Thomas Rabe: Er bleibt bis 2021 an der Spitze des Bertelsmann-Konzerns. - © Bertelsmann
Thomas Rabe: Er bleibt bis 2021 an der Spitze des Bertelsmann-Konzerns. | © Bertelsmann

Gütersloh Thomas Rabe verlängert bei Bertelsmann - ein Porträt

Bis 2021 bleibt er an der Spitze des Medienkonzerns / Bernd Hirsch ist neuer Finanzvorstand

Gütersloh. Thomas Rabe (50) geht in die Verlängerung. Der Aufsichtsrat der Bertelsmann SE & Co. KGaA hat den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden um fünf Jahre verlängert. Das hat das Unternehmen bestätigt. Rabes aktueller Vertrag läuft noch bis Ende 2016, er könnte somit bis 2021 Chef von Bertelsmann bleiben.

Mit Bernd Hirsch hat der Konzern auch einen neuen Finanzvorstand gefunden. Hirsch kommt vom Holzmindener Geschmacksstoffhersteller Symrise AG, Rabe ist dort Aufsichtsratschef. Schon bald ist Thomas Rabe der ältestgediente Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende seit Mark Wössner. Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht?

Rabe ist ruhiger geworden. Entspannter, unaufgeregter. Längst nicht mehr so gehetzt wie am Anfang seiner Dienstzeit an der Bertelsmann-Spitze. Was nicht heißt, dass er satt wäre. Bissig ist er noch immer. Hungrig auch. Für seinen Arbeitgeber, den Gütersloher Medienkonzern, reibt er sich auf. Und verlangt dies auch von anderen.Aber jetzt erzählt er auch gern mal von seinem Haus in Südtirol mit Blick auf das Massiv der Texelgruppe. Davon, dass er begonnen hat, moderne Kunst zu sammeln. Vom Hörbuch
„Deutsche Geschichte" mit seinen 12 CDs ist er ganz begeistert.

„Ich mache Dinge ganz oder gar nicht"

„Ich kann mir nicht vorstellen, noch einmal für ein anderes Unternehmen tätig zu werden", sagt Rabe im kleinen Kreis. Früher wurde der umtriebige Manager schon mal mit anderen Konzernen in Verbindung gebracht. Von Pro Sieben/Sat1 war die Rede. Von Haniel und vom französischen Konkurrenten Vivendi. Das ist vorbei. „Ich mache Dinge ganz oder gar nicht", sagt er. Will sagen: Jetzt, da er für weitere fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender bestätigt ist, wird er es auch bleiben.

Seit 16 Jahren ist Rabe im Bertelsmann-Konzern, zuerst als Finanzchef bei RTL, danach als Finanzvorstand im Gesamtkonzern. Und seit Anfang 2012 ist er der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann SE & Co. KGaA. Rabe ist in Brüssel geboren, er ist also gewissermaßen von Geburt an Europäer, Rabe gilt als Kosmopolit, er spricht fünf Sprachen. Zur Schule ist er in der belgischen Hauptstadt auf die Ecole Européenne gegangen.

Erste berufliche Stationen waren die Treuhandanstalt und anschließend der Finanzinvestor Clearstream International. Seit Rabe bei Bertelsmann das Sagen hat, ist der Konzern im Umbau. Wachstumsstärker, digitaler und internationaler solle Bertelsmann werden, fordert Rabe von seinen Mitarbeitern immer wieder. „Wir sind mit dem Umbau erst auf der Hälfte angekommen", sagt Rabe gern. Aber immerhin seien inzwischen alle Themen gesetzt.

90 Millionen Euro im Kreis Gütersloh investiert

Neuer Finanzvorstand: Bernd Hirsch. - © Bertelsmann
Neuer Finanzvorstand: Bernd Hirsch. | © Bertelsmann

Das Thema Bildung ist als letzte, dritte Säule hinzugekommen. In absehbarer Zeit soll sie eine Milliarde zum Konzernumsatz beitragen. Eine vierte Säule werde jetzt nicht mehr hinzukommen, sagt Rabe. Viele Millionen Euro hat Rabe investiert in Unternehmen, die sich im Wachstumsmarkt Online-Bildung tummeln. In China, in Brasilien, in Indien hat sich Bertelsmann an zahlreichen Fonds und Startups beteiligt.

Aber auch in Gütersloh selbst bleibt Rabe präsent und aktiv. 90 Millionen Euro hat Bertelsmann im vergangenen Jahr im Kreis Gütersloh investiert. Ein wichtiges Signal war auch die Stärkung des Standorts in Rheda-Wiedenbrück. Hier war einst die Zentrale des Bertelsmann Buchclubs, den Rabe abgewickelt hat. Kurz vor Weihnachten waren die letzten Büchersendungen an die Clubmitglieder verschickt worden. Rheda wird nun neben Schwerin Standort der zentralen Buchhaltung für Deutschland.

Im Rahmen der konzernweiten Aktion „Operation excellence" hatte das Unternehmen auch über eine Verlagerung nach Kattowitz in Polen nachgedacht, diese Planung aber nach einer Einigung mit dem Konzernbetriebsrat abgeblasen. Von der Einigung betroffen sind rund 150 Mitarbeiter in Rheda.Die Zeitschriften-Tochter Gruner und Jahr hat Rabe neu aufgestellt mit Julia Jäkel an der Spitze, inzwischen gehört die Verlagsgruppe komplett zu Bertelsmann.

Exzellente Bertelsmann-Zahlen

Die Dienstleistungstochter Arvato ist ebenfalls kräftig durchgeschüttelt worden. Fernando Carro, der neue Arvato-Chef, gilt als Hoffnungsträger. Immerhin war er neben Rabe sowie Liz und Brigitte Mohn der einzige Bertelsmann-Vertreter beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch die Unternehmenszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach neun Monaten meldete Rabe einen Gewinnsprung.

Das operative Ergebnis steigt auf fast 1,6 Milliarden Euro, 7,4 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Nach Steuern verdoppelte sich der Gewinn fast auf 573 Millionen Euro. Der Umsatz lag nach neun Monaten bei 12,2 Milliarden Euro, der höchste Wert seit 2007. Auch wenn die Bertelsmann-Zahlen für das gesamte Jahr 2015 noch nicht vorliegen – dass sie exzellent sein werden, ist nicht allein in Gütersloh zu hören.

Kommentar
Legenden
Demnächst ist der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe der ältestgediente Vorstandsvorsitzende nach Mark Wössner.
Wössner ist „Legende" bei Bertelsmann. Und Thomas Rabe ist auf dem besten Wege, auch zu einer zu werden. Er treibt den Umbau des Konzerns voran, hat Bertelsmann zurück in die Erfolgsspur gebracht. Und er hat das Vertrauen der Eigentümerfamilie Mohn.
Das wirkte auch schon einmal anders. Vor knapp zwei Jahren verlas die Kommunikationschefin Karin Schlautmann bei der Bilanz-Pressekonferenz eine Erklärung des Aufsichtsratschefs Christoph Mohn, mit der er seinem Vorstandsvorsitzenden ausdrücklich das Vertrauen aussprach.
Solch einen ungewöhnlichen Schritt tut man nur, wenn die Not groß ist. Das allerdings verwundert nicht wirklich. Denn vor und nach Mark Wössner hat sich kein einziger Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann länger im Amt gehalten als knapp fünf Jahre.

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Information

Thomas Rabe

Mann der Zahlen und der Musik

Thomas Rabe gilt als weltoffen und weltgewandt. Er parliert beim Weltwirtschaftsforum in Davos, verhandelt mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Dass er sich mit Musikern bestens versteht, ist keine Überraschung. Als Jugendlicher hat Thomas Rabe in einer Punkband die Bassgitarre gezupft. Folgerichtig war die Bertelsmann-Musikrechte-Tochter BMG bei Thomas Rabe angesiedelt. Neben der Musik ist die persönliche Fitness eines seiner wichtigsten Themen. Morgens läuft er – bei fast jeder Witterung. Rabe ist gertenschlank, kann an reichlich gefüllten Büffets ohne Mühe vorbeilaufen. Statt dessen trinkt er viel lieber eine Tasse Ingwer-Tee.

Thomas Rabe ist am 6. August 1965 in Luxemburg geboren, mithin ist er 50 Jahre alt. Zur Schule gegangen ist er an der Brüsseler Schule Ecole Européenne. Rabe spricht angeblich fünf Sprachen. Studiert hat er in Aachen und in Köln und seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften gemacht.

Erste berufliche Stationen waren 1990 die Treuhandanstalt und der Finanzinvestor Clearstream. International.

Im Jahr 2000 stieß Rabe als Finanzvorstand zu RTL und damit zu Bertelsmann. Sechs Jahre später, 2006, wurde er Finanzvorstand des Gesamtkonzerns Bertelsmann. 2012 löste er Hartmut Ostrowski als Vorstandsvorsitzender des Konzerns ab. Ganz nebenbei führte er immer wieder das Finanzressort, wenn dieses verwaist war.

Rabes Vertrag bei Bertelsmann ist soeben bis 2021 verlängert worden. Dann ist er 56 Jahre alt – und damit noch vier Jahre von der Bertelsmann-Alters-Obergrenze von 60 Jahren entfernt.

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