Carsharing-Fahrzeuge am Straßenrand. - © dpa
Carsharing-Fahrzeuge am Straßenrand. | © dpa

Bielefeld/Berlin Auto teilen statt kaufen: Carsharing wächst rasant

Teilzeitautos: Fast 1,3 Millionen Kunden bis Ende 2015 – Bundesverband ist mit der Entwicklung zufrieden. Angebote gibt es in immer mehr Kommunen

Wolfgang Mulke
Andrea Frühauf

Bielefeld/Berlin. Immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto und teilen sich ein Fahrzeug mit anderen Nutzern. Die Zahl der Carsharing-Kunden ist bis Jahresbeginn weiter auf fast 1,3 Millionen Autofahrer gestiegen. Das sind 220.000 oder gut ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. „Wir sind sehr zufrieden“, heißt es beim Bundesverband Carsharing. „Der Zuwachs ist etwas gedämpfter als in den Vorjahren, aber zweistellig.“ Das Geschäftsmodell findet auch in kleineren Städten Nutzer. Laut dem Verband sind Fahrzeuge in 537 Städten und Gemeinden verfügbar – das sind 47 Orte mehr als 2015. Auch die City Mobil CarSharing GmbH, die vor 19 Jahren in Bielefeld gegründet wurde, ist stark gewachsen. „1997 hatten wir drei Autos und 40 Kunden“, sagt Geschäftsführer und Mitgesellschafter Andreas Schwan. Seit 2001 nutzt die Firma die Marke Cambio, blieb aber eigenständig. „Unser Wachstum ist langsam und stetig“, konstatiert Schwan. „Heute haben wir 92 Autos an 32 Stationen in der Stadt und 3.535 Kunden.“ Das sind immerhin 300 Kunden (gut 9 Prozent) und sechs Autos mehr als vor einem Jahr. Nur jeder vierte Carsharing-Nutzer bundesweit ist weiblich. Der Verband führt dies auf männliche Vorlieben für Autos und Smartphones zurück. In der Mehrzahl sind zudem Akademiker. Mehr als zwei Drittel der Nutzer haben einen Hochschulabschluss und ein Einkommen von mehr als 2.500 Euro, wie aus einer Studie von Drive Now, einem der größten Anbieter, hinter dem BMW steht, hervorgeht. „Die Auto-Kurzzeitmiete funktioniert“, stellte die Stiftung Warentest 2015 fest. Die Verbraucherschützer prüften elf Anbieter in 15 Städten. Neun Firmen erhielten die Note gut, zwei schnitten befriedigend ab. Doch billig ist das Autoteilen nicht. Es gibt verschiedene Tarifmodelle. Häufig wird ein Aufnahmebeitrag verlangt. 2015 lagen die Kosten dafür zwischen 0 und 50 Euro. Der günstigste Kleinwagen kostet laut Stiftung Warentest für ein Wochenende 100 bis 250 Euro. Pro Stunde im Stadtverkehr mit einer Fahrleistung von zehn Kilometern kassieren die Firmen zwischen 1,99 Euro und 16,80 Euro. Auch müssen die Nutzer eine Selbstbeteiligung aufbringen, wenn sie einen Unfall verschulden. Dies kann bis zu 1.500 Euro kosten. Die Branche bedient gerade ein Prozent des Autoverkehrs. Der Chef des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, sieht im Teilzeitauto keine Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr, sondern eine gute Ergänzung.

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