Am Fließband: Für die Zuckerproduktion in Lage fehlt der Nachschub. - © Vera Gerstendorf-Welle
Am Fließband: Für die Zuckerproduktion in Lage fehlt der Nachschub. | © Vera Gerstendorf-Welle

Bielefeld/Lage Nasses Wetter bereitet Probleme bei der Rübenernte

Landwirtschaft: Viele Zuckerrüben können nicht geerntet werden. Auch die Aussaat der Wintergerste bereitet Probleme

Janina Raddatz
Lena Henning

Bielefeld/Lage. Eher kühl, vergleichsweise viel Regen und deutlich zu wenig Sonnenschein – das ist die Bilanz des Wetters im September. Das nasskalte Wetter macht auch den Landwirten in der Region zu schaffen. Die Aussaat der Wintergerste und das Roden der Zuckerrüben verzögert sich. Die Ernte der Apfelbauern fällt mager aus. Probleme bereitet derzeit die Ernte der Zuckerrüben. Wegen des vielen Regens in den vergangenen Tagen sind die Felder so aufgeweicht, dass die großen Maschinen die Zuckerrüben nicht aus dem Boden holen können. „Der nasse Boden haftet stark an den Reifen der Fahrzeuge. Das ist ein großes Problem", erklärt Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn. „Wenn es draußen sehr nass ist, dann wartet man lieber noch etwas mit der Ernte, um den Boden nicht noch mehr durch die Maschinen zu strapazieren." Weil dadurch der Nachschub fehlt, musste in der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Lage die Produktion zwischenzeitlich zurückgefahren werden. Stefan Brinker, Leiter des Bereichs Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen, hat die Aufgabe, die Zuckerverarbeitung zu koordinieren und die von den Feldern aus der Umgebung eingesammelten Rüben gleichmäßig zu verteilen, sodass kein Leerlauf entsteht. Denn die Maschinen herunterzufahren wäre teuer. Alle hoffen auf den Goldenen Oktober In den vergangenen Tagen habe die Fabrik deshalb weniger Rüben verarbeitet, um einen Vorrat ansammeln zu können. Derzeit laufe die Produktion wieder im Normalbetrieb. „Jetzt hoffen wir alle auf den Goldenen Oktober", sagt Brinker. Fürs Wochenende sind Temperaturen über 20 Grad und Sonnenschein angekündigt. Das ist gut für die Landwirte. „Den Rüben ist es egal, ob sie eine Woche länger oder kürzer in der Erde sind", sagt Beringmeier. „Der Wetterbericht stimmt mich optimistisch, dass es bald wieder besser wird." Auf besseres Wetter hoffen auch die Landwirte, die derzeit die Wintergerste aussäen wollen. Normalerweise beginne die Aussaat der Wintergerste am 20. September. Bisher hätten aber 20 Prozent noch nicht ausgesät werden können, schätzt Dirk Höke, Pflanzenbauberater des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld. Alternativ Weizen oder Roggen aussäen „Die Böden sind zu nass – wenn es am Wochenende nicht trocken wird, ist es zu spät", sagt er. Als Alternative bleibe nur, auf Weizen oder Roggen zurückzugreifen. Diese Getreidesorten könnten später ausgesät werden. Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer NRW ist die Apfelernte durch den Frost im Frühjahr um etwa die Hälfte eingebrochen. „Regional gibt es auch Ausfälle bis zu 95 Prozent", sagt Verbandssprecher Bernhard Rüb, wobei es aber in OWL nicht ganz so schlimm aussehe. Der Grund für die Ernteausfälle ist allerdings nicht die derzeitige Nässe, sondern Frost zu Beginn des Frühling. Die Apfelbäume hatten im Frühjahr wegen der warmen Witterung sehr früh geblüht und waren dann vom Frost überrascht worden. Die Anbauer müssten massive finanzielle Einbußen hinnehmen, sagt Rüb. „Wenn das mehrere Jahre hintereinander vorkommt, sind die pleite." Der Schaden lasse sich auch nicht über höhere Verbraucherpreise für die regionale Ernte kompensieren. Äpfel sind das beliebteste Obst der Deutschen: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 24 Kilogramm im Jahr. Die Preise für Äpfel ziehen bereits merklich an.

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