Fallen mehr ins Gewicht: Die Top-Familienunternehmen bringen höhere Abgaben auf ihre Gewinne auf die Waage als Dax-Konzerne. - © usage worldwide
Fallen mehr ins Gewicht: Die Top-Familienunternehmen bringen höhere Abgaben auf ihre Gewinne auf die Waage als Dax-Konzerne. | © usage worldwide

Wirtschaft Große Familienunternehmen zahlen durchschnittlich höhere Ertragsteuern als Dax-Konzerne

Studie zu ungleicher Steuerlast

Andrea Frühauf

München. Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie beschäftigen mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft. Laut einer neuen Studie sind sie aber auch „die tragende Säule zur Finanzierung des Staatswesens", wie Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sagt. Im Auftrag der Stiftung hat das Ifo-Institut erstmals die steuerliche Belastung der 500 größten Familienunternehmen untersucht und mit 27 nicht-familienkontrollierten Dax-Konzernen verglichen. Betrachtet wurde dafür das Ertragsteueraufkommen in den Jahren 2009 bis 2013. Auf Basis der verfügbaren aktuellsten Statistiken und Mikrodaten sowie Befragungen beträgt das Ertragsteueraufkommen der Top-Familienunternehmen (mit den meisten Beschäftigten) demnach geschätzt im Schnitt 15,62 Milliarden Euro pro Jahr. Davon entfallen geschätzt 10,81 Milliarden Euro auf das Inland. Bei den Dax-Konzernen fällt das inländische Aufkommen mit rund 11,16 Milliarden Euro (von insgesamt 26,4 Milliarden Euro) in etwa gleich groß aus. Dagegen weisen die Familienunternehmen laut Studie aber „deutlich höhere Steuerquoten" auf als die untersuchten Dax-Konzerne. Für den Vergleich der Steuerbelastung wurden implizite Steuersätze berechnet (Anteil der Steuerzahlung am Gewinn vor Steuern). Danach haben die untersuchten Familienunternehmen im Schnitt 28 Prozent Steuern auf ihren Gewinn abgeführt (Körperschaft-, Gewerbe-, Kapitalertragsteuer). Bei den Dax-Konzernen waren dies 25 Prozent. Werden auch die Einkommensteuer der Gesellschafter von Personengesellschaften und die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen der Kapitalgesellschaften berücksichtigt, ist der Unterschied noch größer. Der (geschätzte) implizite Steuersatz der Familienunternehmen beträgt demnach 40 Prozent. Bei den Dax-Konzernen und ihren Gesellschaftern sind es 33 Prozent. Vielfältige Gründe Dies zeige deutlich, dass große Familienunternehmen „relativ mehr zum Ertragsteuer-Aufkommen beitragen als Dax-Konzerne, die nicht im Familienbesitz sind", schlussfolgert Kirchdörfer. Über die Gründe sagt die Studie nichts. Sie können laut Kirchdörfer vielfältig sein: „Es kann am Umfang des internationalen Geschäfts, an der geringeren Bereitschaft, komplizierte Firmenstrukturen zuzulassen oder an der besonderen Verantwortung gegenüber dem eigenen Standort liegen." Aber auch die wohl bei Familienunternehmen „weniger ausgeprägte Bereitschaft, betriebswirtschaftlich nicht geforderte Gestaltungen allein aus steuerlichen Gründen zu machen, dürfte eine Rolle spielen". „Steuerplanerische Aktivitäten und Ertragsteuerzahlungen von Tochterunternehmen im Ausland sind eine mögliche Erklärung, warum die durchschnittlichen impliziten Steuersätze der 27 Dax-Konzerne geringer sind", sagt dazu Markus Reischmann vom Ifo-Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie. Auch die Aufteilung des absoluten Aufkommens an Ertragsteuern nach In- und Ausland fällt bei beiden Gruppen unterschiedlich aus. Reischmann: „In unserem Basisszenario fallen bei den untersuchten Familienunternehmen rund 69 Prozent der Ertragsteuern in Deutschland an, bei den 27 Dax-Konzernen rund 42 Prozent." Thiess Büttner, Mitautor der Studie und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, wertet bereits eine Differenz von drei Prozentpunkten zwischen der Belastung der Top-Familienunternehmen und der 27 Dax-Konzerne als „eine relevante Größe", die sich auf unternehmerische Entscheidungen auswirken könne. Niklas Potrafke, Leiter des Ifo-Zentrums, betont: „Bei den von uns vorgelegten Zahlen zum Steuerbeitrag der Familienunternehmen handelt es sich um eine Schätzung an der Untergrenze, da nur die Ertragsteuern betrachtet wurden."

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