Hightech aus Bielefeld: Ein Mitarbeiter der Dürkopp Adler AG montiert einen Knopflochautomaten. - © Sarah Jonek
Hightech aus Bielefeld: Ein Mitarbeiter der Dürkopp Adler AG montiert einen Knopflochautomaten. | © Sarah Jonek

Bielefeld Chinesische Anteilseigner übernehmen Dürkopp-Adler komplett

Nähmaschinenhersteller: Shanggong bereitet ein Abfindungsangebot vor. Der Börsenabgang folgt

Martin Krause

Bielefeld. Das Ende einer Ära naht: Die freien Minderheitsaktionäre des Bielefelder Industrienähmaschinenherstellers Dürkopp-Adler sollen ihre Anteile an den chinesischen Mehrheitseigentümer Shanggong verkaufen. Damit verliert der Traditionskonzern seine (formale) Unabhängigkeit. Die Geschäftsführung der Shanggong Europe Holding Corp. GmbH habe dem Dürkopp-Vorstand mitgeteilt, eine Verschmelzung der Dürkopp-Adler AG mit der Holding anzustreben, „um die Konzernstruktur zu vereinfachen", so das Bielefelder Unternehmen. Im Rahmen eines „umwandlungsrechtlichen Squeeze Outs" soll den Minderheitsaktionären eine Barabfindung gewährt werden. Anschließend ist ein Delisting (Börsenabgang) absehbar. Wie Dürkopp-Finanzchef Thomas Vogel erläuterte, soll vor der Festlegung der Abfindung erst eine Unternehmensbewertung durchgeführt werden. Die Shanggong Europe Holding, die bereits mehr als 94 Prozent der Dürkopp-Aktien hält, will sich vor der Verschmelzung selbst in eine AG umwandeln. Anschließend muss eine Hauptversammlung in einigen Monaten formale Beschlüsse fassen. Kölner Investor war mit der Dividende unzufrieden Der Investor Reinhard Ender von der Confident Management AG in Köln scheint sich damit durchgesetzt zu haben: Er hatte den Chinesen bei der Hauptversammlung Ende Juni 2017 den Verkauf seiner fast 210.000 Aktien (fast 2,6 Prozent) angeboten. Er sei mit der Dividende von 50 Cent je Aktie unzufrieden, so Ender. Den fairen Aktienkurs bei einer Übernahme taxierte er auf mehr als 60 Euro. Mit einem anschließenden Börsenabgang könne Dürkopp Adler jährlich eine halbe Million Euro sparen, so Ender. Zu der Frage, ob er mit Shanggong inzwischen separate Verkaufsgespräche geführt habe, äußerte er sich mit Verweis auf eine Geheimhaltungsvereinbarung nicht. Dürkopp Adler (1.440 Mitarbeiter) war unter den Fittichen von Shanggong zuletzt kräftig gewachsen und erzielt (bei 149 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016) seit 2014 mehr als 20 Prozent Umsatzrendite. Der zweite bekannte deutsche Nähmaschinenhersteller Pfaff gehört ebenfalls den Chinesen und ist bisher eine Schwesterfirma von Dürkopp Adler.

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