Absolut staub- und keimfrei: Die Produkte der Medizintechnik werden unter Reinraum-Bedingungen gefertigt. - © Balda
Absolut staub- und keimfrei: Die Produkte der Medizintechnik werden unter Reinraum-Bedingungen gefertigt. | © Balda

Bad Oeynhausen Balda soll nach Übernahme wieder wachsen

Der Verkauf an Stevanato soll schnell umgesetzt werden / Thomas van Aubel erwägt Beteiligungen der Clere AG im Bereich Umwelt und Energie

Andrea Frühauf

Bad Oeynhausen. Jetzt lässt der Balda-Großaktionär und Aufsichtsratschef Thomas van Aubel die Katze aus dem Sack. Nachdem die Aktionäre dem geplanten Verkauf des operativen Geschäftes der Balda AG in Bad Oeynhausen an die italienische Stevanato-Gruppe für 95 Millionen Euro zugestimmt haben, werden im neuen Halbjahresbericht die Ziele für die künftige Clere AG veröffentlicht. Und das klingt anders, als van Aubel den Aktionären angekündigt hat. Für das neue Geschäftsmodell werden demnach renditestarke, langfristige Investitionen gesucht. „In Betracht kommen Umwelt- und Energielösungen oder der Aufbau eines gewinnbringenden Portfolios an mittelständischen Beteiligungen", teilte Balda offiziell mit. Bei der Hauptversammlung hatte van Aubel erstere Ziele, die Kritiker dem einstigen Mitbegründer des Solarherstellers Q Cells stets unterstellt hatten, mit keiner Silbe erwähnt, sondern vor allem von Mittelstandsbeteiligungen und -finanzierungen gesprochen. Wer die Clere AG als Vorstand leiten soll, ließ der Berliner Anwalt, der Oliver Oechsle als Alleinvorstand bei Balda eingesetzt hatte, offen. Oechsles Vertrag bei Balda läuft offiziell bis Ende Oktober. Der Verkauf des operativen Geschäftes des Kunststoffteileherstellers solle nun „schnellstmöglich umgesetzt werden", teilte Balda mit. Allerdings prüfen derzeit einige Aktionäre Anfechtungsklagen gegen Balda. Ein Verkauf beim Internetauktionshaus Ebay laufe geordneter ab, als dies bei Balda geschehen sei, kritisierte Karl-Walter Freitag, der nach eigenen Angaben für ihm „juristisch nahestehende Personen" fast 100.000 Balda-Aktien hält. Es sei unglaublich, dass während einer Hauptversammlung zweimal Briefumschläge mit neuen Kaufangeboten gereicht wurden und die Tagesordnung geändert werden musste. Ein 91-jähriger Kleinanleger wunderte sich: „Man muss hier nur sitzen und die Millionen fließen." Gerhard Holdijk, der von 1998 bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Balda AG war, äußerte sich erleichtert, dass mit dem Verkauf „wieder operatives Leben einzieht". Was die Italiener konkret planen, ist bisher unklar. „Der Fokus liegt auf Wachstum", so ein Balda-Sprecher vage. Im ersten Halbjahr 2015/16 (Ende 31. Dezember) hat Balda den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 40,4 auf 43, 7 Millionen Euro erhöht. Das operative Ergebnis (Ebit) sank wegen „Sondereffekten" von minus 1,9 Millionen auf minus 2,6 Millionen Euro. Grund seien Kosten im Zusammenhang mit dem Verkauf, der ordentlichen Hauptversammlung und Rechtsstreitigkeiten. Das Konzernergebnis fiel auf minus 2,2 Millionen Euro (Vorjahr: plus 1,9 Millionen Euro). Das Eigenkapital schmolz nach der Dividendenzahlung auf 167,4 Millionen Euro (Juni 2015: 234,1 Millionen Euro). Zum Bilanzstichtag betrugen die Finanzmittel 120 Millionen Euro.

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