Fleischlieferanten: Kaninchen sollen nach dem Willen der Regierung Maduro auf den venezolanischen Tisch. - © picture alliance / Libor Sojka/CTK/dpa
Fleischlieferanten: Kaninchen sollen nach dem Willen der Regierung Maduro auf den venezolanischen Tisch. | © picture alliance / Libor Sojka/CTK/dpa

Caracas Venezuela: Kaninchen sollen die Hungersnot lindern

Der neue Plan der Regierung Maduro stößt auf ein kulturelles Problem

Talin Dilsizyan

Caracas. In Venezuela herrscht Hungersnot. Die Regierung Maduro hat jetzt eine Lösung präsentiert: Kaninchen. Sie vermehren sich besonders schnell, ihr Fleisch ist nahrhaft und enthält wenig Cholesterin. Die Begeisterung der Bevölkerung, zu Kaninchenzüchtern zu werden, hält sich aber in Grenzen. Mit einer der üblichen Anspielungen auf die Schuld der USA an der Misere Venezuelas leitete Landwirtschaftsminister Freddy Bernal in einer Sitzung des Ministerrats am 13. September seinen Lösungsansatz ein. Die Aggression Trumps gegenüber dem venezolanischen Volk sei eine Chance, um das Konsumverhalten zu ändern. Sein Vorschlag: Kaninchen sollen an die Bevölkerung verteilt werden, um diese zu züchten und im Anschluss zu verzehren. Dabei rechnet der Minister vor, dass sich das Tier schließlich besonders schnell vermehre. Ein Weibchen könne bis zu 80 Junge im Jahr gebären. "Das Kaninchen ist kein Haustier, vielmehr sind es zweieinhalb Kilo proteinreiches Fleisch ohne Cholesterin", stellte er im Beisein von Präsident Nicolas Maduro fest. Dass es schwierig ist, die Bevölkerung davon zu überzeugen, die "niedlichen Kaninchen" in ihren Speiseplan aufzunehmen, musste Bernal zugeben. In einer ersten Phase des Projekts hatte sein Ministerium Kaninchen an 15 Kommunen in der Umgebung von Caracas verteilt. "Als wir zu den Menschen zurückkehrten, haben wir beobachtet, dass sie die Kaninchen als Haustiere halten, ihnen Schleifchen umgebunden und Namen gegeben haben und sie mit ins Bett nehmen." Nicht nur Maduro auch die weiteren Minister lachten herzhaft über die Ausführungen Bernals. Dennoch bestimmte Venezuelas Präsident, dass der "Plan Conejo" (Kaninchenplan) umgesetzt werden soll. Kein "schlechter Scherz" Wie ernst es der venezolanischen Regierung mit diesem Plan ist, hat Maduro noch einmal in einer Rede am vergangenen Freitag verdeutlicht. Wie unter anderem die mexikanische Tageszeitung El Debate berichtete, sieht der venezolanische Präsident in der Kritik seitens der Opposition und Experten eine "Manipulation durch diejenigen, die nicht fähig sind, Lösungen zu entwickeln". Entsprechend dem Vorschlag des Landwirtschaftsministers gehe es auch darum, die Zucht von Ziegen zu fördern und insgesamt alternative Proteinquellen zu erschließen. Oppositionsführer Henrique Capriles hatte den Kaninchenplan als "schlechten Scherz" bezeichnet und der Regierung vorgeworfen, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen. Für viele Venezolaner bleibt das Kaninchen trotz der horrenden Preise für die traditionellen Fleischsorten ein Haustier und sie stehen der Initiative der Regierung skeptisch gegenüber. Beispielhaft wirft ein Mann im Interview mit dem Fernsehsender NTN24 ein, dass sein Enkel ein Kaninchen habe, wenn er dieses esse, würde er aus dem Haus geworfen.

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