Jeder Schein zählt: Wer in Fonds und Aktien investiert, braucht Geduld und gute Nerven. - © dpa
Jeder Schein zählt: Wer in Fonds und Aktien investiert, braucht Geduld und gute Nerven. | © dpa

Wirtschaft Experten beantworten Fragen zum Thema Fondssparen

Fondssparen: Welche Anlagen in diesen Zeiten noch Rendite versprechen

Stefan Schelp

Bielefeld. Das Angebot an Investmentfonds ist riesengroß. Welcher ist der richtige für mich? Welche Fonds bieten attraktive Renditen? Fragen rund ums Fondssparen beantworteten bei einer Telefonaktion der Neuen Westfälischen Süleyman Daral, Michael Hoppmann und Rolf Drees vom deutschen Fondsverband BVI. Alle Fragen und Antworten: Wir haben deutsche und internationale Aktienfonds. Sollen wir die besser verkaufen wegen der Börsenturbulenzen? Nicht nervös werden. Wir können die Börsenentwicklung zwar nicht vorhersehen, doch die Erfahrung zeigt, dass es wenig Sinn macht, bei fallenden Kursen zu verkaufen. Langfristig bieten Aktienfonds nach wie vor gute Renditechancen. Für Aktiensparen ist viel Geduld nötig. Ich bin 27 Jahre alt. Lohnen sich Investmentfonds für meine Altersvorsorge? Ja, wenn Sie langfristig Vermögen aufbauen wollen, sind Fondssparpläne ideal. Die höchsten Renditemöglichkeiten bieten bei Ihrem langen Anlagehorizont die Aktienfonds. Hier sind erfahrungsgemäß im Schnitt etwa fünf bis acht Prozent jährlich realistisch. Bin ich bei einem Fondssparplan an feste Laufzeiten gebunden? Nein, Fondssparpläne haben in der Regel keine im Vorhinein festgelegte Laufzeit. Sie können jederzeit unterbrechen, die Sparrate ändern und auch täglich über das angesparte Kapital verfügen. Sind Rentenfonds nicht besser, um für die Rente vorzusorgen? Nein, denn Rentenfonds legen in festverzinsliche Wertpapiere an. Und hier werden derzeit nur sehr niedrige Zinsen geboten. Aktienfonds sind langfristig die bessere Wahl. Der Begriff Rentenfonds hat nichts mit der gesetzlichen Rente zu tun. Da festverzinsliche Wertpapiere auch als Renten bezeichnet werden, bezeichnet man in festverzinsliche Wertpapiere anlegende Fonds eben auch als Rentenfonds. Ich habe ein Haus für 350.000 Euro verkauft. Wie soll ich das Geld anlegen, wobei ich meine Erben berücksichtigen möchte? Machen Sie mit Ihrem Kreditinstitut einen Beratungstermin aus. Grundsätzlich ist eine breite Streuung ratsam, die mit Fonds gut machbar ist. Legen Sie je nach Anlagestrategie nicht die gesamte Summe sofort an, sondern investieren Sie nach und nach. Beziehen Sie gegebenenfalls Ihre Erben in das Beratungsgespräch ein. Wichtig ist darüber hinaus, dass Sie eine finanzielle Reserve für Notfälle als Festgeld oder Tagesgeld haben. Ich habe Anteile eines europäischen Rentenfonds. Ist die Anlage noch sicher? Durch die Anlagepolitik des Fonds ist das Kreditausfallrisiko gering. Aber es besteht ein Kursrisiko aufgrund möglicher steigender Zinsen. Denn dann fallen die Kurse der Anleihen. Und das würde sich negativ in der Wertentwicklung niederschlagen. Deutsche oder ausländische Aktienfonds, wo sind die Chancen besser? Die deutsche Wirtschaft ist gut aufgestellt, so dass deutsche Aktien bzw. Aktienfonds gute Perspektiven haben. Da man aber nicht einseitig anlegen sollte, ist es ratsam, auch Aktienfonds beizumischen, die international breit gestreut anlegen. Was sorgt für weniger Schwankungen im Depot? Diversifikation, das heißt eine breite Mischung in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien. Dabei sind offene Immobilienfonds eher stabilisierend zu sehen, da diese inflationsgeschützt sind. Sind offene Immobilienfonds noch steuerlich interessant? Ja, denn nach wie vor ist ein beträchtlicher Teil der Erträge aus offenen Immobilienfonds für den Anleger steuerfrei. Ich möchte meine Abfindung anlegen, bin 60 Jahre alt. Meine Beraterin hat empfohlen, 20 Prozent in Aktienfonds und 80 Prozent in Fonds mit Anleihen anzulegen. Ist das in Ordnung oder sind Aktien nicht zu riskant? Aktien gehören zu einer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie dazu, da sie langfristig Rendite bringen. Mit 60 Jahren haben Sie noch Zeit genug, um zwischenzeitliche Kursrückschläge hinzunehmen und auf eine Erholung der Kurse zu warten. Je nach Risikobereitschaft würde ich Ihnen also zwischen etwa 10 und 40 Prozent Aktienanteil in breit streuende Aktienfonds anzulegen. Wenn Sie wegen der Schwankungen der Aktienkurse unsicher sind, ob heute der richtige Zeitpunkt ist, dann können Sie beispielsweise in den nächsten 12 Monaten jeweils ein Zwölftel des dafür vorgesehenen Geldes monatlich in Aktienfonds anlegen. Soll ich einen Sparplan mit Aktienfonds wegen der fallenden Börsenkurse besser abbrechen? Warum denn – Sie kaufen doch jetzt zu den gesunkenen Kursen Aktien billiger ein als früher. Es dürfte sich langfristig auszahlen, weiter zu machen und durchzuhalten. Bei einem Verkauf von Aktienfonds könnte ich jetzt noch Gewinne mitnehmen. Sind die steuerpflichtig? Wenn Sie Fondsanteile verkaufen, die Sie vor 2009 erworben haben, sind die Gewinne steuerfrei. Veräußern Sie nach dem 31.12.2008 erworbene Fondsanteile, sind Veräußerungsgewinne dagegen grundsätzlich steuerpflichtig, das heißt die Bank wird automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer einbehalten, wenn der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Person ausgeschöpft ist. Ich bin Anfang 30, absoluter Wertpapieranfänger. Wie sollte ich mit der Wertpapieranlage starten? Am besten mit einem sogenannten Basisinvestment, das heißt breit gestreut auf unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien, Festverzinsliche und Immobilien – am besten in Form eines Sparplans. Was sind Garantiefonds? Das sind Investmentfonds, die meist am Laufzeitende den eingezahlten Wert garantieren. Diese Garantie kostet natürlich Rendite.

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