Eines der Schiffe aus der Hamburg-Süd-Flotte. - © Hamburg Süd
Eines der Schiffe aus der Hamburg-Süd-Flotte. | © Hamburg Süd

Hamburg/Bielefeld Gerüchte um Oetker-Reederei Hamburg Süd schlagen Wellen

In Hamburg wird spekuliert, dass der Bielefelder Konzern seine Reederei verkaufen könnte / Massiver Stellenabbau wird befürchtet, wenn Weltmarktführer Maersk übernimmt

Martin Krause

Bielefeld/Hamburg. In der Reedereibranche brodelt die Gerüchteküche schon seit Jahren. Hintergrund sind die massiv gefallenen Frachtraten (Transportpreise): Durch ein weltweites Wettrüsten der Reedereien mit immer größeren Schiffen sind große Überkapazitäten entstanden, die die Preise verdorben haben. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd meldete für die ersten neun Monate 2016 einen Verlust von 134 Millionen Euro, und auch Oetkers Reederei Hamburg Süd soll hochdefizitär sein. In Hamburger Medien wird darüber spekuliert, dass der Oetker-Konzern nun Hamburg Süd verkaufen könnte, seine größte Sparte. Es wäre ein dramatischer Einschnitt: 2015 lieferte die Reederei 6,06 Milliarden Euro Umsatz, das waren 49,5 Prozent des Gesamtumsatzes des Bielefelder Konzerns. In der Hamburger Reederei-Szene verdichten sich die Spekulationen derzeit, wie es heißt. Als möglicher Kaufinteressent gilt vor allem die dänische Maersk Line, die zur A. P. Möller Maersk-Group gehört. Die Maersk Line ist die größte Containerschiff-Reederei der Welt. Vor gut zwei Monaten hatte das Unternehmen öffentlich neue Wachstumspläne angekündigt – man sei bereit zu einer Übernahme. Branchenbeobachter hatten dies allerdings zunächst auf einen Einstieg bei der insolventen koreanischen Reederei Hanjin bezogen. Hamburg Süd galt bisher als unverkäuflich. Bis Anfang 2013 wurde die Oetker-Reederei noch selbst als potenzieller Seniorpartner bei einer Fusion mit Hapag-Lloyd genannt, der größten deutschen Reederei. Die drei jüngsten der acht Oetker-Gesellschafter – also Alfred, Carl-Ferdinand und Julia Oetker – sollen das Geschäft damals blockiert haben. Klagen über unfairen Wettbewerb Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung der Frachtraten haben sich seitdem nicht bestätigt, auch wenn die Preise etwa auf den Routen zwischen Asien und Südamerika durch Schiffs-Stilllegungen wieder angezogen haben. Ähnlich wie in der Luftfahrt klagt die Branche über „unfairen Wettbewerb": Vor allem in asiatischen Staaten würden Reedereien als strategisch relevant angesehen und staatlich subventioniert. Ein Ende des harten Preiswettbewerbs sei daher nicht absehbar – die Branchenkonsolidierung durch Pleiten und Fusionen dürfte also weitergehen. Sollten sich die Oetkers tatsächlich von ihrer Reederei trennen, wird ein massiver Arbeitsplatzabbau in Hamburg befürchtet. Maersk zum Beispiel hat erst kürzlich eine eigene neue Verwaltung in Hamburg bezogen. Von den rund 1.100 Stellen der Hamburg Süd allein in Hamburg (weltweit sind es mehr als 6.000) seien bei einer Übernahme „800 bis 900 in Gefahr", vermuten Branchenkenner. Als mögliche Kaufinteressenten werden in Hamburger Zeitungen auch die französische CMA CGM und die chinesische Cosco-Gruppe genannt. Kommentar Weichen bei Oetker werden gestellt Die Oetker-Gruppe steht in diesen Tagen vor schwerwiegenden Entscheidungen. Eine der Fragen, die sich dem siebenköpfigen Konzernbeirat stellen, ist die Zukunft der Reederei Hamburg Süd. Wird das schwierige Geschäft, das den Oetkers angeblich Verluste im dreistelligen Millionenbereich beschert, abgestoßen? Vom Umsatz her würde sich der Bielefelder Konzern damit glatt halbieren – doch zugleich würden Finanzmittel frei, um etwa im Lebensmittelbereich neues Wachstum anzustoßen. Der Beirat mit den Familienvertretern August Oetker, Alfred Oetker und Rudolf Louis Schweizer sowie den externen Mitgliedern Carsten Spohr (Lufthansa), Hans-Otto Schrader (Otto-Gruppe), Christoph von Grolman (TBG) und Andreas Jacobs (Barry Callebaut) muss sich auch mit der künftigen Führung des Konzerns befassen. Übernimmt Finanzchef Albert Christmann die Spitzenfunktion, wenn Richard Oetker sich 2017 aus der Gruppenleitung zurückzieht? Oder bekommen Alfred Oetker oder sein jüngerer Bruder Carl Ferdinand doch grünes Licht von ihren älteren (durchweg nun über 65 Jahre zählenden) Geschwistern für die Führungsrolle im operativen Geschäft? Die Antworten, die die Beiräte finden, sind für die Standorte Bielefeld und Hamburg von einiger Bedeutung. Es müssen Weichen gestellt werden, und es war selten spannender in der Oetker-Welt. Kontakt zum Autor Mehr über den Oetker-Konzern in unserer interaktiven Zeitleiste:

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