Bielefeld Seniorin verklagt Gütersloher Firma WK Wertkontor

77-Jährige kaufte von WK Wertkontor für 11.300 Euro imitiertes Faksimile des neuen Testaments

Andrea Frühauf

Bielefeld. Eine Seniorin ist offenbar auf dubiose Geschäftspraktiken hereingefallen und hat sich von der Gütersloher Firma WK Wertkontor GmbH zum Kauf des Faksimiles „Neues Testament Vat. lat. 39" für 11.300 Euro verleiten lassen. „Das ist Wucher", sagt der Bielefelder Anwalt Wolfgang Schneider, der die Klägerin aus dem nordhessischen Hohenahram Mittwoch vor dem Landgericht Bielefeld vertritt. Bei dem Exemplar handelt es sich nach seinen Angaben um ein billiges Imitat wahrscheinlich aus Spanien, das im Internet für 200 bis 300 Euro gehandelt werde. Kurios: Die 77-Jährige besaß bereits eine Immendorff-Bibel mit Bronzestatur „Affe mit Ring", die der Künstler Jörg Immendorff kurz vor seinem Tod gestaltet und signiert hatte und die sie vor Jahren von der inzwischen nicht mehr geschäftstätigen Bertelsmann-Tochter Inmedia-One für rund 7.500 Euro erstanden hatte. Doch Wertkontor habe der Klägerin per angeblichem Garantie-Zertifikat vom Vatikan vorgegaukelt, dass es sich bei dem neuen Exemplar um „ein originalgetreues Faksimile eines Meisterwerks alter Buchkunst" aus der Vatikanischen Bibliothek handele, von dem es nur 40 Exemplare gebe. Vertreter musste Immendorff-Bibel zurückgeben Die Seniorin unterschrieb im Mai 2015 den Kaufvertrag – und ließ sich zudem auf einen zwielichtigen Handel mit dem von Wertkontor eingesetzten Vertreter ein. Der schwatzte ihr nämlich gleichzeitig ihre weit wertvollere Immendorff-Bibel (Altes und Neues Testament, inklusive den Spätschriften des Alten Testaments) ab, um das gute Stück angeblich in ihrem Auftrag zu verkaufen. Zwei Jahre habe die Klägerin darum gekämpft, ihre Bibel wiederzubekommen, schildert Schneider. Der ebenfalls vor dem Landgericht verklagte Vertreter hat nach einem bereits verhängten „Teil-Anerkenntnisurteil" die Bibel inzwischen wieder herausgerückt. Nun fordert die Seniorin per Klage auch ihre 11.300 Euro von der WK Wertkontor GmbH zurück. Warnungen vor "zweifelhaften Investitionen" „Ehemalige Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter, die die Brockhaus-Enzyklopädie vertrieben hatte, haben sich offenbar selbstständig gemacht und Adressen von Immedia-One genutzt", vermutet Schneider. Geschäftsführer der Gütersloher WK Wertkontor GmbH ist Frank Veltrup. Er hat laut dem Internetportal Xing 17 Jahre in verschiedenen Funktionen bei Immedia-One gearbeitet – zuletzt bis Ende 2013 als Direktor. Auch Bertelsmann bestätigt, dass Veltrup bei Inmedia-One beschäftigt war. Das Internetportal Anwalt.de warnt im Übrigen vor „zweifelhaften Investitionen" in Luxusmünzen, die WK Wertkontor Anlegern im Internet biete. Auch der Finanznachrichtendienst GoMoPa hält die von der Gütersloher Firma als „Rarität bezeichneten" Sammlermünzen für „überteuert".

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