Das Firmengebäude der Balda AG in Bad Oeynhausen. - © dpa
Das Firmengebäude der Balda AG in Bad Oeynhausen. | © dpa

Wirtschaft Stevanato hat gute Chancen für Balda-Kauf

Aufsichtsratschef Thomas van Aubel kassierte bereits knapp 35 Millionen Euro und rechnet mit  Rückendeckung für seine weiteren Pläne

Andrea Frühauf

Bad Oeynhausen. Am Freitag entscheiden die Aktionäre der Balda AG bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover, ob die italienische börsennotierte Stevanato-Gruppe den Kaufzuschlag erhält. Sie bietet 80 Millionen Euro für den Erwerb sämtlicher operativer Einheiten des Balda-Konzerns, weiterer Vermögensgegenstände und der Marke „Balda“. Zudem will sie alle Mitarbeiter – auch von der Balda AG (darunter Vorstand Oliver Oechsle) übernehmen. Balda erwartet nach eigenen Angaben in allen Tagesordnungspunkten Zustimmung mit großer Mehrheit, „weil das Stevanato-Angebot nochmals attraktiver für die Aktionäre ist“. Balda-Aufsichtsratschef und -Mehrheitseigner Thomas van Aubel, dessen Elector GmbH 29,43 Prozent hält, will die Börsenhülle dann für eine Beteiligungsgesellschaft nutzen. Für seine Pläne benötigt er eine Mehrheit von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen. Je geringer die Präsenz ist, desto mehr fällt jede gültige Stimme ins Gewicht. Zugleich müssten die Aktionäre ihre Beschlüsse der vergangenen Hauptversammlung kippen. Im November hatten die Aktionäre das Kaufangebot von Heitkamp & Thumann befürwortet. Die Düsseldorfer bieten 74 Millionen Euro, sind aber im Gegensatz zu dem italienischen Familienunternehmen weder an der Marke „Balda“ noch an Mitarbeitern der Balda AG interessiert. Die beschlossene Dividende von 2 Euro je Aktie wurde ausgezahlt. Sie brachte van Aubel knapp 35 Millionen Euro ein. Analyst von First Berlin hält Angebot für gut  Aus Bankenkreisen verlautete, neben van Aubel würden auch US-Investoren für einen Verkauf an die Italiener stimmen. Das TPG-amerikanische Octavian-Fonds-Geflecht hatte vor einem Jahr Anteile verkauft. Damit hielten TPG Opportunities/Augustus damals noch 2,96 Prozent, Indaba Capital Fund 2,79 Prozent und Point Lobos Capital 2,95 Prozent. Rückendeckung erhielt van Aubel vor Tagen auch von Simon Scholes, Aktienanalyst von First Berlin, der wegen des überzeugenden Stevanato-Angebots den Kauf der Balda-Aktie empfahl. Wegen heimlicher Stimmrechtsabsprachen mit den US-Hedgefonds Octavian, Augustus, TPG, Indaba und Derek C. Schier hatte die Idunahall Verwaltungsgesellschaft Elector (van Aubel) im Herbst 2013 verklagt. Ein Mitarbeiter von First Berlin Equity Research, die Balda beriet, habe dies am Telefon verraten. Doch ein Beweis war schwierig, die Klage wurde zurückgezogen.

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