Geschäftsführer Christoph Barre zwischen den Bierkisten. - © Tyler Larkin
Geschäftsführer Christoph Barre zwischen den Bierkisten. | © Tyler Larkin

Wirtschaft Wie es ist als eine Privatbrauerei auf dem konzentrierten Bier-Markt zu bestehen

Interview mit Christoph Barre, Geschäftsführer der Ernst-Barre-Brauerei

Viktoria Bartsch
Christoph Barre führt den Familienbetrieb. - © Tyler Larkin
Christoph Barre führt den Familienbetrieb. | © Tyler Larkin

Lübbecke. Christoph Barre ist Geschäftsführer der Ernst Barre Brauerei in Lübbecke. Barre ist eine Privatbrauerei. Wie diese auf dem konzentrierten Bier-Markt mit starken Konkurrenten bestehen kann, erklärt Christoph Barre im Interview mit Viktoria Bartsch.

Herr Barre, wie kommt es, dass Sie mit Ihrer Privatbrauerei noch existieren?
Christoph Barre: Vielleicht haben wir mehr Durchhaltevermögen als andere bewiesen. Bei uns stand immer ganz oben auf der Prioritätenliste, dass wir nicht verkaufen werden, sondern unsere Privatbrauerei als unabhängiges Unternehmen erhalten wollen. Darüber hinaus war es wahrscheinlich eine gute Fügung, dass in jeder der bisher sechs Generationen ein familiärer Nachfolger zur Verfügung stand. Viele Privatbrauereien sind gerade an dieser Herausforderung gescheitert.

War für Sie immer schon klar, dass Sie die Brauerei übernehmen werden?
Barre: Wir sind mit der Brauerei aufgewachsen, da hat man schon eine enorme emotionale Bindung zu den Mitarbeitern und dem Unternehmen. Als sich die Frage damals bei uns stellte, war es für mich selbstverständlich, dass ich die Aufgabe übernehmen werde.

Sie sind fest im Wiehengebirge verankert. Welche Rolle spielt der Bezug zur Region?
Barre: Unsere Heimatregion ist unsere Lebensversicherung. Unser Kernabsatzgeschäft verläuft etwa in einem Radius von 60 Kilometern um unsere Brauerei in Lübbecke herum. In diesem Gebiet verfügen wir über einen erheblichen Marktanteil, denn zum einem ist dort die Nachfrage vergleichbar groß, zum anderen spürt man hier auch eine besondere Verbundenheit der Menschen zu ihrer Heimatbrauerei. Der Biermarkt hat sich in den letzten Jahren sehr konzentriert, es zeigt sich, je globalisierter der Markt, desto stärker das Interesse an kleinere Privatbrauereien. Authentische Marken sind gefragter denn je zuvor.

Das Jahr 2015 liegt hinter uns, wie ist Ihre Bilanz?
Barre: Wir haben uns auf Branchenniveau entwickelt. Wir sind seit 2013 auch im Export aktiv, in Taiwan und China. Letztes Jahr kam noch Italien dazu. Früher gab es bereits vereinzelte Exportprojekte, seit 2013 sind wir nun quasi richtig dabei und der Umsatz in diesem Segment hat sich 2015 spürbar gesteigert.

Warum gerade der asiatische Markt?
Barre: Die Nachfrage an deutschen Produkten ist dort enorm, sie gelten als Statussymbol. Das trifft insbesondere auf deutsche Biermarken zu – je authentischer diese sind, desto beliebter sind sie. Das zählt natürlich auch für Barre.

Wo geht der Trend hin? Sind Biermischgetränke immer noch angesagt?
Barre: Der Trend geht klar zu alkoholfreien und alkoholreduzierten Getränken. Dieser Bereich wächst spürbar, obwohl er auch ein gutes Stück wetterabhängig ist. Es zeigt sich auch, dass die Nachfrage nach Klassikern mit Zitrone, sprich Alster beziehungsweise Radler, vergangenes Jahr wieder zugenommen hat. Mit dem Neuprodukt Barre Natur-Alster haben wir in diesem Segment für eine Innovation gesorgt, die zu einem großen Erfolg wurde. Auf der Messe Internorga in Hamburg präsentieren wir unser Barre Natur-Alster in der alkoholfreien Variante.

Die Barre Brauerei ist auch auf der Internorga in Hamburg vertreten. So eine Messestand ist nicht ganz preisgünstig – viele Unternehmen verzichten deswegen auf einen Messeauftritt.
Barre: Die Barre Brauerei war bereits auf der ersten Internorga im Jahr 1921 als Aussteller vertreten. Früher, als die Branche noch von starken Privatbrauereien geprägt wurde, waren viele von diesen in Hamburg dabei. Heute sind der größte Teil dieser ehemals stolzen Brauereien nicht mehr existent, da fällt man als Privatbrauerei schon auf. Kundenkontakt ist uns grundsätzlich sehr wichtig und dafür bietet so eine Messe natürlich die beste Möglichkeit.


Was sind Ihre nächsten Pläne?

Barre: Wir sind gut ins Jahr 2016 gestartet. Nächstes Jahr feiern wir unser 175-jähriges Jubiläum, bis dahin haben wir jede Menge zu tun. Natürlich schaut man zu so einem Anlass auch gerne mal zurück, aber natürlich machen wir uns auch Gedanken darüber, was künftig kommen soll. Fest steht, dass wir weiterhin innovativ bleiben werden, gleichzeitig aber auch an bewährten Traditionen festhalten werden. Dazu gehören zum Beispiel die eigenen Bierkutscher und Brauereipferde, welche nach wie vor auf unserem Gelände beheimatet sind.

Information

Internorga

Seit 1921 findet die Internorga, Messe für Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Bäckereien und Konditoreien statt. Dieses Jahr präsentieren vom 11. bis zum 16. März, rund 1.300 Aussteller aus dem In- und Ausland auf dem Messegelände Hamburg Neuheiten und Trends für den Außer-Haus-Markt. Die Ausstellerpräsentationen werden durch ein Rahmenprogramm, international besetzte Kongresse, Award-Verleihungen und innovative Sideevent-Konzepte ergänzt. Die Messe richtet sich an Fachbesucher.

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