Viel Herz für die Landwirtschaft: Wilhelm Brüggemeier (v. l.), Hubertus Beringmeier, Hermann Seeker und Herbert Quakernack. - © Wolfgang Rudolf
Viel Herz für die Landwirtschaft: Wilhelm Brüggemeier (v. l.), Hubertus Beringmeier, Hermann Seeker und Herbert Quakernack. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Landwirte in OWL ziehen durchwachsene Jahresbilanz

Ob niedrige Milchpreise, schwache Ernte oder der zurückkehrende Wolf – die Bauern stehen vor vielen Herausforderungen. Doch es herrscht auch Zuversicht

Stefan Boes

Bielefeld. Der schwierige Milchmarkt, die wieder aufgekommene Vogelgrippe, die Rückkehr des Wolfes, der hohe Flächenverbrauch und die wachsende Bedeutung von Tierwohl und Nachhaltigkeit: Es gibt Themen, die das landwirtschaftliche Jahr besonders geprägt haben. Darüber berichtete der Landwirtschaftliche Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld. Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Verbands, richtete den Blick zunächst auf das Feld: Unterdurchschnittliche Erträge bei nicht zufriedenstellenden Preisen lautet die Kurzzusammenfassung. Die Ernteerträge von Gerste, Weizen und Raps seien um zehn bis 20 Prozent geringer als im ertragsstarken Jahr 2015. Vor allem der Weizen habe unter den schlechten Witterungsbedingungen gelitten. Da die Sonne im Juni fehlte, fielen die Getreidekörner kleiner aus. Mais und Kartoffeln litten unter der langen spätsommerlichen Trockenphase. Die Zuckerrüben-Ernte läuft, mit durchschnittlichen Erträgen, aber guten Zuckergehalten. Ganz unzufrieden mit der Ernte zeigen sich die Landwirte nicht. Die Sorgenkinder seien die Milchbauern, sagte Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Die lang anhaltenden extrem niedrigen Preise lassen viele Landwirte um ihre Existenz bangen. Im November sei das Preisniveau wieder um 15 Cent angestiegen. „Die Gründe für die derzeitige Markterholung liegen insbesondere in einer soliden globalen Nachfrage und in der geringeren Milchmenge", sagte Brüggemeier, der auch von einem steigenden Export von Milchprodukten in den asiatischen Raum berichtet. „Wir müssen uns gegen künftige Marktkrisen wappnen", sagte Brüggemeier. Er mahnte notwendige strukturelle Veränderungen im Milchsektor an. "Wir brauchen den Wolf nicht" Ein auch für die Bevölkerung emotionales Thema sprach Hermann Seeker an, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes. „Wir brauchen den Wolf nicht und lehnen die Euphorie mancher Politiker und Naturschützer zur Rückkehr des Wolfes in Nordrhein-Westfalen ab", stellte er klar. Grund dafür seien die Angriffe auf Weideherden. Herbert Quakernack berichtete über die Entwicklungen um die bisher in neun Bundesländern bestätigen Fälle von Vogelgrippe. Bislang gebe es vier bestätigte Fälle in NRW, so der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes. In Ostwestfalen-Lippe muss das Geflügel in allen Kommunen im Stall bleiben. Er beruhigte aber: Man könne die Weihnachtsgans ohne Sorge genießen.

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