der so genannte Konjunkturklimaindikator setzt die momentane Einschätzung der Lage mit den Erwartungen in Relation. 244 Unternehmen (davon 83 aus der Industrie) haben sich geäußert und nach Aussage der IHK-Macher ein gesunde Datenbasis geliefert. Diese Firmen beschäftigen rund 16.000 Menschen, den Löwenanteil stellt dabei die Industrie. Ein gewichtiges Indiz für die Tatsache, wie stark dieser Bereich den Kreis Herford dominiert. Nach dem Kreis Gütersloh mit einem Anteil von 45,7 Prozent liegt der Kreis Herford mit 41,4 Prozent Industrieanteil auf Rang zwei. "Der Kreis ist ein ausgesprochen starker Industriestandort, er liegt deutlich über dem Bundesschnitt mit 28,5 Prozent", bilanziert Grefe. Insgesamt arbeiten kaum verändert gegenüber 2016 fast 26.000 Menschen kreisweit im verarbeitenden Gewerbe. Sie sorgen dafür, dass die Exportquote bei 34 Prozent liegt. "Ein ordentlicher Wert", attestiert IHK-Mann Grefe. Für Rainer Döring, Vizepräsident der IHK und Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses, ist insgesamt "keine Angst erkennbar". Es herrsche "Konsumlust und Facharbeitermangel". Industrie, Handel und Dienstleister lebten seit nun acht Jahren in Folge auf der Sonnenseite. So gingen 32 Prozent der Firmen im Einzelhandel von einer besseren Geschäftslage aus, aber immerhin 12 Prozent von einer Verschlechterung. Im Großhandel sieht die Einschätzung mit 39 Prozent noch optimistischer aus. Hier gehen nur drei Prozent von einer schlechteren Geschäftslage aus. Verluste in Russland werden aufgefangen von Gewinnen in USA und Europa Im Handel ist auch weiterer Personalaufbau geplant. 23 Prozent der befragten Unternehmen wollen Personal einstellen, aber auch sechs Prozent welches abbauen. Besorgniserregend ist nach Aussage Rainer Dörings jedoch die Tatsache, dass 44 Prozent der Groß- und Einzelhändler im Fachkräftemangel ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen. Zudem verfügten 32 Prozent der Groß- und 35 Prozent der Einzelhändler über eine oder mehrere offene Stellen. Klaus Bockermann, zweiter Vize-Präsident der IHK, berichtet, dass die Industrie "am Anschlag der Kapazitäten" fahre. Das sei auf der einen Seite gut, könne aber zum Problem werden. "Es fehlen Facharbeiter, das könnte sich als konjunktureller Hemmschuh erweisen", sagte Bockermann. Hinzu käme die Ungewissheit über die Entwicklung der Rohstoffpreise und die am Fachkräftemangel und der guten Konjunktur hängenden Lohnkosten. Gut sei auch die Tatsache, dass die Märkte sich zusehends abgekoppelt hätten von außenpolitischen Geschehnissen. Die Verluste in den schwierigen Märkten Russland, Türkei und England würden mehr als ausgeglichen vom stärkeren Wachstum in den USA aber auch im belebten Spanien oder in Italien, hob Bockermann hervor. "Die Firmen sind sehr international aufgestellt", stuft Bockermann die Lage ein. "Stagnation auf hohem Niveau" bei Küchenmöblern Dass die Umsätze bei 3,57 Milliarden Euro stagnierten sei auch dem Umstand geschuldet, dass es bei den Küchenmöblern im ersten Halbjahr nicht so gut gelaufen sei. "Das ist aber Stagnation auf hohem Niveau", fügte Bockermann hinzu. Die Problematik fehlender Fachkräfte ist nach Ansicht der IHK-Aktiven auch der Tatsache zuzuschreiben, dass mehr Studenten als nötig "produziert" werden. "Es gibt Studiengänge, die nicht zum Erfolg am Markt führen. Diese jungen Leute sollte man gezielter in den Arbeitsmarkt bringen. "Es muss an den Schulen mehr Verantwortung für die Zukunft der Schüler übernommen werden", sagte Döring. So seien die Voraussetzungen in Handel und Industrie viel besser als üblicherweise wahrgenommen. "Wir brauchen mehr Partnerschaften mit Schulen, vielleicht das Fach Wirtschaft und müssen Brücken bilden in Richtung Ausbildung in Industrie, Handwerk und handel", verlangte Döring.

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