Ist optimistisch: NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. - © dpa
Ist optimistisch: NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. | © dpa

Wirtschaft Digitalisierung: Auf dem Weg in die vernetzte Produktion

Konsortium  soll kleinen und mittelständischen Unternehmen in NRW beim Megathema „Industrie 4.0“ helfen.

Florian Pfitzner

Düsseldorf. Gründer in der digitalen Wirtschaft jammern bereits seit einiger Zeit über die karge Nachfrage in den etablierten Industriezweigen. Mit Blick auf die Anwendung neuer Technologien herrschen bei traditionellen mittelständischen Unternehmen ausgeprägte Berührungsängste. Von 4.500 kleineren deutschen Firmen kann nur jede fünfte etwas mit dem Begriff „Industrie 4.0" anfangen. Das gehe aus einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung hervor, sagte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in Düsseldorf. Um das zu ändern, hat er nun die Initiative „Mittelstand 4.0" vorgestellt – ein „Kompetenzzentrum", um Mittelständlern die Chancen des digitalen Wandels näherzubringen. Es geht um die Digitalisierung von Produkten, Produktion und Prozessen, um „greifbare Angebote" für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Immer noch wendeten sich „viel zu viele Mittelständler" nur „mit spitzen Fingern" dem technologischen Fortschritt zu, kritisierte der Minister. Er sieht einen Trend: Je kleiner die Unternehmen, desto größer die Distanz. Dabei sei NRW mit seinen 755.000 KMU „das Land des Mittelstands". Manchmal beginnen die Vorbehalte schon bei Ausdrücken. Schlagworte wie Big Data oder Cloud Computing „wirken auf den ersten Blick abstrakt und schrecken ab", räumte Günter Korder ein, Geschäftsführer der „it’s OWL"-Clustermanagement GmbH, die dem neuen Konsortium angehört. Es steckten jedoch „konkrete" und vor allem „nutzenbringende Technologien" dahinter. Das NRW-Netzwerk verspricht, Wissen und Erfahrung von 500 Technologieexperten zu bündeln und erstmals auf regionaler Ebene zu teilen. Mithin sei „eine enge Zusammenarbeit mit Partnern wie den Industrie- und Handels- sowie den Handwerkskammern unverzichtbar", erklärte Michael ten Hompel vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Wenn sich der Mittelstand jetzt aufraffe, „erhalten wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes NRW", sagte Patrick Beaujean vom Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen. Als Gründe für ihre zaudernde Haltung gegenüber der umfangreichen digitalen Vernetzung nennen Unternehmen vor allem Bedenken an der Datensicherheit oder hohe Investitionskosten. Duin, der das Thema bereits kurz nach Amtsantritt „in die Köpfe der Chefs bringen" wollte, warnt: „Wir müssen aufpassen, dass unsere Klein- und Mittelbetriebe nicht den Anschluss an die internationale Entwicklung verlieren." Angesichts berechtigter Sorgen um die menschliche Arbeitskraft versicherte der Minister, dass es „immer noch den Ingenieur braucht, der sich mit der Maschine auskennt". Der Ausblick des Ministeriums geriet zuversichtlicher, als man erwarten durfte. In 18 Monaten sei das Netzwerk bereit für eine erste Zwischenbilanz – nach der Landtagswahl im Frühjahr 2017.

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