Wirtschaft Burkhard Lemper im Interview: „Viele große Reedereien machen Verlust“

Der Direktor des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik erwartet eine weitere Konsolidierung in der Containerschifffahrt

Andrea Frühauf

Herr Lemper, hat Sie der Verkauf überrascht? Burkhard Lemper: Es gab schon vor Jahren Gerüchte, dass Oetker sich von Hamburg Süd trennen wolle. Die Konsolidierung der Branche ist in vollem Gang. Ist der Verkauf vielleicht auch eine Folge der nicht zustande gekommenen Fusion mit Hapag Lloyd? Lemper: Es ist eine andere Möglichkeit. Dass Hamburg Süd von Maersk übernommen wird, ist nicht verwunderlich. Der Druck in der Containerschifffahrt ist hoch. Das zeigt auch die spektakuläre Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin. Welche Probleme hat die Branche? Lemper: Seit Ende 2008 ist die Marktentwicklung deutlich schlechter als erhofft. Durch viele neue große Schiffe entstanden Kostendruck und Überkapazitäten. Damit sind die Fracht- und Charterraten niedrig. Und kaum eine der großen Reedereien hat damit nachhaltig Gewinn erzielt. Viele große Reedereien machen im Schnitt der vergangenen Jahre Verlust. Das war ein Zuschussgeschäft für die Containerreedereien. Die Branche versucht durch Konsolidierung gegenzusteuern. Maersk verschafft sich nun durch Größe Synergien. Und Oetker gibt ein schwieriges Geschäft ab. Ich glaube, viel Geld hat Oetker damit in letzter Zeit nicht verdient. Hatte Oetker keine Wahl? Lemper: Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass Oetker ein Problem bekommt, wenn ein Unternehmensteil Verluste macht. Dies ist aber sicherlich eine wirtschaftlich begründete Entscheidung. Hamburg Süd ist vielleicht groß genug, um dauerhaft zu überleben. Das heißt aber nicht, dass dass sie dauerhaft Gewinn machen kann. Das ist eine Frage des Durchhaltens. Welche Folgen hat das für die Beschäftigten? Lemper: Maersk hat bisher Zukäufe immer integriert. Ich schätze, dass mit der Übernahme von Hamburg Süd auch Synergien gehoben werden, vor allem im Bereich Verwaltung, Vertrieb und Flottenmanagement. Ihre Prognose für 2017? Lemper: Mit der Auslieferung neuer großer Schiffe wachsen die Kapazitäten weiter um 6 bis 7 Prozent. Rechnet man mögliche Verschrottungen von Schiffen ein, sind es schätzungsweise noch 5,5 Prozent plus. Die Nachfrage wird aber nur um 3 bis 4 Prozent steigen. Vor 20 Jahren war die Transportmenge noch um 10 Prozent gewachsen. Die Entwicklung geht weiter? Lemper: Es ist wahrscheinlich, dass es weitere Versuche geben wird, zu konsolidieren und zu sparen.

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