Düsseldorf Betreiber von Spielhallen sorgen sich ums Automaten-Geschäft

Glücksspielstaatsvertrag: Kritik am Ausführungsgesetz des Landes. Die Spielhallenbetreiber fühlen sich von der Politik falsch verstanden

Florian Pfitzner

Düsseldorf. Sie sehen sich als "Garanten für ein sicheres Spiel", rühmen sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Kunden. Jetzt haben die Mitglieder des Deutschen Automaten-Verbands (DAV) Regelungen kritisiert, die neben ihrem Geschäft angeblich den Schutz ihrer Kunden bedroht. Unter den Spielhallenbetreibern in NRW wachsen die Bedenken, weil ihnen die landesweit geltende Ausführung zum Glücksspielstaatsvertrag möglicherweise die Geschäftsgrundlage entzieht. Blieben die Vorgaben so, wie es das Gesetz vorsieht, sähen sich in zwei Jahren vier von fünf Betrieben zu Schließungen gezwungen, heißt es vom Branchenverband. "Dieser radikale Kahlschlag wird das Gegenteil von dem bewirken, was der Gesetzgeber als Regulierungsziel im Auge hat", sagte Burkhard Revers vom DAV-Vorstand. Viele Fachleute schreiben dem gewerblichen Automatenspiel hohes Suchtpotenzial zu. Erstmals bietet der Entwurf des Glücksspielstaatsvertrags nun den Bundesländern die Möglichkeit, die Risiken einzugrenzen. NRW macht davon Gebrauch. Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sieht durch eine Verringerung des Glücksspielangebots "durchaus die Chance, die Spielsucht insgesamt zu reduzieren". 22.000 Arbeitsplätze seien in Gefahr Die Betreiber fühlen sich jedoch falsch verstanden. Bei einem Termin in Düsseldorf, bei dem sie noch einmal eindringlich für ihre Interessen warben, sprachen sie von ihrer "sozialpolitischen Verantwortung". Längst hätten sie vorbeugende Konzepte und das Personal geschult, versicherte Revers: "Wir können unser Konzept nicht auf kranken Spielern aufbauen." 22.000 Arbeitsplätze sieht der DAV wegen des Gesetzes in Gefahr. In Ostwestfalen-Lippe stünden viele Hallen auf der Kippe. So blieben, vor allem wegen des Verbots von Mehrfachkonzessionen, von 26 Betrieben in Bielefeld nur 7 übrig; von 19 in Herford hätten nur 2 eine Zukunft. Mehrfachkonzessionen sind üblich, da jede Zulassung nur zwölf Spielgeräte erlaubt. "Natürlich bangen meine Mitarbeiter um ihre Arbeits- und Ausbildungsplätze", sagte Franz Einhaus vom DAV. Ministerin Steffens zeigt sich wenig beeindruckt. Sie wirbt für weitere Regulierungen. So fehle in NRW "ein wirksames Spielersperrsystem", erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Viele Beispiele belegten, dass Spielsüchtige trotz Sperre in staatlich konzessionierten Spielbanken regelmäßig die Angebote des gewerblichen Automatenspiels nutzten. Schutz der Bürger habe Vorrang Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht sieht in einem Sperrsystem für Spielhallen ein wirksames Mittel. Ende 2015 hätten sich in Hessen, wo die Vorschrift seit zwei Jahren gilt, 11.600 Menschen für den Spielhallenbesuch sperren lassen. Es habe "niemand mit einer so hohen Akzeptanz gerechnet", sagt Füchtenschnieder. Die Umsatzeinbußen beziffert sie auf "gut 25 Prozent". Steffens ließ erklären, sie sei sich "durchaus bewusst", dass sich "negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Branche nicht gänzlich ausschließen" ließen. Der Schutz der Bürger "vor den Gefahren der Glücksspielsucht" habe jedoch Vorrang.

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