Jeden Monat belohnt die Gehaltsabrechnung den Arbeitnehmer für seine Leistung. - © dpa
Jeden Monat belohnt die Gehaltsabrechnung den Arbeitnehmer für seine Leistung. | © dpa

Computer Software berechnet den Arbeitnehmer-Marktwert anhand des Lebenslaufs

Ein Test zeigt die Stärken und Schwächen des neuen Programms

Melanie Wigger

Bielefeld. In weniger als einer Minute seinen Marktwert einschätzen lassen? Das verspricht das Programm „ValueMyCV". Der Service des britischen Jobportals Adzuna startet nun auch in Deutschland. Benötigt wird für die Berechnung ein Lebenslauf, zum Beispiel als Word-Dokument. Arbeitnehmer erhalten mithilfe des Programms eine statistisch errechnete Einschätzung, welches Bruttojahresgehalt sie erwarten könnten. Zur Registrierung verlangt das Portal nur eine E-Mail-Adresse. Wer seine Daten schützen möchte, kann im Zweifel mit einem Fantasienamen tricksen. Nach der Auswertung empfiehlt die Jobsuchmaschine außerdem „passende" Stellenangebote. In einem Testlauf bot Adzuna einem Absolventen in den Fächern Germanistik, Geschichte und Kunst fachfremde Praktika an - etwa in den Bereichen Logistik und Technologie. Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass die gelisteten Unternehmen von ihren Bewerbern Studienfächer wie Wirtschaftsinformatik oder Betriebswirtschaft erwarteten. Und ob diese Praktikumsstellen das errechnete Bruttojahresgehalt von 27.718 € einbringen, bleibt fraglich. Positiv ist jedoch, dass die Ausschreibungen aus der Region des Bewerbers stammen. Praktisch ist ein Blick hinter diese Resultate: Die Lebenslauf-Analyse zeigt, wo Schwächen im Dokument sind. Das fängt mit Verbesserungsvorschlägen für den Dateinamen an. Geprüft wird die Angabe von Standarddaten wie Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Auch die Textlänge, beziehungsweise die Wortanzahl, wird bewertet. Je mehr Berufserfahrungen gesammelt wurden, desto länger darf das Schreiben sein. Die Mehrheit der Berufsanfänger füllen laut der Statistik des Anbieters ihren Lebenslauf bereits mit 300 bis 500 Wörtern. Das Programm wertet dabei aus, ob es sich um „relevante Informationen" handelt. Dabei werden Schlüsselwörter erfasst. Im Testlauf konnte das Programm nur eine Erfahrung aufspüren, nämlich Kenntnisse in Photoshop. Ignoriert wurden dabei Kenntnisse in einem weiteren Bildbearbeitungsprogramm. Was für Adzuna nicht wichtig erscheint, könnte jedoch einem potentiellen Arbeitgeber trotzdem interessieren. Vollkommen ignoriert wurden eine Liste mit Praktika. Schade: Sind es doch gerade die praktischen Erfahrungen, die einen Bewerber vom anderen unterscheiden. Doch wie soll ein virtuelles Programm diese individuellen Erfahrungen berechnen und bewerten?

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