Bundesweit haben wieder mehr Menschen mit Schulden zu kämpfen. - © dpa
Bundesweit haben wieder mehr Menschen mit Schulden zu kämpfen. | © dpa

Bielefeld Private Überschuldung sinkt in OWL entgegen dem Trend

In Deutschland verschärft sich das Problem trotz guter Konjunktur und ruhigem Arbeitsmarkt

Martin Krause

Bielefeld. Bundesweit sind immer mehr Privatleute so drastisch verschuldet, dass sie ihre Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen können. Die Zahl dieser überschuldeten Verbraucher stieg trotz der guten Konjunktur 2015 um 44.000 auf 6,72 Millionen. Die sogenannte Schuldnerquote kletterte leicht von 9,90 auf 9,92 Prozent. In Ostwestfalen-Lippe allerdings verlief die Entwicklung gegen den bundes- und landesweiten Trend, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem "Schuldneratlas 2015" feststellt. Der Überschuldungsgrad sei hier um 0,05 Prozentpunkte auf 9,80 Prozent gesunken, erklärte der Bielefelder Creditreform-Geschäftsführer Udo Roggenbuck. Die Schuldnerquote liege in OWL deutlich unter der im Land NRW (11,52), aber auch unter der bundesweiten Quote von 9,92. 163.077 Personen (minus 567) gelten in OWL als überschuldet: Das heißt, sie wurden von mehreren Gläubigern mindestens zweimal (meist öfter) vergeblich gemahnt. In der Mehrzahl der Fälle wird eine "dauerhafte Schuldnersituation" angenommen, zunehmend werden Vermögensauskünfte verlangt oder gar Haftanordnungen erlassen. Problemviertel in Bielefeld Besonders selten werden Privatleute im Kreis Höxter sowie in großen Teilen der Kreise Paderborn und Gütersloh auffällig, wie ein rascher Blick auf die Schuldnerkarte zeigt. Am höchsten ist das Überschuldungsproblem hingegen in Bielefeld. Vor allem in der Bielefelder Innenstadt gibt es Viertel, wo beinahe jeder Fünfte als überschuldet gilt. Aber der Trend war hier 2015 überraschend positiv: Die Zahl der auffälligen Schuldner sank in Bielefeld um 1.240 auf 29.856, die Schuldnerquote sank von 11,42 unter die Marke von 11 auf 10,94 Prozent. Dabei sind einzelne Stadtteile wie Hoberge und Dornberg ähnlich solide wie die Gemeinde Marienmünster im Kreis Höxter, wo der Überschuldungsgrad am geringsten ist. Roggenbuck spricht in Bielefeld von der siebtbesten Entwicklung im bundesweiten Vergleich - eine Erklärung für das Phänomen hat er freilich nicht. Vermutet wird ein Zusammenhang mit Wegzügen überschuldeter Personen. Roggenbuck und seine Kollegen Dirk Schott (Creditreform Gütersloh), Dirk Markus (Herford/Minden) und Jochen Dornseifer (Paderborn) sagen, dass Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung weiter die wichtigsten Faktoren für den Weg in die Schuldenfalle ist. Allerdings nehme die Bedeutung von Scheidung und Trennung, Krankheiten sowie einem "unangemessenen Konsumverhalten" zu. "Einige verlieren auch einfach nur den Überblick über ihre Verbindlichkeiten", heißt es. Wer dann Hilfe etwa durch Schuldnerberatungsstellen ausschlage, werde unweigerlich in den Schuldensumpf gezogen. Die Eintragung in öffentliche Schuldnerregister und am Ende eine Privatinsolvenz können folgen. Ein Leben auf Pump Ein - etwa für Händler sehr kostenträchtiger - Effekt anhaltender Verschuldung ist offenbar, dass viele Schuldner gezielt auf Pump leben: 57 Prozent der Überschuldeten zahlt einer Umfrage zufolge vorsätzlich seine Rechnungen nicht. Noch immer sei Überschuldung überwiegend "Männersache", ermittelte Creditreform. Doch auch hier holen die Frauen auf: Seit 2006 stieg ihr Anteil an den Schuldnern von 32 auf 38,4 Prozent.

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