Wieder in Bielefeld: Wealth-Management-Chef Bernd-Christian Balz – im Hintergrund die Stadthalle. - © Barbara Franke
Wieder in Bielefeld: Wealth-Management-Chef Bernd-Christian Balz – im Hintergrund die Stadthalle. | © Barbara Franke

Bielefeld Sprecher der Deutschen Bank zurück in Bielefelder Heimat

Bernd-Christian Balz arbeitet nach drei Jahren in Köln wieder in seiner Heimatstadt

Martin Krause

Bielefeld. An Wochenenden hat man beste Chancen, Bernd-Christian Balz auf einem der Fußballplätze rund um Bielefeld zu begegnen. Bodenständig, unprätentiös – im Sommer gern lässig in Polo-Shirt und Cargo-Shorts. Er liebt es, seinen drei Söhnen beim Kicken zuzusehen. „Und ich spiele auch selbst gern“, sagt der 52-Jährige. Unter der Woche spricht Balz vor allem mit Millionären und Multimillionären über Anlagemöglichkeiten und Renditeaussichten. Er leitet das Wealth Management – die Vermögensverwaltung – in der Bielefelder Hauptfiliale der Deutschen Bank, betreut von hier aus vermögende Privatkunden in ganz Ostwestfalen-Lippe und dem Münsterland. Zusätzlich ist er Sprecher der fünfköpfigen Geschäftsleitung in Bielefeld. GASTSPIEL IN KÖLN Von 2000 bis zum Jahr 2012 hatte Balz in seiner Heimatstadt schon einmal beinahe die gleiche Aufgabe inne. Dann wechselte er Anfang 2013 nach Köln, um Hochvermögende rund um Köln, Bonn und Aachen zu betreuen. Eine berufliche Herausforderung in einer „spannenden Region“, zugleich eine Erfahrung, die seinen „Horizont geöffnet“ habe, wie Balz im Rückblick sagt. Er schwärmt vor allem von der kulturellen Vielfalt, die die rheinische Metropole und ihre Umgebung bieten und zu der seine Bank auch selbst ein wenig beitrage – ein von seinem Haus veranstaltetes nächtliches Chorkonzert im Kölner Dom zum Beispiel sei nachhaltig beeindruckend gewesen. „Und ich habe selten irgendwo so viele Menschen kennengelernt, die von sich sagen: Ich liebe meine Stadt“. Die Rheinländer seien „unglaublich offen und tragen ihr Herz auf der Zunge“. Er sei nett aufgenommen worden und habe ein gutes Team gehabt. RÜCKKEHR 2016 Nach drei Jahren ist Balz trotz guter Erfahrungen in Köln Anfang 2016 wieder zurückgekehrt nach Bielefeld, in die Stadt, in der seine Familie lebt und viele Freunde wohnen. In der er groß geworden ist, das Ratsgymnasium besuchte und eine Banklehre absolvierte, bevor er in den 80er-Jahren zum BWL-Studium nach Münster und Stuttgart ging. Zur Vorbereitung auf die Promotion kam er damals gern zurück in die heimische Uni-Bibliothek: „Bielefeld ist eben Heimat, eine echte Herzensangelegenheit“, sagt Balz. GEWACHSENES NETZWERK Bielefeld habe sich zu einer pulsierenden Großstadt entwickelt. Den entstehenden Hochschulcampus zum Beispiel findet er „großartig“. Balz sieht sich als ein „Botschafter“ Bielefelds – es mache ihm Freude, sich für die Stadt zu engagieren. Geholfen hat er etwa bei der Modernisierung des Sportplatzes an der Königsbrügge im Osten der Stadt. Viele der alten Kunden begrüßten seine Rückkehr: „Schön, dass Sie wieder da sind“, so hieß es. „Ich habe mich gefreut über diese Reaktionen – das gibt einem das Gefühl, man kommt nach Hause.“ Hier in OWL, auch das wird ein Grund für die Rückkehr gewesen sein, kann Balz ein gewachsenes Netzwerk nutzen. VERÄNDERUNGSDRUCK Es liegt auf der Hand, dass die Aufgabe als Sprecher einer Bank-Geschäftsleitung mit regionaler Verantwortung bis ins Sauerland und Münsterland hinein auch Fußangeln birgt. Denn die Deutsche Bank macht schwierige Jahre durch. Wie bei allen anderen Kreditinstituten sorgt zum einen die Digitalisierung für Veränderungsdruck. Erst im Sommer wurde in den Frankfurter Türmen die Schließung von bundesweit 188 der 723 Filialen beschlossen; in OWL sind vier Standorte betroffen. Noch unangenehmer dürfte sich für Manager und Mitarbeiter die anhaltende Skandalserie auswirken – professionelle Geschäftspartner können über die Litanei der juristischen Auseinandersetzungen und die drohenden Strafzahlungen in Milliardenhöhe kaum noch hinwegsehen. Balz erklärt es mit einem Lächeln: „Es ist unbestritten, dass Fehler gemacht wurden – aber Tatsache ist, dass wir daraus lernen.“ Alle Probleme würden thematisiert, „die Kunden besprechen das mit uns“. ARGWOHN IN FRANKFURT Öffentlich kann Balz (der seine Doktorarbeit über ethisch-ökologische Geldanlage geschrieben hat) die Probleme nur flüchtig kommentieren. Dem Gespräch für diesen Beitrag ist ein Konzernsprecher aus der Frankfurter Zentrale zugeschaltet, der unangenehme Fragen humorlos abblockt – auch Nachfragen zu „strategischen“ Themen wie dem künftigen Umgang mit Tochterfirmen wie der Postbank: Diese seien dem Vorstand vorbehalten, mahnt der Sprecher. Die von Argwohn geprägte Öffentlichkeitsarbeit des moralisch angeschlagenen Weltkonzerns, der auch finanziell nicht mehr über alle Zweifel erhaben scheint, zeigt, wie blank die Nerven in Frankfurt liegen. Balz vermittelt diplomatisch: Maßstab für die Arbeit vor Ort sei die Zufriedenheit der Kunden: „Und diese Zufriedenheit ist hoch“. AKTIVPOSTEN Vertraute Gesprächspartner wie Balz sind die Aktivposten jeder Bank. Seine Rückkehr nach Bielefeld könnte in Zeiten hoher personeller Fluktuation also als vertrauensbildende Maßnahme verstanden werden. „Grundlage unseres Geschäfts ist das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit“, weiß Balz. Der Fußballfan spricht immer wieder von der Güte seines Teams, das in Bielefeld und Münster 20 Mitarbeiter umfasst. Für Balz ist es in Bielefeld ein Heimspiel, das er für seine Bank gewinnen will.

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