Erntezeit: Weite Teile des Kreises Gütersloh sind auch heute noch landwirtschaftlich geprägt. Die meisten Bauern erhalten Fördergelder von der Europäischen Union - und dennoch nimmt die Zahl der Landwirte stetig ab. - © Kristine Greßhöner
Erntezeit: Weite Teile des Kreises Gütersloh sind auch heute noch landwirtschaftlich geprägt. Die meisten Bauern erhalten Fördergelder von der Europäischen Union - und dennoch nimmt die Zahl der Landwirte stetig ab. | © Kristine Greßhöner

Gütersloh Wieso Gütersloher Landwirte mehr als zwei Millionen Euro von der EU erhielten

Dicke Finanzspritze aus Brüssel

Michael Schuh

Gütersloh. Mehrere Jahre lang wurden die Namen der Landwirte, die Subventionen von der Europäischen Union erhalten, aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht; mittlerweile müssen diese persönliche Daten von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf der Homepage www.agrar-fischerei-zahlungen.de aber wieder aufgelistet werden - mitsamt der erhaltenen Gelder. Ein Blick auf die Internetseite verdeutlicht, dass die Gütersloher Bauern ein erkleckliches Sümmchen aus Brüssel bekommen: Mit weit über zwei Millionen Euro wurden die Landwirte der Dalkestadt allein im Jahr 2015 unterstützt. Voraussetzung für die Förderung Geld von der EU erhalten in erster Linie Landwirte, aber auch Behörden oder Institutionen für ihre landwirtschaftlichen Projekte. In der Stadt Gütersloh bekamen 166 Empfänger im vergangenen Jahr jeweils mehr als 1.250 Euro aus dem EU-Agrarfonds; insgesamt betrug die Fördersumme somit 2.094.192,49 Euro. Hinzu kommen zahlreiche nicht namentlich erwähnte Kleinempfänger, deren Subventionen unter der magischen 1.250-Euro-Marke liegen. Der Sinn der Subventionen Ziel der Zuschüsse ist die Förderung der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung. Direktzahlungen sollen dabei landwirtschaftlichen Betrieben ein auskömmliches Einkommen sichern, Agrarmarktmaßnahmen eine Art "Sicherheitsnetz" bilden und weitere Fördergelder den ländlichen Raum stärken. Bei allen Maßnahmen spielen Natur-, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz eine wichtige Rolle. Die Höhe der Subventionen berechnet sich nach der Größe des Hofes und orientiert sich an Investitionen und Naturschutzleistungen. Die Höhe der Fördermittel Zwei Gütersloher Landwirte erhielten 2015 jeweils einen sechsstelligen Betrag aus Brüssel; den Großteil der Summe für die Modernisierung ihrer Betriebe: Bei dem einen Bauern waren es insgesamt 288.750,61 Euro, bei dem anderen 127.516,33. Wer zum Beispiel in einen neuen Stall investiert und damit - so die Bundesanstalt - zu einer nachhaltigen, umweltschonenden, tiergerechten und multifunktionalen Landwirtschaft beiträgt, wird unterstützt. Aber auch der Kreis Gütersloh (35.077,03 Euro) oder der Wertkreis (52.544,88 Euro) gehören zu den Empfängern größerer Summen. Im Jahr 2015 erhielt jeder Gütersloher Landwirt durchschnittlich 12.616 Euro - Kleinempfänger ausgenommen. Notwenigkeit der Gelder "Die meisten Landwirte müssen Fördergelder beantragen", sagt Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. "Da kommen sie nicht drumrum." Umgekehrt wäre es ihm lieber: "Wenn wir für unsere Produkte vernünftige Preise erhielten." Gerade Öko-Bauern seien von den Subventionen abhängig: "Für sie wäre ein Überleben ansonsten kaum möglich." Auch die Kleinempfänger, die dieselben Auflagen erfüllen müssen wie die hauptberuflichen Landwirte, seien auf die Fördergelder angewiesen. Denn auch sie müssen nachweisen, dass sie zumindest einen Teil ihres Einkommens in der Landwirtschaft verdienen; ein Hobbygärtner ist von Förderungen somit ausgeschlossen. Kritik an der EU-Politik Regelmäßig wird über Sinn und Unsinn der Subventionen heiß diskutiert. Kritiker reden von einer "künstlichen Wettbewerbsfähigkeit" und führen an, dass viele afrikanische Länder auf billige Importe angewiesen seien, anstatt die heimische Landwirtschaft zu fördern. Andreas Westermeyer sieht das anders: "Die Landwirtschaft ist in Deutschland die Inflationsbremse Nummer eins." Gäbe es keine Fördergelder, würden auch die Preise für andere Produkte steigen. Ihm wäre es allerdings noch lieber, wenn die landwirtschaftlichen Produkte angemessen bezahlt würden: "Milch-, Schweine- und Ferkelpreise sind desolat und liegen teilweise unter denen von vor 20 Jahren. Die Kosten für Produktionsmittel sind aber seither stark gestiegen." Bedrohliche Entwicklung Tatsächlich sind die Lebensmittelpreise in kaum einem europäischen Staat so niedrig wie in Deutschland. Das habe auch auf die Gütersloher Landwirtschaft Auswirkungen, weiß Westermeyer. Gerade Bauern im Nebenerwerb hätten vielfach aufgegeben, weil sie das verdiente Geld sofort wieder in den Betrieb stecken mussten. Und bei der Anzahl hauptberuflicher Landwirte sei ebenfalls ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. "Der Trend hält an."

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