RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Gespräch mit Redakteur Stefan Schelp. - © Patrick Menzel
RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Gespräch mit Redakteur Stefan Schelp. | © Patrick Menzel

Gütersloh RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Interview über die Rolle des Fernsehens

„Hintergründe liefern und eine klare Haltung einnehmen"

Stefan Schelp

Gütersloh/Berlin. Im Interview mit Stefan Schelp spricht Anke Schäferkordt, Chefin der RTL-Gruppe, über die Rolle des Fernsehens, Rekordzahlen, 
Frauen in Führungspositionen und die alte Heimat in Lippe. Frau Schäferkordt, angesichts der Ereignisse in Brüssel stellen sich zunächst ganz andere Fragen als die nach der Bilanz der RTL Group. Wie geht es den RTL-Mitarbeitern in Brüssel? Anke Schäferkordt: Nach meinen ersten Informationen ist keiner unserer Kollegen unmittelbar von den Anschlägen in Brüssel betroffen. Ich hoffe, dass sich an dieser Situation nichts ändert. Fällt es an einem solchen Tag schwer, aufs Podium zu gehen? Schäferkordt: Das gebe ich offen zu. Da fällt es schwer, sich auf die Präsentation der Bilanzzahlen zu konzentrieren. Es läuft mir kalt den Rücken herunter. Welche Rolle kann das Fernsehen in diesen Situationen übernehmen? Schäferkordt: Die Rolle des Journalismus wird sich verändern in den Zeiten, in denen Bilder und Informationen unmittelbar – und oftmals ungeprüft – über die sozialen Netzwerke verbreitet werden. In einem ersten Schritt müssen wir schnell und seriös informieren, die wirklich gesicherten Informationen liefern. Aber noch wichtiger ist es, in einem zweiten Schritt die Nachrichten einzuordnen, Hintergründe zu liefern und eine klare Haltung einzunehmen. Sehen Sie auch an normalen Tagen fern? Schäferkordt: Privat und beruflich schaue ich nach wie vor viel fern, wobei es dabei einen fließenden Übergang gibt. Auch privat kann ich natürlich die berufliche Brille nie ganz ablegen. Sie haben einmal mehr Rekordzahlen abgeliefert. Geht das immer so weiter, quasi automatisch? Schäferkordt: Das wäre schön, dann hätte ich viel mehr Freizeit. Unsere Sender sind kerngesund, zudem profitieren wir von unserem sehr stark wachsenden Digitalgeschäft, das im vergangenen Jahr um 72 Prozent zulegte. Frau Schäferkordt, die Standardfrage: Sie sind die einzige Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens. Ist das komisch? Schäferkordt: Das ist eher traurig. Ich würde es begrüßen, wenn der Frauenanteil in der gesamten deutschen Wirtschaft wesentlich größer wäre. Aber fühle ich mich im Tagesgeschäft einsam? Nein. Frau Schäferkordt, Sie stammen aus Lemgo. Wann sieht man Sie mal in der alten Heimat? Schäferkordt: Ich komme zu Familienfesten, meine Mutter lebt ja weiterhin nahe der alten Heimat. Ich lebe in Köln und habe dort auch beruflich meinen Schwerpunkt. Zudem pendle ich oft nach Luxemburg. Die Strecken durch die Eifel mit ihren vielen Funklöchern sind mir also sehr vertraut. Und manchmal tut es auch einfach gut, keinen Empfang zu haben!

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