Beim Export erwartet die ostwestfälische Industrie noch weitere Zuwächse. - © picture alliance / dpa
Beim Export erwartet die ostwestfälische Industrie noch weitere Zuwächse. | © picture alliance / dpa

Wirtschaft Ostwestfalens Wirtschaft macht Rekordumsatz im Export

Für das Jahr 2016 weiteres Wachstum erwartet

Andrea Frühauf

Bielefeld. Nach einem Rekordjahr 2015 ist die Industrie in Ostwestfalen trotz weltweiter Krisen guter Stimmung und erwartet auch im Export weiter wachsende Umsätze. „Die Konjunktur brummt. Die Auftragsbücher sind voll", sagte IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven bei der Vorstellung der Frühjahrskonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen. „Die Risiken werden zwar deutlich höher als zuvor bewertet, das schlägt sich aber nicht auf die Einschätzung zur Lage und zur näheren Zukunft nieder", konstatierte Meier-Scheuven. Der Konjunkurklimaindikator, der die Einschätzung der aktuellen Lage und die Zukunftserwartungen berücksichtigt, verbesserte sich für die Industrie auf 127 (Herbst: 117) Punkte. Für die gesamte ostwestfälische Wirtschaft (inklusive Handel, Dienstleistungen) stieg dieser Index sogar von 118 auf 130 Punkte. „Angesichts der weltweiten Unruheherde und Negativmeldungen sind das für mich überraschend sehr gute Werte", so der IHK-Präsident. Fast jedes zweite Industrieunternehmen (45 Prozent, Herbst: 37 Prozent) bewertet seine derzeitige Geschäftslage mit „gut", nur 8 (Herbst: 11) Prozent als „schlecht". Schlechtere Geschäfte erwarten in diesem Jahr nur 11 (Herbst: 15) Prozent. Jedes fünfte Unternehmen plant Beschäftigungsaufbau Von einer Verbesserung gehen jetzt 29 (Herbst: 23) Prozent aus. Trotz aller Risiken (wirtschaftliche Probleme in China und Russland, EU-Krise, Bürgerkrieg in Syrien) erwartet die Mehrheit der Industrieunternehmen (62 Prozent) 2016 steigende Auslandsumsätze. Im Herbst sagten dies erst 56 Prozent. Mit wachsenden Inlandsumsätzen rechnen 48 (Frühjahr: 44) Prozent. Fast jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) plant demnach einen Beschäftigungsaufbau. Meier-Scheuven räumte allerdings ein: „Vielleicht sind wir schon an einem Wendepunkt angelangt. Zurzeit können wir aber noch Entwarnung geben." Der IHK-Präsident warnte vor Grenzschließungen in Europa. „Dies erhöht Produktionszeiten und Lagerkosten." Die robuste Wirtschaftslage in Ostwestfalen begründete er mit dem guten Branchenmix. So erwirtschaftete die ostwestfälische Industrie 2015 einen Rekordumsatz von 40,3 Milliarden Euro (plus 1,9 Prozent), während es in NRW, wo Chemieindustrie, Metallerzeugung und Maschinenbau die Schwergewichte sind, ein Umsatzminus von 1,6 Prozent gab. Der Auslandsumsatz der ostwestfälischen Industrie wuchs um 3,1 Prozent auf den Rekordwert von 14,8 Milliarden Euro (Inland: plus 1,3 Prozent). „Die USA haben Frankreich nach 65 Jahren als Exportmarkt Nummer eins abgelöst", so Meier-Scheuven. "Oft totgesagte Industrie ist sehr lebendig" Der schwache Euro beflügelte auch die Umsätze in Großbritannien. Auch in Spanien und Italien verbesserte sich das Exportgeschäft. Die Internationalisierung schreite weiter voran. „Seit 2009 stiegen die Auslandsumsätze um 36,8 Prozent, die Inlandsumsätze um 14,2 Prozent", bilanzierte der IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Die Beschäftigtenzahl wuchs 2015 um 1,1 Prozent auf 150.937. Die „oft totgesagte Industrie" sei angesichts dieser Entwicklung sehr lebendig. Vor allem die ostwestfälische Elektrotechnik bleibt optimistisch. Sie war 2015 mit 8,1 Prozent Umsatzplus auf 4 Milliarden Euro der Wachstumstreiber (Inland: plus 7,8 Prozent, Ausland: plus 8,3 Prozent) in Ostwestfalen. Seit 2010 erzielte die Branche ein Umsatzplus von 28,8 Prozent. Dagegen steigerte der vom abflauenden Russlandgeschäft betroffene Maschinenbau den Umsatz nur um 1,3 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Dennoch erwarten hier 42,1 (Vorjahr: 30) Prozent Wachstum. Den größten Umsatzeinbruch im Ausland verbuchte die Bekleidungsindustrie (minus 38,3 Prozent, Gesamtumsatz: minus 7,1 Prozent auf 849 Mio. Euro), die stark vom Russlandgeschäft abhängig ist.

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