Der Preisverfall beim Rohöl macht auch Heizöl und Benzin immer billiger. - © dpa
Der Preisverfall beim Rohöl macht auch Heizöl und Benzin immer billiger. | © dpa

Wirtschaft Preise für Benzin und Heizöl im freien Fall

Experten sehen zwar noch kein Ende der Talfahrt, langfristig aber eine Trendwende

Andrea Frühauf

Bielefeld. Die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran hat die Ölpreise weiter auf Talfahrt geschickt. Europäisches Rohöl der Sorte Brent kostete im Tief 27,70 US-Dollar und damit so wenig wie seit November 2003 nicht mehr. Verbraucher können dadurch günstiger tanken und heizen. Allein 2015 haben sie hierzulande mehr als 13 Milliarden Euro gespart, weil die Ölpreise so stark gefallen sind. Für Öl-Exportstaaten wie Russland kann die Entwicklung dagegen ruinös sein. Ursachen Der Iran hatte bereits angekündigt, mit dem Ende der Sanktionen seine Rohölexporte um etwa 500.000 Barrel pro Tag hochzufahren. „In den nächsten Monaten will der Iran seine Ausfuhren um eine Million Barrel pro Tag erhöhen", sagt Lars Ehrlich vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Damit wachse das weltweite Überangebot. „Jeden Tag werden ein bis zwei Millionen Barrel mehr Öl produziert als verbraucht." Neben dem schwächeren Wachstum in China („enttäuschte Erwartungen") drückte auch Saudi-Arabien, das seine Fördermenge erhöhte, um die USA, Russland und den Iran zu schwächen, den Ölpreis. Gaspreis abgekoppelt Heizöl kostete am Montag im Schnitt 39,40 Euro pro 100 Liter; Heizölhändler hätten Abschläge von 1 bis 2 Cent pro Liter gemeldet, berichtete Tecson. „Damit ist ein tolles Preisniveau erreicht." Der Heizölkunde könne sich zu Tiefpreisen wie vor zwölf Jahren eindecken. Der Abwärtstrend habe einen neuen Schub erhalten, „so dass man auf weiteren Preisrückgang spekulieren mag". Der Preisdruck bleibe bestehen. Der Erdgaspreis hat sich seit der Börsennotierung (2010) vom Ölpreis etwas abgekoppelt. Gestern wurden 6,38 (2005: 5,39) Cent pro kWh (Jahresverbrauch 20.000 kWh) verlangt. Diesel Der ADAC erwartet auch in der „näheren Zukunft moderate Preise". In Bielefeld kostete ein Liter Diesel am Montag 91,9 Cent, Super E10 kostete hier 1,159 Euro. Sinkende Einkaufspreise würden 1:1 an Verbraucher weitergegeben, betonte der Mineralölverband. Der Preisrückgang beim Benzin ist wegen der höheren Steuern weniger hoch als beim Rohöl. Prognosen Bei aller Freude der Verbraucher – auf lange Sicht wird der Ölpreis wieder anziehen. Da sind sich die Experten einig. Zwar erwarten sie zunächst ein weiteres Absinken, dann aber kehrt sich der Trend um. Die Commerzbank rechnet Ende des Jahres mit einen Preis von 50 Dollar. Analyst Carsten Fritsch glaubt, dass der steigende Autoabsatz in den USA, wo spritschluckenden SUV gefragt sind, die Nachfrage erhöht. Volle Lager Die Energieexpertin Gail Tverberg hält gar einen Ölpreis von unter 10 Dollar für möglich, da die Öllagerung 2016 ein Problem werden könne, wie sie in ihrem Blog „Our Finite World" schreibt. Schon in den nächsten drei Monaten dürften die Lagermöglichkeiten bei wachsendem Angebot knapp werden. Die OECD-Staaten haben allein gut drei Milliarden Barrel Öl auf Lager. Lesen Sie auch den Kommentar von Stefan Schelp dazu.

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