Jens Beining, Geschäftsführer von Wortmann, lehnt im Showroom in Detmold hinter Sneaker-Modellen. - © Friderieke Schulz
Jens Beining, Geschäftsführer von Wortmann, lehnt im Showroom in Detmold hinter Sneaker-Modellen. | © Friderieke Schulz

Detmold Tamaris und Co.: Wie Wortmann sich für die Zukunft wappnet

Bei Wortmann laufen die Schnürsenkel Europas zusammen. Mit Jens Beining an der Spitze hat sich das Unternehmen modernisiert

Friderieke Schulz

Detmold. Elf Sekunden dauert der TV-Werbespot von Heart and Sole – einer der neuen Schuhlinien bei Tamaris. Es ist eine der sichtbaren Veränderungen im Haus Wortmann, aber bei weitem nicht die einzige. Das Büro von Jens Beining wirkt modern. Wo vor zwei Jahren noch dunkle Holzmöbel aus den 70er Jahren dominierten, sorgt nun ein langer weißer Hochglanztisch für eine klare Struktur. Am Kopf des Tisches ein Computer, daneben ein Stapel mit ordentlich aufeinander gelegten Papieren. Hinter dem Tisch: Schuhe, Schuhe, Schuhe. „Das sind Prototypen für die neuen Kollektionen an denen wir gerade arbeiten", verrät Beining. Seit gut eineinhalb Jahren sitzt er an der Spitze von einem der größten Schuhhersteller Europas, hat die Geschäftsführung zuerst von seinem Onkel erlernt und dann alleinverantwortlich übernommen. „Aber nach wie vor bin ich auf den Erfahrungsschatz der Gründergeneration angewiesen", sagt der 47-Jährige. Neue Linien und etablierte Marken Denn ganz ohne ist das nicht, schließlich laufen bei Wortmann die Schnürsenkel Europas zusammen. Neben den fünf etablierten Kernmarken S.Oliver, Tamaris, Marco Tozzi, Jana, Caprice und Be Natural setzt das Detmolder Unternehmen auch auf neue Linien und neue Gesichter, die Tamaris auf die großen Laufstege bringt. Eines dieser Gesichter ist Marcel Ostertag, der inzwischen mehr für Mode als für Ballett bekannt ist. Der ehemalige Tänzer sorgt mit seinen Kreationen für Begeisterung in der Modebranche. „Für die Shows hat er schon länger Schuhe von uns bekommen, mit denen seine Models über den Laufsteg liefen. Aber nun haben wir eine echte FashionDesigner-Kooperation aus der Feder von Ostertag", erzählt Beining. Mit Ostertag möchte er etwas bewegen. Die erste Kollektion, mit Schuhen mit hochwertigen Details, die an eine Rüschenborte erinnern, ist gerade in die Läden eingezogen, sechs weitere sind geplant, die zweite kann bereits im Showroom in Detmold angehimmelt werden. Ein Regal weiter stechen dort, im Showroom, goldene Herzen ins Auge. Heart and Sole – der Name soll für optisch tolle High Heels mit hohem Tragekomfort stehen. Harte Wettbewerb auf dem Schuhmarkt Die Veränderungen des Marktes gehen auch am Schuhriesen aus Ostwestfalen-Lippe nicht vorbei. Immer mehr große Ketten bieten inzwischen Schuhe an, das macht den Wettbewerb härter. Zudem ändert sich das Einkaufsverhalten der Kunden. „Wir haben schon in den vergangenen Jahren die Agenda 2020 entwickelt", so Beining. Darin möchte sich das Traditionsunternehmen den Themen stellen. Zum einen sollen die Wettbewerber beliefert werden, denn Schuhe, nicht nur die eigenen Marken, sind das Steckenpferd von Wortmann – 12.000 Modelle werden jährlich produziert. Mit sportlichen Schuhen entdeckt man neue Märkte und reagiert auf den internationalen Trend zu Sneakers. „Wir waren eher für Lederschuhe bekannt. Die Trendwende hat uns Umsatz gekostet, aber mit den neuen Linien holen wir wieder auf." Alle hätten sich gut verkauft, zudem ist die Bewertung der Kunden sehr positiv – Tamaris 2.0 lockt immer mehr junge Kundinnen. „Der Kunde war schon immer König. Er hat aber ein neues Zepter – sein Smartphone. Und darauf müssen wir reagieren", ist Beining überzeugt. Die großen Verkaufsflächen, in Deutschland gibt es rund 200 Tamaris-Geschäfte, werden so zunehmend zum Showroom, der Onlineshop der Marktplatz der Zukunft. „Ich glaube auch an die Zukunft des stationären Handels, aber man darf das nicht mehr so isoliert betrachten", erklärt der 47-Jährige. Tamaris 2.0 hält Einzug Dafür wolle man ein Bestellverfahren, das beide Welten miteinander verbindet. Schuhe können online bestellt und noch am selben Tag von einem der Läden in der Nähe geliefert werden – einer der Gründe, warum Beining am stationären Handel festhält. Der 47-Jährige sieht das Potenzial, wenn auch die Gefahr. „Der Strukturwandel ist spürbar. Es wird künftig weniger Schuhhändler geben, was aber nicht heißt, dass weniger Schuhe verkauft werden", so Beining. Doch für den Bestand müssen sich die Läden verändern. Tamaris 2.0, ein neues, emotionaleres und feminineres Konzept, hält in den Läden Einzug. Denn Inszenierung, ein besonderes Erlebnis wird wichtiger, um Verbraucher zu locken. Auch den internationalen Absatz wolle man ausbauen, der Start liegt zwei Jahre zurück. „Unsere Erwartungen sind noch nicht voll erfüllt. Keiner in den USA hat auf Tamaris gewartet. Dort sind wir ein kleines Pflänzchen", sagt Beining. In Zukunft hofft man aber auch dort einen guten Umsatz erzielen zu können. In Deutschland war das erste Halbjahr „in Ordnung", den Jahresumsatz erwartet Beining auf Vorjahresniveau. Wenn die positive Resonanz der Kunden auch in den Geschäftsbüchern sichtbar wird, wird bald nicht nur der Absatz der Schuhe steigen.

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