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Paderborn/Bielefeld Volksbankenstreit um Namen sorgt für Kopfschütteln

Tauziehen um Namen: Experten halten Urteil des Landgerichts Paderborn für zeitgemäß. Wettbewerber hält an Widerspruch fest

Andrea Frühauf

Paderborn/Bielefeld. Der erbitterte Namensstreit zwischen den Volksbanken Bielefeld-Gütersloh und Paderborn-Höxter-Detmold sorgt mancherorts für Heiterkeit. „Haben die keine anderen Probleme?", fragt der Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim schmunzelnd. Wie berichtet soll nach der Fusion der Volksbank-Paderborn-Höxter-Detmold mit der Volksbank Minden das neue Institut Verbund-Volksbank OWL eG heißen. Der Name sei irreführend, denn er suggeriere, dass es nur eine Volksbank in OWL gebe, kritisiert Thomas Sterthoff, Chef der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Nach Niederlagen vor den Landgerichten Bielefeld und Paderborn hat der Vorstand, der die Namensgebung per Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung stoppen wollte, nun beim OLG Hamm Berufung gegen das Paderborner Urteil eingelegt. Ein Gerichtstermin ist noch nicht anberaumt, da die Frist zur Berufungsbegründung erst Ende Juni ausläuft, wie eine Sprecherin des Oberlandesgerichtes sagt. Burghof indes sieht keinen Grund für den Streit. Bei den Volksbanken gebe es anders als bei Sparkassen keine so strikte Trennung, argumentiert der Volkswirt. Dabei verweist er auf die Gebietskörperschaft als Träger der Sparkassen und ihr auf den Bezirk der Gebietskörperschaft beschränktes Geschäftsgebiet. „Da muss man halt mit leben und nicht so ein Riesentheater machen", lautet sein nüchternes Fazit. Jeder kleinliche Streit schade dem Image. Namensprobleme gebe es auch andernorts. Der Name des Flughafens Frankfurt-Hahn, der für manchen Reisenden überraschend mehr als 100 Kilometer von Frankfurt entfernt liegt, „ist viel dreister". "Firmierung ist nach wie vor irreführend" Auch das Landgericht Paderborn teilt in seiner Urteilsbegründung nicht die Ansicht der Volksbank Bielefeld-Gütersloh: „Die Firma Verbund-Volksbank OWL eG ist nicht irreführend. Sie enthält keine unwahren oder sonstigen zur Täuschung geeigneten Angaben über die fusionierte Antragsgegnerin." Das Institut habe seinen Sitz in OWL. Das Gericht teilt auch nicht die Deutung, dass „der verständige Durchschnittsverbraucher aufgrund der geografischen Regionalbezeichnung OWL als Firmenbestandteil einer Volksbank von einem flächendeckenden Geschäftsstellennetz und einer gewachsenen flächendeckenden Mitgliederstruktur" in der gesamten Region OWL ausgehe. Diese Deutung aus der historischen Entwicklung von Volksbanken herzuleiten, „die geschäftlich dort tätig sind, wo ihre Mitglieder sind", erscheine „verkürzt". „Das Onlinebanking löst diese regionalen Grenzen ohnehin bereits auf", so die weitere Begründung. Immerhin sei festzustellen, dass die Verbund-Volksbank mit 27 Prozent den größten Marktanteil der Gesamtbilanzsumme der insgesamt 19 selbstständigen Volksbanken in OWL halten werde, wohingegen es bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh 19 Prozent seien. Die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, die allein einen Anteil von 25 Prozent habe, besitze mit 56 Zweigstellen auch künftig zahlenmäßig das größte Zweigstellennetz einer Volksbank in OWL. Beim Online-Banking verschwindet die Bedeutung von Filialen Für den Bielefelder Anwalt Ralf Petring ist der Streit zwar grundsätzlich „nachvollziehbar". Aber: „Auch im Wettbewerbsrecht sind die modernen medialen Entwicklungen und die sich dadurch wandelnden Dienstleistungs- und Vermarktungstendenzen zu berücksichtigen. Beim Online-Banking verschwindet die Bedeutung von Filialen." In dem Urteil werde insofern zu Recht von einem aktuell aufgeklärten „Durchschnittsverbraucher" ausgegangen. Doch die Volksbank Bielefeld-Gütersloh bleibt bei ihrem Standpunkt: „Wir halten diese Auffassung des Gerichts für nicht richtig. Unserer Ansicht nach ist die Firmierung nach wie vor irreführend und deren Nutzung wettbewerbswidrig", teilt sie mit. Im Übrigen liege der Marktanteil der Volksbank Paderborn unter 25 Prozent.

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