Symbolischer Schlüssel: Kammerpräsidentin Lena Strothmann, der neue Chef Jens Prager und Vorgänger Michael Heesing (v. l.). - © Foto: Zobe
Symbolischer Schlüssel: Kammerpräsidentin Lena Strothmann, der neue Chef Jens Prager und Vorgänger Michael Heesing (v. l.). | © Foto: Zobe

Wirtschaft Abschied des Kammer-Dieners

Letzter Arbeitstag: Hauptgeschäftsführer Michael Heesing verabschiedet sich nach 37 Jahren Arbeit für das Handwerk in den Ruhestand

Stefan Schelp

Bielefeld. Er war der Mann, der die dicken Bretter bohrt. Der Fels in der Brandung. Verlässlich, gewissenhaft, kooperativ. Ziel- und ergebnisorientiert. Ein Mann mit trockenem Humor. So viele Lobeshymnen wie an seinem letzten Arbeitstag hat Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL, auch nicht jeden Tag bekommen in den 37 Jahren, die er für das Handwerk aktiv war. „Der Kammer-Diener geht." So brachte es Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT), auf den Punkt. Am 1. Oktober 1980 war Heesing als Leiter der Rechtsabteilung zur Handwerkskammer gekommen. 1998 war er stellvertretender Hauptgeschäftsführer, seit 2003 wirkte er als Hauptgeschäftsführer. Heesings Nachfolger ist Jens Prager, der schon seit einigen Wochen auf dem Campus Handwerk unterwegs ist. Heesing habe ihm „ein ungeschminktes Bild der Realität und aller dazugehörigen Fakten vermittelt", sagt Prager. Sein Vorgänger habe „viel Samen gesät, die zum Teil erst in den kommenden Jahren aufgehen und Früchte tragen werden", kündigte Prager an. Und Heesing „warnte" im Gegenzug künftige Gesprächspartner: „Mancher wird sich wundern, was der Neue alles weiß." Zu den „Samen", die bereits aufgegangen sind, gehört der Campus Handwerk, direkt hinter dem Bielefelder Hauptbahnhof. Fiat – das steht für Ferien in alten Tagen Imposant ist der Komplex, in der Branche gilt er als richtungweisend. „Der Campus Handwerk in OWL war der Höhepunkt Ihrer beruflichen Laufbahn, er war Ihr Baby", erklärte daher auch Kammerpräsidentin Lena Strothmann in ihrer Laudatio. Die neue Kammer blieb voll im Zeitplan, war am Ende sogar drei Millionen Euro günstiger als veranschlagt. Mit „Verhandlungsgeschick, Diplomatie und viel Ausdauer" sei dies gelungen, lobte Strothmann. So mancher habe tatsächlich erst überzeugt werden müssen, räumt Heesing in seiner eher knappen Abschiedsrede ein. Kein Wunder, findet er. „Mit 60 bis 70 Millionen Euro verlässt man ja durchaus die Taschengeld-Perspektive." Mit Vergnügen erzählt Heesing, dass die Verhandlungspartnerin in der Düsseldorfer Landesregierung immer schon hektische Flecken bekommen habe, wenn er wieder angereist kam. „Die dachte, ich will noch mehr Zuschüsse." Noch während die 180 geladenen Gäste im großen Campus-Saal lachen, schiebt Heesing mit schelmischem Grinsen hinterher: „Wollte ich ja auch." Am Ende steuerten der Bund 31 Millionen Euro und das Land mehr als zwölf Millionen Euro an Förderung bei. Die Baukosten betrugen schließlich 60,6 Millionen Euro Dass der Campus zum viel beachteten Erfolg geworden sei, sei dennoch eigentlich verwunderlich, sagt WHKT-Geschäftsführer Nolten in seiner Rede. „Schließlich hat der Mann nie selbst gebaut. Nur mal das Reihenhaus renoviert." Mit dem Wohnmobil auf große Fahrt Damit wird er nun wohl auch nicht mehr anfangen. In Zukunft wird man Heesing samt Gattin vermutlich seltener in Bielefeld, stattdessen an vielen anderen schönen Stellen in Europa treffen. Das Ehepaar hat sich ein Wohnmobil zugelegt und geht damit schon bald auf große Fahrt. Nicht schnell und schnittig, sondern „groß und langsam" sei daher das nächste Fahrzeug, gebaut in Italien. „Ein Fiat", sagt Heesing. Das stehe für „Ferien in alten Tagen". Er werde Bildchen schicken, verspricht er. Über eine Gegenleistung würde er sich wohl auch freuen: „Ich interessiere mich natürlich weiter für alles, was hier im Campus passiert."

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