Vorstandstrio: Rolf Beckhoff (v.l.), Ludger Martinschledde und Sebastian Roll in Beelen. Die von ihnen geführte Aumann AG ist an der Börse schon mehr als eine Milliarde Euro wert. - © Foto: Mika
Vorstandstrio: Rolf Beckhoff (v.l.), Ludger Martinschledde und Sebastian Roll in Beelen. Die von ihnen geführte Aumann AG ist an der Börse schon mehr als eine Milliarde Euro wert. | © Foto: Mika

Beelen/Espelkamp Stürmisches Wachstum mit E-Mobilität für Aumann

Aumann AG: Das Unternehmen mit ostwestfälischen Wurzeln hat sich mit dem Börsengang gestärkt. In den nächsten Jahren sind zweistellige Wachstumsraten vorgesehen, die Kapazitäten werden aufgestockt

Martin Krause

Beelen/Espelkamp. Der Hype um die Elektromobilität sorgt für Goldgräberstimmung in Teilen der Automobilbranche. Ehrgeizige Ziele verfolgt die seit März 2017 börsennotierte Aumann AG im westfälischen Beelen, Hersteller von Maschinen und Anlagen zum Bau von Antriebssträngen, Motoren und Batteriemodulen für Elektroautos: "Wir möchten unseren Umsatz innerhalb von fünf Jahren verdreifachen", sagte Finanzchef Sebastian Roll bei einer Präsentation für Investoren. Die Zahlen für das erste Halbjahr dürften den Beelenern, deren Gesellschaft auch nach dem Börsengang mehrheitlich (zu 53,5 Prozent) zur Berliner MBB-Holding gehört, Mut machen: Da ist der Umsatz um 35,3 Prozent auf 98,0 (Vorjahresperiode 72,4) Millionen Euro gestiegen, und der Gewinn wuchs um 68 Prozent auf 8,5 (5,0) Millionen Euro. Im Gesamtjahr werden 200 (Vorjahr 156) Millionen Euro Umsatz erwartet. Gemanagt wird das stürmische Wachstum von einem dreiköpfigen Vorstand mit Rolf Beckhoff und Ludger Martinschledde als Doppelspitze und Finanzchef Sebastian Roll. Angesichts der großen Nachfrage - der Auftragsbestand ist um 24 Prozent auf 141,6 Millionen Euro geklettert - gilt der Ausbau der Kapazitäten als wichtigste Aufgabe. "Der Engpass liegt darin, neue Mitarbeiter zu finden", sagt Beckhoff. Im ersten Halbjahr seien insgesamt etwa 100 neue Leute eingestellt worden, sagt Roll. Aumann AG verlässt sich nicht auf organisches Wachstum Am Firmensitz in Beelen zählen die Zentrale der Aumann AG und ihre Tochter MBB Fertigungstechnik rund 400 Beschäftigte. In Espelkamp - am Sitz der erst 2015 übernommenen Aumann GmbH - sind es mehr als 160 Beschäftigte, in Berlin etwa 60 und 40 in China. Bald dürfte die Belegschaft 700 Köpfe zählen, rund 40 Prozent von ihnen Ingenieure, Entwickler, Techniker. Ausgebaut wird auch die Produktionsfläche: In diesem Jahr wurde bereits eine neue Halle mit über 3.000 Quadratmetern Fläche in Betrieb genommen, eine weitere Halle befindet sich im Bau. Doch allein auf organisches Wachstum verlässt sich die Aumann AG nicht: "Wir halten auch nach Übernahmemöglichkeiten Ausschau", sagt Beckhoff. Im Hintergrund des Erfolges stehen zwei Unternehmer, die sich in den 80er-Jahren beim Wirtschaftsstudium in Münster kennengelernt haben: Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth, beide Jahrgang 1965, gründeten 1995 ihre erste gemeinsame Firma. 1997 erwarben sie vom Daimler-Benz-Konzern eine Tochter des einstigen Rüstungskonzerns Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) und zugleich auch die MBB-Namensrechte. Nesemeier und Freimuth formten daraus eine Industrieholding, die unter dem Namen MBB SE an der Börse notiert ist. Nesemeier ist heute geschäftsführender Direktor von MBB, Freimuth hat sich 2013 aus der operativen Führung zurückgezogen und ist Verwaltungsratschef. Noch immer halten beide insgesamt 65 Prozent des von ihnen gegründeten Unternehmens. Draht- und Wickeltechnologie ist ein technischer Trumpf Erst 2012 erwarb MBB von der Harsewinkeler Claas KGaA die Claas Fertigungstechnik GmbH in Beelen und fasste sie 2016 mit der kurz zuvor übernommenen Espelkamper Aumann GmbH zusammen. Aumanns für die Produktion von Elektromotoren - auch etwa für Haushaltsgeräte - eingesetzte Draht- und Wickeltechnologie gilt als ein technischer Trumpf des Unternehmens. Bisher macht der Maschinen und Anlagenbauer erst ein gutes Viertel seiner Umsätze mit der Elektromobilität, drei Viertel aber noch mit klassischen Produktionslinien für die Automobilbranche. "Doch dieses Verhältnis soll sich mittelfristig drehen", plant Beckhoff mit Blick auf das überproportionale Wachstum des E-Mobilitäts-Geschäfts. Um die Ziele zu erreichen, darf die Aumann AG von dem Emissionserlös beim Börsengang - insgesamt mehr als 250 Millionen Euro - rund 60 Millionen Euro für Investitionen ausgeben.

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