Brinkmänner und Söhne: Klaus (v. l.) und Julius Brinkmann neben Markus und Wolfgang Brinkmann. Sie führen Bugatti zu viert. - © Franz Bischof
Brinkmänner und Söhne: Klaus (v. l.) und Julius Brinkmann neben Markus und Wolfgang Brinkmann. Sie führen Bugatti zu viert. | © Franz Bischof

Herford Modeunternehmen Bugatti trotzt Branchenproblemen des Jahres 2015

Umsatz wuchs leicht

Martin Krause

Herford. Deutsche Modehersteller mussten sich 2015 warm anziehen, um die Branchenstürme zu überstehen. Russlandkrise, Wetterkapriolen und Währungsturbulenzen zwangen Konzerne zu Gewinnwarnungen und machten auch vor Familienunternehmen nicht halt. Immerhin, die Bugatti-Holding Brinkmann blieb stabil auf Kurs: Das Herforder Markenunternehmen steigerte seinen Umsatz um 1 Prozent auf 222 Millionen Euro (Vorjahr 220) und behielt einen zufriedenstellenden Gewinn in der Kasse. Zur Pressekonferenz hatten erstmals vier statt zwei geschäftsführende Gesellschafter in die Bugatti-Zentrale eingeladen: Die Brüder Wolfgang (65) und Klaus (63) Brinkmann haben mit Markus (35, Sohn von Wolfgang) und Julius (32, Sohn von Klaus) Ende 2015 die dritte Generation in die Geschäftsführung berufen. Nach dem BWL-Studium sind beide 2009 als Trainees in die Firmengruppe eingestiegen, seit 2012 sind sie wie ihre Geschwister Gesellschafter. Nun teilen sich beide mit ihren Vätern die Arbeit in deren Verantwortungsbereichen: Wolfgang und Markus managen Produktion, Finanzen, Personal und Logistik, Julius und Klaus kümmern sich um Marketing, Vertrieb und Kollektion. Klaus Brinkmann sprach von einer „glücklichen Fügung", dass der Übergang in die nächste Familiengeneration nun so harmonisch verläuft – und erinnerte daran, dass auch er und sein Bruder 1986 vom Vater gleichzeitig in die Führung geholt wurden. Erfolgreiche Nischenanbieter: Pikeur und Wilvorst Gefragt nach dem Rezept für die robuste Entwicklung des Unternehmens verwiesen die Brinkmänner auf ihre Mehrmarkenstrategie: Die Gruppe (bundesweit 948 Mitarbeiter) sei so breit aufgestellt, dass zwar keine riesigen Umsatzsprünge zu erwarten sind – aber eben auch keine Einbrüche.Neben der Kernmarke Bugatti und der hochwertigen Edelmarke Eduard Dressler gehören mit Wilvorst (festliche Herrenbekleidung) und Corpus Line (Maßfertigung) sowie Pikeur (Reitbekleidung) und Eskadron (Reitausrüstung) auch Nischenanbieter zur Gruppe. Wilvorst etwa sei deutscher Marktführer bei Gesellschaftskleidung, so Wolfgang Brinkmann. In einem vollstufigen Betrieb – einem der wenigen, die hierzulande verblieben sind – fertige die Tochter mit 200 Mitarbeitern in Northeim 200 Anzüge täglich. 2016 feiere Wilvorst 100-jähriges Bestehen.Die vor 25 Jahren übernommene Reitmodentochter Pikeur habe den Umsatz stetig gesteigert und sei mit mehr als 50 Prozent Exportquote Weltmarktführer, so Markus Brinkmann. Für Reithosen und -sakkos gebe es eine eigene Produktion in Herford und Uchte, 2015 sei das erfolgreichste Jahr der Firmenhistorie gewesen. Ziel sei es, nun auch in Asien zu expandieren. Expansion im Einzelhandel Zunehmend international orientiert sich auch die Marke Bugatti. Vor allem die USA und Arabien stehen im Fokus, erklärte Julius Brinkmann. Auf der Agenda ist zudem der Ausbau der Einzelhandelspräsenz. So seien in Deutschland, Italien und Katar 6 neue eigene Stores geplant (bisher 21), außerdem ein neues Outlet (bisher 6) und 38 neue Shops (530).Bugatti habe wegen der milden Temperaturen zwar Einbußen mit Mänteln und Jacken erlitten, dies aber durch Zuwächse mit Strickwaren, Hemden und Hosen ausgeglichen. Ihre Laune lassen sich die Herforder durch leichten Gegenwind sowieso nicht verderben. Es gibt immer auch Erfolgserlebnisse: So habe Hollywood-Star Hugh Jackman („Wolverine") sich jüngst im Berliner KaDeWe die teuerste Mode vorführen lassen und dann ein Produkt der Marke Dressler gewählt: „Das sind die kleinen Dinge, die Spaß machen . . ."

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