Ein Mann betankt an einer Erdgas-Tankstelle sein Fahrzeug mit Erdgas. - © picture alliance / dpa
Ein Mann betankt an einer Erdgas-Tankstelle sein Fahrzeug mit Erdgas. | © picture alliance / dpa

Bad Oeynhausen Warum sich die günstige Kraftstoff-Alternative Erdgas nicht richtig durchsetzt

Derzeit gibt es lediglich 23 Erdgastankstellen in Ostwestfalen für 2.121 Fahrzeuge

Teresa Kröger

Bad Oeynhausen. Neben Autogas zählt Erdgas als Kraftstoff zu den gängigsten Alternativantrieben in der Region. Durchsetzen konnte sich der Kraftstoff im Vergleich zum Autogas allerdings nie so richtig, weil die Zahl der Tankstellen immer noch begrenzt ist und der versprochene flächendeckende Ausbau des Tankstellennetzes seit Jahren auf sich warten lässt. Das Bielefelder Internetportal „gas-tankstellen.de", das deutschlandweit als führend gilt, zählt nach Angaben des Betreibers Ralf Neumann derzeit lediglich 23 Erdgastankstellen in Ostwestfalen für 2.121 Fahrzeuge, die mit Erdgas betrieben werden. Autogasfahrer können dagegen an 215 LPG-Zapfsäulen in der Region tanken. Im Gegensatz zum Autogas, bei dem es Nachrüstlösungen für herkömmliche Benzinfahrzeuge gibt, raten Experten davon ab, Fahrzeuge umrüsten zu lassen, denn nur die Werkslösungen namhafter Hersteller wie VW, Ford oder Opel sind speziell auf die heißere Verbrennung im Volllastbetrieb ausgelegt. In den vergangenen Jahren explodierten vier Erdgasfahrzeuge an Tankstellen, was die Betreiber zeitweilig dazu veranlasste, deutschlandweit aus Sicherheitsgründen den Verkauf von Erdgas als Kraftstoff zu stoppen. Mittlerweile ist der Kraftstoff jedoch wieder verfügbar. VW startete eine Rückrufaktion, erntete dafür allerdings viel Kritik, weil der Konzern die Halter älterer Erdgasfahrzeuge nicht vollends erreichen konnte. Sicherheit Das Problem liegt allerdings bei den Erdgasfahrzeugen im Kraftstoff selbst. Erdgas wird an den Tankstellen unter der Bezeichnung CNG geführt, was so viel heißt wie „Compressed Natural Gas". Es wird mit weit mehr als 200 bar in die Erdgastanks des Fahrzeugs gepresst und dort gelagert. Im Vergleich dazu wird Autogas mit 10 bis 15 bar gelagert, was weit unter den Druckwerten haushaltsüblicher Espresso-Maschinen liegt. Tritt Korrosion auf, schwächt diese die Stahltanks und es kommt beim Betanken, wo Druckspitzen von bis zu 250 bar auftreten können, zur Explosion, oder genauer ausgedrückt, zum Bersten des Tanks mit unabsehbaren Folgen. Heutzutage wird wenig umgerüstet. Die meisten der Erdgasfahrzeuge werden serienmäßig ab Werk mit Erdgasantrieben verkauft. Einer der wenigen Umrüster, die noch tätig sind, ist in Vlotho beheimatet und heißt Rüdiger Peltner. „Praktisch könnten wir noch umrüsten, nur wir dürfen es leider nicht mehr." Die Problematik: Alle Neufahrzeuge müssen die Schadstoffklasse Euro 6 erreichen. Mit Erdgas ist das schwer möglich. Denn um nach einer Umrüstung diese Schadstoffklasse zu erreichen, benötigt man ein spezielles Gutachten, dass die Umrüster nicht mehr anbieten können. Die Umrüstung alleine kostet bereits 3.500 Euro und das Gutachten würde noch einmal mit circa 12.000 Euro zu Buche schlagen. Das macht einen ungefähren Wert von 15.500 Euro, von dem man sich schon heute einen Neuwagen ab Werk mit Erdgas leisten kann. Daher lohnt es nicht mehr umzurüsten, und auch Peltner repariert nur noch ältere Erdgasfahrzeuge. Früher habe Peltner sich vor Aufträgen gar nicht retten können und heute: „Es gab einfach die politische Entscheidung für Elektromobilität. Dabei ist der Strom jedoch nur zu einem Drittel sauberer Strom, der Rest aus Atomenergie", berichtet Peltner. Kostenersparnis Aktuell kostet Erdgas pro Kilo ungefähr einen Euro. Außerdem spart man sich die KFZ-Steuer. Damit ist Erdgas 50 Prozent günstiger als Benzin und 30 Prozent preiswerter als Diesel, wenn man den Energiegehalt berücksichtigt. Der Preis für ein Serienfahrzeug mit CNG-Antrieb ab Werk ist vergleichbar mit einem Dieselfahrzeug. „Aktuell gibt es 20 Personenfahrzeuge, die ab Werk mit CNG fahren. Da ist alles dabei, was sich der Otto-Normalverbraucher leisten kann, vom Audi A3 bis hin zum VW Polo" sagte Birgit Wöber von Gibgas. Außerdem darf der Preis an der Tankstelle nicht eins zu eins auf Benzin umgerechnet werden. „Ein Liter Benzin ist nicht gleich ein Kilo Erdgas/CNG, sondern ein Kilo Erdgas/CNG entspricht wegen des unterschiedlichen Energiehalts und der Mengenangaben in etwa 1,4 Liter Benzin." Prognose des Marktes In den vergangenen Jahren verzeichnete der CNG-Markt eine Stagnation. Ein Grund dafür liegt in der Ungewissheit, ob die Steuerbegünstigung verlängert wird oder nicht, und letztlich auch in den teuren Umbaumaßnahmen an Fahrzeugen und Tankstellen sowie dem Leitungsnetz der Gasversorger. Es kann nur durch bestimmte Leitungen Erdgas gepumpt werden, und diese extra anzuschaffen bei einer ungewissen Zukunft des Kraftstoffes Erdgas leuchte vielen Tankstellenbesitzern nicht ein, berichtet ein Sprecher eines namhaften Unternehmens, der außerdem prognostiziert und kritisierte: „Der Markt wird durch die mögliche Verlängerung des Steuervorteils wieder attraktiver. Doch das Erreichen von Umweltzielen, wie CO2-Reduktion oder geringerer Feinstaubbelastung wird leichter erreichbar sein, wenn auch die politische Unterstützung für Erdgas als Kraftstoff allgemein deutlicher ausfallen würde, ähnlich wie bei der E-Mobilität aktuell." Fakt ist: Nach den aktuellen Plänen aus Berlin soll der Steuervorteil für Autogas entfallen, was den Alternativantrieb LPG um knapp 14 Cent verteuern würde, während CNG noch sechs Jahre steuerbegünstigt bleibt. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gefallen.

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