Aus Lemgo: Anke Schäferkordt ist Chefin der RTL-Group. - © Oliver Krato
Aus Lemgo: Anke Schäferkordt ist Chefin der RTL-Group. | © Oliver Krato

Bielefeld Anke Schäferkordt: Morgens erst Nachrichten checken, dann duschen

Chefin der RTL-Gruppe beschreibt beim IHK-Treff, wie sich die Branche immer schneller verändert

Stefan Schelp

Bielefeld. Manchmal sind es die westfälischen Eigenschaften, die den Menschen helfen, voranzukommen. „Die Sturheit, die Hartnäckigkeit, das Dranbleiben an einem Thema", zählt Anke Schäferkordt auf. Sie stammt aus Lemgo, hat in Paderborn studiert und ist heute Co-Chefin der RTL-Group, Europas größter Sendergruppe. Beim IHK-Treff in Bielefeld spricht sie darüber, wie die Digitalisierung ihre Branche verändert hat. 25 Jahre sei sie der Gruppe treu geblieben, erzählt sie. „Und ich bin selten auf die Idee gekommen, etwas anderes zu machen." Warum auch – Abwechslung gab es genug. Die Branche hat sich in den vergangenen fünf bis sieben Jahren radikal verändert, und tut es noch immer – mit immer größerer Geschwindigkeit. RTL sei bei dieser Veränderung immer vorne mit dabei, sagt die Managerin. Natürlich, die Gruppe mit sechs Milliarden Euro Umsatz und einem Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro hat 60 eigene Sender. Aber sie ist auch Europas Marktführer bei Online-Videos. 20 Milliarden Aufrufe pro Monat zählt RTL. Angesichts solcher Zahlen hat Schäferkordt diebisch Spaß daran, ein Zitat von Microsoft-Gründer Bill Gates an die Wand zu werfen. 1993 habe der gesagt: „Internet ist nur ein Hype". „Da lag er wohl falsch." Allerdings stand Gates keineswegs allein mit seiner Fehleinschätzung: „Als die Digitalisierung begann, hat niemand geahnt, welche Ausmaße das haben würde." Früher habe RTL riesige Kellerräume gehabt mit gigantischen Mengen von Bändern, auf denen Sendungen archiviert waren. „Heute reicht ein Raum, dort sind 200.000 Stunden Programm digitalisiert." Früher hockten die Familien vor dem Fernseher, um Nachrichten zu verfolgen und sich unterhalten zu lassen. Heute gibt es allein in Deutschland rund 45 Millionen Endgeräte – Handys, Tablets, Smart-TVs. Gerade für jüngere Menschen sei es vollkommen normal, direkt nach dem Aufwachen die Nachrichten auf dem Smartphone anzusehen. „Erst Mails checken, dann duschen", bringt es Schäferkordt auf den Punkt. Weit entfernt ist sie davon, die Mediennutzung junger Menschen zu kritisieren. Diese Nutzung ist ja schließlich das RTL-Geschäftsmodell. Aber auch mit dem Gegenteil, dem Standardsatz derer, die RTL für veraltet halten, kann sie umgehen. „Mein Neffe guckt gar nicht mehr Fernsehen", heißt es dann. „Macht nichts", entgegnet sie. „Soll er uns streamen, auf dem Smartphone gucken. Das ist uns egal."

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