Erste Ausbeute: Stolz zeigt Andreas Kleinselbeck ein paar Exemplare seiner White-Tiger-Garnelen im Kescher. - © dpa
Erste Ausbeute: Stolz zeigt Andreas Kleinselbeck ein paar Exemplare seiner White-Tiger-Garnelen im Kescher. | © dpa

Grevesmühlen/Lippstadt Ein Unternehmer aus Lippstadt züchtet pazifische Garnelen - an der Ostsee

Seit einem halben Jahr verkauft Andreas Kleinselbeck Krustentiere aus heimischer Züchtung - und das ist kompliziert

Viktoria Bartsch

Grevesmühlen/Lippstadt. Er sei schon immer ein echter Krustentierliebhaber gewesen, sagt Andreas Kleinselbeck, Inhaber und Geschäftsführer der Garnelenfarm „Cristalle Garnelen" in Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern. Im August 2015 hat er sein erstes Kilogramm der Garnelenart „White Tiger" verkauft. Nur einige Monate später stehen mehr als 1.000 Kundennamen in seiner Kartei. „Mit einer so großen Nachfrage hätte ich niemals gerechnet. Einige haben bereits mehrmals bestellt." Der 51-Jährige ist in Lippstadt aufgewachsen und hat dort sein Abitur gemacht. Zum Studium zog er nach Berlin und machte sich im Bereich erneuerbare Energien selbstständig. Zehn Jahre hat er in der Branche gearbeitet, bevor er sich entschied, eine Garnelenfarm aufzubauen. „In meinem Job habe ich damals auch nach Wärmeabnehmern gesucht", sagt Kleinselbeck. „Eine Garnelenfarm benötigt das ganze Jahr über Wärme. So bin ich auf das Thema gekommen." Bitte schön warm Um einen Einblick zu gewinnen, besuchte Kleinselbeck verschiedene Garnelenfarmen und suchte nach einem passenden Anlagenbauer. 2012 wurde er fündig – die Pläne wurden gemacht, ein Businessplan erstellt. Zwei Jahre später war die Garnelenfarm fertig. Auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern befinden sich heute vier doppelstöckige Wasserbecken, je 60 Zentimeter tief, plus ein Raum für die biologische Filteranlage. Kostenpunkt: Rund 1,8 Millionen Euro. Die „White Tiger" Garnelen stammen aus dem pazifisch-mittelamerikanischen Raum, brauchen viel Bewegungsfreiheit und mögen es warm. „Wir haben immer eine Wassertemperatur von 28 Grad. Das haben sie am liebsten", sagt Kleinselbeck. Die „White Tiger" zählen zu den größten Garnelen, die man züchten kann. Die Larven bezieht der Geschäftsmann aus den USA. Allerdings soll das nicht mehr lange so sein. „Wir planen, demnächst eigene Muttertiere zu halten." Immer im Dienst Nach einem halben Jahr und mit einem Gewicht von 25 bis 30 Gramm sind die Garnelen erntereif. Etwa eine Million der Tiere schwimmen in den Becken – die rund 400.000 Liter Salzwasser werden alle zwei Stunden gefiltert. „Wir haben so gut wie kein Wasserverbrauch, nur das, was verdunstet, geht verloren." Egal, ob Temperaturmessung, pH-Wert-Kontrolle oder Futterzufuhr – in vielen Bereich läuft die Anlage automatisch. Dennoch hat Kleinselbeck ein Team von sieben Mitarbeitern, darunter drei Meeresbiologen, um sich herum. Und auch einen Bereitschafts- und Wochenenddienst gibt es. „Wenn etwas passiert und alle Tiere sterben, können wir erst sechs Monate später wieder ernten", sagt er. Garnele als Sahnehäubchen Zu seinen Kunden zählen Sterneköche als auch Privatpersonen in Deutschland und Österreich. Ein Kilogramm Garnelen kostet knapp 50 Euro. „Es ist kein alltägliches Lebensmittel wie Zucker oder Mehl, sondern eher das Sahnehäubchen oben drauf." Mit seiner Garnelenfarm ist Kleinselbeck auf einem Nischenmarkt unterwegs. Eine knappe Handvoll gibt es in Deutschland. Es scheint sich zu lohnen: Bereits ein halbes Jahr nach der ersten Bestellung denkt Kleinselbeck darüber nach, zu expandieren. 2018 soll die Farm möglichst doppelt so groß sein wie heute.

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