Früher in die Freizeit: Immer mehr Arbeitnehmer nutzen die Chance, nicht bis zum bitteren Ende arbeiten zu müssen. - © imago
Früher in die Freizeit: Immer mehr Arbeitnehmer nutzen die Chance, nicht bis zum bitteren Ende arbeiten zu müssen. | © imago

Wirtschaft Flexi-Rente: Experten beantworten Fragen zu der Neuregelung

Mit der Flexi-Rente soll der Übergang vom Beruf in den Ruhestand einfacher werden

Die Flexi-Rente macht den Übergang vom Beruf in den Ruhestand einfacher. Marie-Luise Hagemeier, Sebastian Giese und Marco Reimann haben in einer Telefonaktion alle Fragen beantwortet.

Was sind die Ziele der Flexi-Rente?
Arbeitnehmer sollen zum einen die Möglichkeit erhalten, den Übergang in die Rente flexibler, individueller zu galten. Zum anderen soll das Gesetz Anreize schaffen, dass sich ein längeres Arbeiten lohnt.

Gelten die Neuregelungen auch für diejenigen, die schon eine Altersrente erhalten?
Ja, das Flexi-Rentengesetz gilt auch für Sie. Sie können von den Änderungen bei den Hinzuverdienstregelungen profitieren.

Was heißt das genau?
Sofern Sie die Regelaltersgrenze überschritten haben und noch arbeiten, können Sie nun eigene Rentenversicherungsbeiträge zahlen. Bisher war das nicht möglich. Nur der Arbeitgeber hatte seinen Beitragsanteil an die Rentenversicherung zu zahlen. Auf Ihre Rente hatte das aber keinen Einfluss. Wenn Sie jetzt Ihren Beitragsanteil zahlen möchten, müssen Sie dies gegenüber Ihrem Arbeitgeber erklären. Einmal im Jahr erhöht sich dann Ihre Rente aufgrund dieser Beiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil).

Gilt das auch bei einem Minijob?
Ja, hier lohnt sich das besonders. Denn bei einem sogenannten „Minijob" muss der Arbeitgeber für Sie einen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent entrichten. Da der Rentenversicherungsbeitrag insgesamt 18,7 Prozent beträgt, brauchen Sie nur noch die fehlenden 3,7 Prozent zu zahlen. Normalerweise wir der Rentenbeitrag hälftig zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt.

Kann man jetzt schon früher in Rente gehen?
Nein! An den grundsätzlichen Voraussetzungen für die Rentenansprüche hat sich durch die Flexi-Rente nichts geändert.

Ich bin 64 und bekomme schon eine Altersrente. Ich überlege, ob ich noch einen Minijob annehme. Ändert sich für mich auch etwas?
Beziehen Sie eine vorgezogene Altersrente, dürfen Sie maximal 450 Euro im Monat plus zweimal jährlich weitere 450 Euro hinzu verdienen. Seit dem 1. Juli 2017 gibt es hierzu Änderungen: Es gilt dann eine jährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro.

Und wenn man mehr verdienen will?
Ist der Hinzuverdienst höher, werden nun 40 Prozent von dem über den 6.300 Euro liegenden Betrag von der Rente abgezogen. Die Anrechnung wird einmal im Jahr rückwirkend überprüft. Vorsicht: Wenn Sie mit gekürzter Rente und Hinzuverdienst mehr in der Tasche haben, als Sie früher brutto verdient haben, wird der übersteigende Betrag nicht zu 40 Prozent sondern voll auf die Rente angerechnet.

So viel ändert sich doch nicht – 6.300 Euro sind 14 x 450 Euro. Der Betrag bleibt doch gleich, oder?
Die Änderung besteht darin, dass die Hinzuverdienstgrenze nicht mehr monatsweise, sondern für das Jahr geprüft wird. Sie können die 6.300 Euro jetzt beispielsweise auch in einem Monat verdienen und den Rest des Jahres nichts mehr. Außerdem fallen bei einem über der Grenze liegenden Verdienst die bisherigen und völlig starren Teilrentenstufen (1/3, 1/2, 2/3) weg.

Gilt die neue Hinzuverdienstgrenze auch für Erwerbsminderungsrentner?
Für Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung gilt auch die Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 6.300 Euro pro Jahr. Ist der Hinzuverdienst höher, gelten die gleichen Anrechnungsvorschriften wie bei den vorzeitigen Altersrenten. Bei der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird die jährliche Hinzuverdienstgrenze individuell vom Rentenversicherungsträger berechnet. Achtung: Je nachdem wie viele Stunden gearbeitet werden, ist der Rentenanspruch unter Umständen in Gefahr. Erkundigen Sie sich deshalb vorher beim Rentenversicherungsträger.

Ich bin Jahrgang 1952 und könnte in diesem Jahr meine reguläre Altersrente bekommen. Meinen Job möchte ich noch nicht aufgeben und mein Arbeitgeber will mich auch behalten.
Sie können ab dem Erreichen der Regelaltersgrenze unbegrenzt zur Altersrente hinzuverdienen. Sie haben dann die Möglichkeit, eigene Rentenbeiträge zu zahlen und damit einmal pro Jahr Ihre Altersrente zu erhöhen. Alternativ können Sie auch den Rentenbeginn hinausschieben. Pro Monat des späteren Rentenbeginns erhalten Sie einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Neu ist, dass auch die Beiträge, die Sie weiterhin zahlen müssen, diesen Zuschlag bekommen.

Ich überlege, mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Ich weiß, dass ich Abzüge hätte. Kann ich etwas einzahlen um diese auszugleichen?
Diese Abschläge können Sie durch Einzahlungen ausgleichen. Bisher ging das erst ab einem Alter von 55 Jahren. Die Neuregelung: Seit dem 01.Juli 2017 ist ein Ausgleich schon ab 50 Jahren möglich. Erkundigen Sie sich beim Rentenversicherungsträger nach Ihrer individuellen Einzahlungshöhe.

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