Vlotho Kannegiesser engagiert einen Nachfolger

Wäschereitechnikhersteller: Das Vlothoer Familienunternehmen bekommt Anfang 2018 einen neuen Chef. Der langjährige Gesamtmetall-Präsident will aber Einfluss behalten

Martin Krause

Vlotho. Martin Kannegiesser zieht sich aus der operativen Führung der Herbert Kannegiesser GmbH zurück. Anfang 2018 soll ein externer Manager aus einem familiengebundenen Konzern als Geschäftsführer nach Vlotho kommen und ihn ablösen, berichtet das Handelsblatt. Für die Suche nach einem Nachfolger im Chefsessel habe er ein gutes Jahr gebraucht. In seinen rund 50 Jahren in der Geschäftsführung hat Diplom-Kaufmann Kannegiesser (75) den Hersteller von Industriewaschmaschinen, Trocknern und anderen Geräten für Großwäschereien zum Weltmarktführer seiner Branche gemacht. An der Spitze des Unternehmens mit mehr als 1.500 Mitarbeitern steht er heute gemeinsam mit den langjährigen Geschäftsführern Dirk Littmann und Engelbert Heinz. Kannegiesser will Nähe zum Tagesgeschäft behalten Bereits 2014 hatte Kannegiesser alle Gesellschaftsanteile an seinem Unternehmen in eine Familienstiftung eingebracht und dort den Vorsitz übernommen. Stellvertretende Stiftungsvorsitzende ist seine Tochter Tina (36), die „langsam in die Rolle als Unternehmerin hineinwachsen" soll, wie es heißt. Eine gewisse Nähe zum Tagesgeschäft will der Unternehmer, der im November 76 Jahre alt wird, auch künftig behalten. „Ich will weiter die Hand am Puls des operativen Geschäfts haben", wird Kannegiesser zitiert. Dafür strebe er eine Rolle wie die eines Verwaltungsratsvorsitzenden an. Heute Ehrenpräsident des Verbandes Gesamtmetall Als Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall hat Kannegiesser von 2000 bis 2012 die Branchenpolitik maßgeblich mitbestimmt. Bereits 1997 war er zum Vizepräsidenten gewählt worden. Er verteidigte den Erhalt des Flächentarifvertrages, warb aber zugleich für Öffnungsklauseln und Ergänzungen. Heute ist er Ehrenpräsident von Gesamtmetall, des Dachverbandes der Metall- und Elektroindustrie. Für die CDU war er auch parteipolitisch sowie in der CDU-Mittelstandsvereinigung aktiv. Für die von ihm internationalisierte Kannegiesser GmbH werden Umsätze zwischen 300 und 400 Millionen Euro genannt, mehr als 70 Prozent der Erlöse werden im Ausland erzielt. Im Frühjahr 2017 hatten die Ostwestfalen das US-Unternehmen E-Tech in Minneapolis übernommen. Die auf Fördertechnik und Software für industrielle Wäschereien spezialisierte Firma mit 140 Mitarbeitern sollte mit der konzerneigenen Tochterfirma verschmolzen werden.

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